Ausbildung zum Politiker in 5 Minuten

Mit ganz wenigen Tricks zum unverzichtbaren Allrounder

 

Politik machen – und damit Karriere, Einfluss und Macht sichern, Einkommen generieren – ist nicht schwer. Sofern man alles vergisst, was man als moralisch-gefestigter, meinungs-bekennender Normalmensch gelernt und bisher praktiziert hat. Und auch vergisst, dass Politik angeblich die „Kunst des Möglichen“ sei – nein, es ist die Pflicht zum Unmöglichen. Nämlich Vorteile für sich zu generieren, die durch Hoffnungen anderer initiiert und ermöglicht werden.  


Regel 1: Niemals konkret werden

Wer sich explizit und im Detail erklärt, läuft große Gefahr, an diesen Worten gemessen zu werden und sie später um die Ohren gehauen zu bekommen. Daher niemals sagen

Ich bin dafür, dass die städtische Hundesteuer nächstes Jahr auf 15 % der Futterpreise erhöht wird, da sollte sich keiner drüber beschweren,

sondern

Aufgrund der sich ändernden Gegebenheiten auch im Bereich von Haustieren, und ich nenne hier einmal beispielhaft Hunde, sollten wir in einem geeigneten Zeitrahmen das Verhältnis von Infrastrukturkosten der Vitalerhaltung mit den gesellschaftlich sinnvollen Finanzausgleichsinteressen im Rahmen kommunaler Budgetierung in eine neue Balance bringen. Natürlich muss es dazu in ausreichendem Maße Möglichkeiten des argumentativen Distanzausgleiches geben. Ich trete jedoch dafür ein, dass dies in einer Zeitspanne geschieht, die dem Problem gerecht wird. 

 

 

Dieser Satz ist zwar unwesentlich länger, braucht etwas mehr Atem und Sprechzeit, erspart aber spätere Rücktrittsgesuche und -erklärungen. Mit solchen Sätzen kann einem bis zur Auszahlung diverser Renten nichts mehr passieren.



Regel 2: Immer nur Entscheidungen kritisieren, niemals deren Substanz

Sagt ein – gefühlsüberwältigter – Politiker aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Flüchtlinge in dieses Land kommen, 

Wir schaffen das.

Ein wunderbarer Satz. Weil das „das“ niemals erklärt wird. Was schaffen wir? Keiner weiß es, wird und will es wissen. Weil der Satz im Nebel bleibt, ist er wunderbar geeignet, Politiker/innen, die solches sagen, massiv zu kritisieren. Beispielsweise durch

Dieser Satz ist ein historischer Fehler. Er hat Erwartungen geweckt, die niemand erfüllen kann. 

 

Der riesen-riesen-riesen-große Vorteil:

 

Man kritisiert den Satz als solchen, ohne auch nur im Ansatz zu sagen, wie denn die eigene Entscheidung aufgrund der realen Situation gewesen wäre. Und: Gelingt es einem, selbst ans Regieren zu kommen, muss man keine Lösung zustande bringen, man hat ja gesagt, dass dies nicht möglich ist. Der totalen Konfusions-Freiheit folgt die Koalitions-Disziplin, die zu gesellschaftlich-politisch-staatlichen Kollateral-Schäden führt. 



Regel 3: Keine Entscheidungen treffen, die man alleine verantwortet

Sagt ein – gefühlsüberwältigter – Politiker aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Flüchtlinge in dieses Land kommen, 

Wir schaffen das.

Ein wunderbarer Satz. Weil das „das“ niemals erklärt wird. Was schaffen wir? Keiner weiß es, wird und will es wissen. Weil der Satz im Nebel bleibt, ist er wunderbar geeignet, Politiker/innen, die solches sagen, massiv zu kritisieren. Beispielsweise durch

Dieser Satz ist ein historischer Fehler. Er hat Erwartungen geweckt, die niemand erfüllen kann. 

Der riesen-riesen-riesen-große Vorteil:

 

Man kritisiert den Satz als solchen, ohne auch nur im Ansatz zu sagen, wie denn die eigene Entscheidung aufgrund der realen Situation gewesen wäre. Und: Gelingt es einem, selbst ans Regieren zu kommen, muss man keine Lösung zustande bringen, man hat ja gesagt, dass dies nicht möglich ist. Der totalen Konfusions-Freiheit folgt die Koalitions-Disziplin, die zu gesellschaftlich-politisch-staatlichen Kollateral-Schäden führt. 



Regel 3: Keine Entscheidungen treffen, die man alleine verantwortet

Als XYZ 

(man denke sich eine Funktion mit Entscheidungs-Kompetenz aus) 

entscheide ich, dass …. abcdefghijklmnopqrstuvwxyz …(man denke sich irgend eine Entscheidung aus). 

 

Ein karriere-tödlicher Fehler, den man leicht vermeiden kann:

Auf der Basis der derzeitigen Gesetzeslage und in Abstimmung mit den zuständigen Stellen wird mir angetragen, folgende Regelung

(man denke sich irgendeine aus)

in Erwägung zu ziehen. Ich werde dafür in den nächsten Tagen die entsprechenden Gremien und Stellen kontaktieren und mir einen Gesamtüberblick verschaffen. Ich bin sicher, dass dann zügig eine Regelung getroffen werden kann, die den verschiedenen Aspekten in genügendem Maße gerecht wird und damit in der Sache einen weiteren Schritt nach vorne darstellt. 

 

 

Gerade der letzte Satz zeugt von ungeheurer Dynamik. Indem man die Situation bis zur Unerträglichkeit komplex und kompliziert darstellt, profiliert man sich aufgrund des unerschrockenen Vorgehens und festen Eintretens für einen Konsens als Retter in der Not, auf den man auch in Zukunft immer wieder gerne zurückgreift. 



 

Jetzt wissen Sie schon alles, was Sie wissen müssen, um Berufspolitiker zu werden.

Die nächsten Schritte:

  • In eine Partei eintreten oder eine solche gründen.
  • Bei allen Gremien und Sitzungen, die Sie nicht interessieren, anwesend sein und nach dem vorgestellten Muster das Wort ergreifen (Solange man keine Funktion hat, empfiehlt man sich bestens mit Sätzen wie

Hätte ich die Gelegenheit dazu, ich würde vorschlagen oder veranlassen, ….

  • Sobald man für einen Posten vorgeschlagen wird, sich zieren und unwürdig stellen, doch recht rasch zu verbindlicher Stärke zurückkehren und zwingend so formulieren:

Wenn es in diesem Gremium der Wunsch ist, mich in die Pflicht zu nehmen, werde ich mich dieser nicht versagen, sondern bemüht sein, die vielfältigen Erwartungen und Anforderungen zum Wohle aller zu koordinieren. Ich danke für das Vertrauen und verspreche Ihnen, dass Sie damit Ihr persönliches Anliegen bei mir gut aufgehoben ist. 

(Das ist die Basis, dass jeder hofft, er bekäme auch einen Posten, wenn Sie weiter Karriere machen.)

  • Von nun an sagen Sie jedem, der mit Ihnen spricht oder sie anruft, dass sie sich intensiv, diskret und mit all ihren Beziehungen für sein Anliegen oder Meinung einsetzt. Erfüllen Sie niemals einen Wunsch, geben Sie keinem Drängen nach. Sondern antworten nach quälend langer Zeit, dass Sie sich unentwegt mit des Anfragers Ansinnen beschäftigt haben, jedoch von allