Durch Vor-Urteile überleben

Das Positive des prototypischen


Das Grabschild ist übrigens echt, kein Fake. Es existiert wirklich. Auf dem Friedhof von Tombstone, Arizona, der Kernzone des „Wilden Westens“ der USA (in dem Ort, in dem das große Shooting am OK-Corall stattfand, am 28. 10. 1881; Die Earp-Brüder und Doc Holliday  kämpften gegen die Laury- und Clanton-Brüde; das Drama/Thema wurde mehrfach verfilmt und gilt als Western-Klassiker.

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Hier sind sie beheimatet, unsere so genannten Vor-Urteile, die in Wirkichkeit pure Intuition und gespeichertes Wissen sind.
Hier sind sie beheimatet, unsere so genannten Vor-Urteile, die in Wirkichkeit pure Intuition und gespeichertes Wissen sind.

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 Wie denken Menschen?

 

Wir beklagen, was unser größter geistiger (mentaler, intellektueller)Vorteil auf dieser Welt ist.Unser jeweiliges, stets individuelles oder generelles, manifestes und blitzschnell aufpoppendes Vorurteil. Das Schubladendenken. Unsere Sturheit, die auch gerne zuweilen Engstirnigkeit genannt werden darf und muss. Mit diesem Wissen aus dem Unterbewusstsein, den archaischen („ererbten“, übernommenen, „in den Genen liegenden“) oder antrainierten („eingebläuten“) oft gar nicht mehr hinterfragten Grundeinstellungen kommen wir bestens durchs Leben. Umgekehrt: Hätten wir sie nicht, würden wir immer und abrupt scheitern. 

 

Stellen Sie sich eine normale, in der Vergangenheit eingebettete Situation vor. Sie als (aus heutiger Sicht) „Steinzeitmensch“ stampfen durch die Steppe. Plötzlich steht in erreichbarer Weite ein Tier vor ihnen. Ihr Überleben hängt davon ab, dass sie in Bruchteilen von Sekunden entscheiden können, ob es Freund oder Feind ist, harmlos oder gefährlich. Und wenn gefährlich, was zu tun ist, der Gefahr zu entkommen. Ohne dieses Vor-Urteil, das Schubladendenken, das Wissen um das Vergangene sind Sie in höchster Gefahr bis bald tot. Ihre Rettung ist Ihr Unterbewusstsein, der impulsive Reflex, den man auch bezeichnen kann als … 

… Innere Stimme

Dieses intuitive Wissen ist die Intelligenz, die die Menschheit werden ließ, was sie nunmehr ist. Es gab und gibt ja auch gar nichts anderes, wie und wo Wissen, Können, summa summarum Intelligenz (=„kluges Verhalten“) gesammelt und „performed“ (ausgeführt) werden kann als im Inneren, der Intuition, im antrainierten Verhalten eines jeden Menschen. Gedruckte Lexika und netzbasierte globale Datenbanken sind erstens entwicklungsgeschichtlich sozusagen „neuer als neu“ und keineswegs garantiert von Ewigkeit. Hätten wir das Wissen nicht in uns und damit jederzeit dabei – wir liefen ja dumm und dämlich durch die Gegend. Schutzlos und unfähig zu Reaktion, die von Impulsen unseres Umfeldes ausgehen.

 

Denkt man diese Logik zu Ende, kommt Erstaunliches zutage: Der Intellekt, das Denken und Überlegen, das allzu viele Wägen und modifizieren stehen klugen und nutz- wie zielgerichteten Entscheidungen sogar möglicherweise eher im Wege als sie zu hilfreichen Lösungen führen. 

 

Der Fußballer auf dem Platz, der Ball kommt angeflogen: „Ja, wie das, ja, was ist jetzt das? Äh, ein Ball. O, was mach ich denn jetzt damit? Verflixt, was kann ich jetzt tun …“ – Nein, hier geht es nicht um die Verhöhnung der Deutschen Nationalmannschaft, sondern ums Grundsätzliche. Wenn die Reaktion auf den heranfliegenden Ball nicht binnen Sekundenbruchteilen kommt, mental wie auch körperlich, geht das Spiel wahrscheinlich verloren. Das Vor-Urteil ist also die Grundlage des Erfolges. Das Reflexhafte ist besser als bloße Theorie. Beides kombiniert, und zwar in Echtzeit, im Augen-Blick, kann von größter Nützlichkeit sein und zur Überlegenheit, zum Sieg führen. 

 

Jeden Tag durchs Leben dribbeln

Solche Bälle kommen jeden Tag in ziemlicher Menge auf uns zu geflogen. Gespräche mit Fragen, Handlungen und Entscheidungen, die zu anderen, ungewohnten Situationen führen, Ereignisse um uns herum, die uns betreffen und denen wir „ausgeliefert“ sind. Das tägliche Leben ist ein permanentes Dribbling mit den Möglichkeiten, die wir haben. Unseren Reaktionen („Ballschüsse“), die das Spiel voranbringen, Tore erzielen oder eben im Aus, im Besitz der Gegner landen. 

 

Wir könnten solche blitzschnellen Entscheidungen, oft im Sekundentakt nacheinander, nicht ohne Vorwissen, nicht ohne Vor-Urteile bewältigen. Faktisch nicht. Weswegen eine theoretisch-philosophische Diskussion, wie „gut“ oder nützlich diese sind, völlig obsolet (sinnlos) ist. Wir können nicht darauf verzichten. 

 

Doch eine andere Frage ist von höchster Priorität: Wie können wir uns Vor-Urteile antrainieren, die in der Summe, „unter’m Strich“, nützlicher als fehlerhaft sind? Uns also mehr Vorteile bringen als Nachteile. 

 

Die Antwort ist so einfach wie deren Umsetzung nicht ohne Tücken: Durch ständiges Trainieren des Geistes. Wir müssen uns die Fähigkeit antrainieren, unsere eigenen Vorurteile zu kontrollieren. Und wenn es sein muss, durch und mit Vorurteilen unsere Vorurteile überwachen. Klingt absurd, ist aber machbar. Indem wir unser Unterbewusstsein mit den richtigen Impulsen und vorsorglichem Wissen füttern, versorgen. Indem wir im Spiel und Training, in relaxten Situationen uns über die Fehler der Vorurteile lustig machen und sie damit diskreditieren; in uns und für uns. 

 

Wer macht den Schiedsrichter?

Wie wollen wir, wenn wir uns selbst kontrollieren wollen und sollen, die Maßstäbe setzen, nach dem etwas „falsch“ oder „richtig“ ist; auch nützlich und unnütz, moralisch gut oder einfach böse, strategisch wertvoll oder plumpe Selbsttäuschung? 

Indem wir unser Denken mit dem Denken anderer Menschen vergleichen. Und damit so etwas wie eine „kollektive Intelligenz“ – auch Schwarm-Intelligenz genannt – erkennen bzw. erfahren, ein „tut man nicht“ oder „macht man“. Zwar geht der Kalauer, Millionen Fliegen könnten nicht irren, also Leute, fresst Scheiße, der uns lehren will, nicht den Massen und deren Urteile zu vertrauen. Doch wir sollten eher lernen, dass uns dieser Kalauer arg reinlegen und bluffen will. Ja, Fliegen ernähren sich von Scheiße und wo steht in der Frage geschrieben, dass es wir Menschen auch tun sollen? Machen wir uns solche Logik zum Werkzeug unseres Unterbewusstseins, haben wir schon etliches erreicht. 

 

Zwischenprüfung: Eine Mutter hat vier Söhne mit seltsamen Namen. Der erste heißt Nord, der zweite Süd, der dritte West. Wie heißt der vierte.  // Kennen Sie die Antwort, und Sie ahnen, er heißt nicht Ost. Wie heißt er? Na, steht doch da: Wie! // Logik, logisch angewandt, führt eben zu Erkenntnissen, die man dem Vor-Urteil, dem spontanen Reflex-Urteil entreißen kann. Denn hätte hinter dem Satz „Wie heißt der vierte“ ein Fragezeichen gestanden, wäre es eine Frage gewesen. Es stand aber ein Punkt dort. Es war also eine Aussage, eine Mitteilung – und eben keine Frage, sondern eine sozusagen vorauseilende Antwort auf eine vielleicht zu erwarten gewesen währende Frage. 

 

In solche Denkfallen lockt uns das normale Leben täglich. Gut also, wenn dann das Unterbewusstsein, unsere Innere Stimme aufmerksam genug ist, dich dem Ganzen zu widmen, Zusammenhänge zu sehen und nicht auf einzelne vordergründige oder scheinbar zwangsläufige Aspekte konzentriert. 

 

Aus vielem ergibt sich ein Hinweis im Detail

Machen wir uns auf die Suche, wie andere Menschen denken. Welche Urteile, nein: Vor-Urteil sie haben. Summarisch gesehen, „unter’m Strich“. Und wir tun es auf eine sehr kuriose, sehr moderne Art und Weise. Wir fragen Google (ach, da wäre jetzt aber keiner drauf gekommen, oder?! :-)

 

Was dann damit gemacht wird, haben Sie sicherlich (ist kein Vor-Urteil, sondern pure Logik) so noch nicht gesehen, bis jetzt jedenfalls. 

Schritt eins: Ein Begriff wird in die Google-Suche eingegeben und wir schauen uns die Bild-Ergebnisse an (Bilder zum eingegebenen Suchwort).

Schritt zwei: Von diesem Bildschirm wird ein Screenshot gemacht und dieser in Fotoshop mit einem Filter „neutralisiert“, nämlich auf seine Durchschnittsfarbe gestellt. Und dann für verschiedene Begriffe die Farbtöne verglichen. Womit man herausfindet (ohne dass man dies zurückrechnen oder interpretieren kann), dass in der Tat unterschiedliche Begriffe zu unterschiedlichen „Denkfarben“ führen (das ist jetzt nur mal so ein  Begriff, um etwas zu bezeichnen; er ist mit keiner tieferen Bedeutung versehen; soll einfach nur Differenz-Indikator sein). Mit anderen Worten, aber dieser Rückschluss ist möglich: Unterschiedliche Stichwörter führen kollektiv zu unterscheidbaren Bildern im Kopf. 

 

Fragen wir Google, wie sich Angst darstellt, und man sieht ziemlich unisono: Angst wird symbolisiert durch ein Gesicht mit aufgerissenem Mund. Und die Farbe ist – ein ängstliches „Ziemlich-Grau(envoll“).

 

Der Begriff „Ärger“ stellt sich schon ein wenig heller dar – kurios, oder?! 

Und, grün ist alle Hoffnung, wer hätte gedacht, dass Glück kollektiv als grün gesehen wird? Oder hätte man es sich nicht doch denken können, wie stark verankert Vor-Urteile sind?! 

 

Der Begriff Ruhe kehrt dann auch farbtonmäßig zu einem langweiligen Grau und eher „müden“ Bildern zurück. „Wut“ wird dann schon wieder  kräftiger, wie wohl zu erwarten. Und, erstaunlich, „rot im Gesicht“, was man dem rötlichen Grau sofort ansieht! – Zufriedenheit tendiert dann wieder zu „glücks-grün“.

 

Zusammengestellt ergibt sich allein aus der Farbe der doch nun zufällig bei Google gefundenen Bilder eine durchaus nachvollziehbare Farbskala; so  dass man rückschließen kann, dass für bestimmte Begriffe kollektiv gleichgerichtete Vor-Urteile vorhanden sind. Und zwar im Unterbewusstsein, also da, wo sie hingehören. 

 

Den emotionalen Inhalt von Bildern und ihren Farben kann man nicht „vergeistigen“. Man kann die Formel
3 x -2 = -6 in
-6/-3 = 2 wandeln,
aber keinen „warmen“ Sonnenuntergang in eine kühle Mondscheinstimmung verwandeln. Oder doch – ??? Eher wohl nein, weil sich mit anderen Farben auch andere Bilder ergeben: Und mit anderen Bildern, Bild-Prototypen, Denk-Klischees, Sujet-Vorurteilen eben auch andere Emotionen, eine andere Denkfarbe —
(siehe Aphorismen: „Die Farben der Gedanken“,
www.solingen.media
oder www.my-art.cloud).  

 

Was wir denken. 

Sprechen wir über Vor-Urteile, so meinen wir doch im wesentlichen, was wir denken („richtig“ oder „falsch“ gewissermaßen). Aber eben: Was wir denken, nicht über das, was wir sehen? Oder doch? Und wenn ja, wo sehen wir es. In der Abbildung, die sich uns bietet (sozusagen der realen Wahrheit) oder in der Rekognition, der persönlichen Gehirn-/Denk-/Wissens-/Erfahrungs-/Gewohnheits-Interpretation des Gesehenen. Oder lösen Impulse (in diesem falle grafisch-visuelle Reize; aber mit akustischen geht es genau so, auch mit Gerüchen, Gefühlen im Sinne von „Anfassen“, mit Geschmack irgendeiner Speise oder Tranks) eben unterbewusste, blitzschnelle Reaktionen aus, die Vor-Urteile nämlich. Die dann als Re-Aktion zur Rück-Aktion, zur Handlung werden? 

In der Tat, genau das passiert. Das ist der blitzschnelle, unterbewusste Kreislauf, dem wir alle unterliegen. 

 

Die Entscheidung eines Willens, der wie frei ist?

Das interessante ist, wie nun die auf uns eindringenden Reize von unserem Unterbewusstsein, von unseren Vor-Urteilen gesteuert werden. Indem sie kategorisiert werden, indem man sie in Schubladen steckt und proto-typisch behandelt. „Typisch“ und „Vor-Urteil“ gehören deshalb in den Diskussionen um Toleranz, Offenheit und Verständnis immer zu Wortpaaren, die als Buhmänner herhalten müssen.  

Um es dramatisch auszudrücken: Ständig tobt in uns ein Kampf. Zwischen dem unbewussten, spontanen Empfinden und der vermeintlich überlegten, rationalen Entscheidung. Dem von uns gerne als „frei“ bezeichneten Willen, der gar nicht anders kann, als von Vor-Urteilen gesteuert zu sein.  

Dies ist eine Ausgangslage: Da liegen eine Menge Fakten auf dem Tisch,  stehen zur Diskussion, bietet sich unserem Auge ein zunächst einmal vielleicht als chaotischer Anblick einzustufendes Bild. Was machen wir daraus? Wer oder was ist „wir“, also eines jeden einzelnen Menschen Ich?

—————————————-> ??? !!!

Bei relativ gleichförmigen oder einfachen Strukturen ist sogar das Nach-Empfinden des Vor-Urteils noch möglich. Strukturen lassen sich vorausahnen.  

 

 

Doch was geschieht, wenn die Ausgangslagen immer komplexer und komplizierter werden? Wenn unterschiedliche „Klassen“ von Argumenten und Fakten, wenn scheinbar Gegensätzliches „auf einen Haufen geworfen“ wird. Wie verlaufen dann die Kraftlinien, an denen sich kategorische Vorurteile auf- und ausbauen oder davon ableiten lassen?

Die Antwort mag verblüffen: Es kommt zur Selektion

Je komplexer eine (argumentative oder faktische) Lage ist für den wertenden Geist, desto eher greift das Denken zu einer sehr simplen Lösung: Der  Selektion!

Man nimmt also nur TEILE des Ganzen und ignoriert den Rest.
Man beschränkt sich auf weniges, statt dem Vielen gerecht zu werden.

Genau das ist die Situation, die wir vor allem aus politischen Diskussionen kennen oder solchen zu bohrenden Fragen in und aus der Gesellschaft; die Gemengelage der Fakten und Argumente, der Ziele und Forderungen, der Behauptungen und Thesen ist so „wild durcheinander“, dass es auch einem festgefahrenen Vorurteil nicht mehr möglich ist, das im wörtlichen Sinne „auf die Reihe zu bekommen“. Und dann beschränkt man sich nur auf ein paar Dinge, die man mental (sprich verbal, als Reaktion oder Handlung) beherrscht und somit „kann“ – und der Rest wird ganz einfach ignoriert. Dies ist das schon perfekte Vorurteils-Dilemma, das dann jegliche synchronisierende Diskussion, die auf Konsens aus ist, zunichte macht. 

 

Kein Bild, kein Wort sind genau. Und unsere Vorstellungen sowieso nicht

Vorurteile könn(t)en beklagt werden, was aber schon alleine deshalb ziemlich nutzlos und überflüssig, vielleicht sogar albern ist, weil es gar keine definitiv festliegenden, sozusagen „unabänderlichen“ Urteile und Ansichten, Erfahrungen und Meinungen, Deutungen und Bedeutungen gibt. 

Nehmen wir ein simples Wort: Sonnenuntergang am Meer. Von ziemlich einheitlicher Betrachtung und damit Deutung wäre, wenn zwei Menschen dann jeweils eins dieser Bilder vor Augen hätten:  

 

Doch auch das sind Bilder (und damit Erinnerungen = Vor-Urteile) von Sonnenuntergängen am Meer:  

 

Also, was jetzt? Ist ein Sonnenuntergang am Meer (dem Vor-Urteil = der Erfahrung, dem Wissen) nach jetzt rot oder eher düster-schwarz oder blau? Wer hat jetzt ein falsches, wer ein richtiges Vor-Urteil, die richtige Meinung darüber? 

Und wenn jeder recht hätte, auch bei völlig anderen „Richtigkeiten“, was wäre jetzt das Vor-Urteil und was die rechte, sozusagen „richtige“ Betrachtung und Bewertung?

Womit sich der Begriff „Vor-Urteil“ drastisch relativiert. 

Vermeintliche Vor-Urteile anderer sind fast immer nur
Erfahrungen, Werte, mentale Illusionen anderer Menschen,
die „andere Bilder im Kopf“ haben und uns – die Vorurteils-
Verurteiler – damit genau das gleiche vorhalten können und werden.
Das Problem neutralisiert und löst sich selber auf. 

 

Die reflexhafte menschliche Reaktion, nämlich die Reduktion des vielen auf weniges, also einer schier unlösbaren Aufgabe auf eine „machbare“, bleibt bestehen. So wie aus unserem Beispiel des bunten Haufens bunter Steine ein jeder sich ein paar wenige „picken“ wird (das so oft zitierte und beklagte argumentativ-verbale „Rosinenpicken“), so unterschiedlich werden Betrachtungsweisen sein und bleiben. Weil es keine gemeinsame Schnitt- oder Gesamtmenge gibt, auf die man das Urteil, die Meinung bezieht. Und zu sagen, was an einer Situation das Wichtigste ist, – scheint oder ist sogar unmöglich. Lässt sich nur schwer oder unter ganz expliziten (also festliegenden, definierten) Bedingungen gemeinsam verabreden. 

Auf was sollte man achten, damit alle, die die Situation sehen, nicht zu einem selektiven Vor- oder Detail-Urteil kommen (Einschätzung, Meinung, Bewertung; daraufhin entsprechende Reaktionen). Wie also kann man bewerkstelligen, dass Menschen durch ihr eigenes Urteil nicht anderer Menschen Urteil als Vor-Urteil (im Sinne von „falsch“, „halbherzig“, „einseitig“ usw.) vor-verurteilen?

Was ist wichtig an diesen Bildern? Würden 10 Betrachter zumindest zu acht, neun übereinstimmenden Aussagen kommen – oder haben sprichwörtlich die 10 Leute dann ihre 11 Meinungen?!    

Kann es überhaupt in grafisch-visuellen Medien Objektivität geben, die völlig losgelöst von Gefühlen einerseits und der Erfahrung, der Meinung, dem Erleben eines einzelnen Betrachters (und damit seines Vor-Urteils) sein kann. 

 

Es empfiehlt sich also, jeweils genau hinzuschauen und dann auch sehr vorsichtig zu sein, das eigene Urteil mit dem der anderen Menschen zu vergleichen und daraus Schlüsse zu ziehen. So manchem Menschen ist dies schon zum Verhängnis geworden. 

Tot wegen eines Vor-Urteils. Ein verdammt hartes Schicksal. 

Es passiert vielen, vielen Menschen jeden Tag. 

Und immer sind die Richter – WIR !

 

Unmöglich, sagen Sie? Ach, es ist so vieles möglich, und wir glauben es nicht. Wir sehen es, und wir glauben es nicht; wir wehren  uns mit allen Kräften, es anzuerkennen; „es kann doch nicht wahr sein!“

Nein? Was kann nicht wahr sein? Das, was der Logik nicht sein kann, aber das Auge klar erkennt? Und ja, falls wirklich etwas nicht wahr ist, so ist es ja nicht beim Sehen nicht wahr (sonst sähen wir es nicht), sondern erst, wenn wir darüber urteilen. Doch wer jetzt partout nicht sieht, was falsch sein soll, der kann auch nicht verstehen, warum wir unser Urteil „richtig“ nennen und er nur falsch gesehen haben soll. Abermals: Vor-Urteile im gegenseitigen Vor-Wurf. :-)) 

 

 

Weshalb Vor-Urteile uns helfen können, schneller zu sein.
Und wenn wir Glück haben, finden wir dann sogar die richtige Lösung und Antwort.

Schlussendlich kann auch das scheinbar doch so einfache im Kern komplex sein –
und was kompliziert erscheinen mag,
lässt sich auf überschaubare Strukturen zurückführen. 

Was und wie wir sind ist durch äußere und innere Geschehnisse und Faktoren bestimmt. Etwas wirkt – durch die Sinn, durch unser persönliches Er-Leben (auch „Durch-Leben“) –von außen auf und in uns ein.
(äußere) AKTION erzeugt eine (innere) RE-AKTION. 

Unser Verhalten, das Ergebnis unserer Reaktion, provoziert unter Umständen wieder äußere Geschehnisse, und so kann dies zu einem Wechselkreis werden, der in sich geschlossen ist. Oder der durch dritte Ereignisse verändert wird. 

Klassisch kann man sich dies an einem Streitgespräch vorstellen. Was ich sage, wirkt auf den Gesprächspartner. Beeinflusst dessen nächste Worte. Die wiederum wirken dann auf mich zurück. Wir befinden uns also in einem geschlossenen Kreislauf, der durch die beiden Komponenten Person A und B charakterisiert ist. Nun kommt Person C hinzu und mischt sich ins Gespräch ein – das kann, wie man weiß, dann entweder zum Abebben des Streits oder bis zur totalen Konfusion führen. 

Dieses Bild vor Augen kann man sagen, wir alle interagieren täglich in Dutzenden bis vielen Hunderten solchen kleinen oder großen Einfluss-Zirkeln; so sieht unser Normalleben aus, „privat“ wie auch im Beruf (dort vor allem!).

Diese Sphären werden im Schaubild gelb und tiefpurpur dargestellt. Im Zentrum unseres Ideals (so sollen und wollen wir meistens sein, uns sehen, danach streben) steht das, was wir Vernunft nennen. Ein nicht absolut und gewissermaßen „ein für allemal“ festzulegendes Bündel an Idealen und Richtlinien, Werten und allgemeinen gesellschaftlich akzeptierten Normen. 

Diese Ideale sind verschieden; mal können sie einen kollektiven Charakter haben, entsprechend den Gesetzen, den Traditionen, den Gewohnheiten, den „Lebens-Normalumständen“ eines Landes, einer charakterisierbaren Gruppe von Menschen (so genannte Cluster, „Haufen“; Menschen mit gleichen oder ähnlichen zuordnungsbaren Eigenschaften bzw. Merkmalen). 

Und mal sind es eben individuelle Ideale, eines jeden einzelnen Menschen Idealbild von sich und der Welt. 

Im Inneren formt sich nun im Wechselspiel äußeren Geschehens und inneren Verarbeitens eben dieser typische Charakter, das Einmalige eines jeden Individuums heran. Es wird beeinflusst von dessen (des einzelnen Menschen) Können, Erfahrung, Zielsetzung und so weiter, und so fort. 

„SEIN“ ist kein Zustand, sondern ein kybernetischer Prozess

Es ist ein kybernetischer Prozess; das sind solche, die auf sich selbst Einfluss nehmen. So wie es die nicht nur sprichwörtliche „selbsterfüllende Prophezeiung“ gibt (in etwa identisch mit dem sprichwörtlichen Murphey’schen Gesetz, nach dem etwas schiefgehen wird, wenn es nur schiefgehen kann), gibt es auch Prozesse, die wirken auf sich selbst zurück. Sie schwächen etwas ab oder verstärken etwas. 

Man trinkt mit Freude eine Tasse frischgebrühten Kaffee. Kann sein, dass man dann eine zweite, dritte möchte. Und morgen wieder. Irgendwann ist man dann Kaffee-Junkie, gewissermaßen. Kann aber auch sein, dass man nach der dritten Tasse Kaffee (sich) sagt, nun sei genug und man rührt „das Zeug“ nicht mehr an. So oder so, beide Ausgänge der Entwicklung sind zwar diametral, also entgegengesetzt und ihr jeweiliges Gegenteil, aber eben ein kybernetischer Prozess; eine Entwicklung, die auf sich selbst Einfluss nimmt. 

Jeder Menschen ist zu jedem Zeitpunkt das Ergebnis eines oder verschiedener auf sein Inneres einwirkender kybernetischer Prozesse, die seine Stimmung, Motivation, Entscheidungen, Handlungen, also sein „Sein“ („so bin ich“) charakterisieren, beeinflussen, verändern. 

Weswegen, wenn man glaubt, einen anderen Menschen „zu kennen“ (ihn „durchschaut zu haben“, ihn interpretieren oder seine Entscheidungen und Handlungen vorausahnen bzw. verstehen und nachvollziehen kann), man wieder auf die Überraschung trifft, „huch, was ist denn mit dem heute los?“. Siehe auch das altbekannte Bonmot „Was geht mich mein eigenes Geschwätz von gestern an?!“

Man könnte aber auch ganz einfach so sagen: Jeder Mensch hat zu jedem Zeitpunkt ein anderes Vor-Urteil. Ihn also deswegen vorzuverurteilen, wird der Sache nicht gerecht. Weil es keinen Sinn macht, dies als Vorwurf zu erheben. Wir müssen feststellen: Die Vorurteilshaftigkeit ist das sogar konstanteste Charakteristikum, wenn man fragt und sagt, wer oder was eine Persönlichkeit sein soll. 

Vor-Urteile: Sie sind das,
was uns geistig munter und unmittelbar aktionsfähig hält. 

Wer hätte das gedacht :-)) ?? !!

„Das Rad der Erkenntnis“ – Der Rat des Erkennes!

Urteile, und damit das Entscheiden und Handeln, baden sich in jedem Menschen aufgrund aufeinander in Beziehung stehender und sich gegenseitig beeinflussender Entwicklungen und Faktoren. Hier sind die wichtigsten schematisch in Zusammenhang gebracht. 

Zurück zum Fußballspiel; was hier als generalisiertes Relationsmuster für die Entscheidungsprozesse eines Menschen gilt, könnte auch die Anweisung des Trainers sein, sich in definierten Situationen so und so zu ver-halten. Es könnte die Situation sein, vor der der Manager steht, der entscheiden muss, ob er einen Wettbewerber am Markt aufkaufen oder Teile des eigenen Unternehmens verkaufen soll. Es ist die Situation des Arztes, der in der gebotenen Eile beurteilen muss, wie er mit seinem Patienten verfahren soll. Und, und, und … genau diese und ähnliche Relationsmuster, solche Zusammenhänge und gegenseitigen Einflussnahmen („self-fullfilling prophecy“, das kybernetische Hamsterrad, wenn man so will) kommen permanent, unentwegt, immer! vor. – Selten, dass es mal nicht so ist. 

Fehlerminimierung, Zeitersparnis, „Gesetz der großen Zahl“
– oder bloß alles nur Spiel des Zufalls?

Wer in ein Spielkasino geht, Lotto oder Toto spielt, baut auf die Kraft seiner eigenen Vor-Urteile. Man ahnt oder hofft, „hat es im Urin“ oder es wird einem so „eingeflüstert“, wie die Auswahl und Entscheidung sein soll(te). Sich mit einem anderen Menschen zu unterhalten könnte auch ein Anlass sein, dieses Gespräch den so genannten Spieltheorien zu unterwerfen. Das sind statistische Methoden, die Wahrscheinlichkeit der Wahrscheinlichkeit besser zu erkennen. Also, wie wahrscheinlich ist, dass dieses oder jene Annahme oder Zufallsauswahl zutreffen wird? 

Jeder kennt diese Theorien. Morgens immer das gleiche: Fahre ich fünf Minuten früher los, damit ich nicht in den Stau komme; nehme ich den Regenschirm mit oder nicht, bleibt es nur grau oder gießt es gleich? Reichen beim Buchen des Anschlussfluges 3/4 Stunden Umsteigezeit, wird der Flieger pünktlich am Drehkreuz landen? Alles Vor-Urteile, die man zu treffen hat. Denn wissen kann man ja nichts davon. 

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir so einen innerlichen Hellseher- und/oder Wahrsager-Mechanismus in uns haben; „passt schon“, „wird schon nicht so schlimm werden“. Bis hin zu genau diesen Sprüchen, die bei jedem Seminar zitiert werden und die uns zum Halse raushängen bis zum ständigen Brechreiz:
– Haben wir immer schon so …, war schon immer …
– Ist bisher immer gut gegangen …
– Hab’ doch da meine Erfahrung …
– „Unter’m Strich“, englisch „at the end of the day“ …

Ein kybernetischer Prozess: Je öfter wir beobachten oder bemerken, dass unsere Vor-Urteile zum richtigen Ergebnis geführt haben, desto stärker werden sie verankert. So weit, bis wir gar nicht mehr nachdenken, sondern gleich total vorurteilhaft entscheiden —

sachlich ausgedrückt: Aus dem Bauch heraus (Intuition, innere Stimme);
etwas anmaßend bis arrogant: Sagt mir meine Erfahrung – bin doch Experte („Fachmann“/-frau); „Da macht mir keiner was vor!“; – „Will mich da jemand anzweifeln?“ „Ich weiß doch Bescheid!“

Gleiches gilt für alle. Leider. 

Summa summarum, man erkennt, Vorurteile sind nützlich. Für uns. Für mich. Für Dich. – Und weil sie für jeden einzelnen Mitmenschen nützlich sind, haben auch alle diese mit der glasklaren Logik („eigentlich“! – „normalerweise“!) nicht zu packenden „Biester“. 

Es kann also gar nicht anders sein, als dass wir uns gegegenseitig mit unseren jeweiligen Vorurteilen Ärger machen und Verständnis verhindern. Das ist ein Manko, es ist absolut negativ. 

Evolutionsbiologisch gesehen muss es aber Vorteile haben. In der Tat wissen wir aus eigener Erfahrung, dass wir des öfteren richtige Urteile fällen, wenn wir uns „dem Gesetz der großen Zahl“ anvertrauen. Wenn wir das tun, was nach dem Vor-Urteil das Wahrscheinlichste ist. 

Wahlen gewinnt, wer 50 Prozent plus eine Stimme erhält. Die klügeren Entscheidungen trifft, wer 50 Prozent plus einmal durch seine Vor-Urteile recht hatte und Vorteile erzielen konnte. 

Wer dies einmal gelernt hat, bleibt bei seinen eigenen Vorurteilen. 

Klug wäre es aufzuhören, sich über die Vorurteile der anderen zu ärgern. Doch Ihre und meine Erfahrung sagen uns, dass dies nicht der Fall sein wird – oder? Das ist kein Vor-Urteil, sondern statistische Wahrscheinlichkeit. Und deshalb: ein Leben mit Vorurteilen ist einerseits für uns angenehm, andererseits unangenehm. Wenn es einmal mehr gut ist als falsch, ja, dann hat es sich doch schon gelohnt  … !!!

 

     :-))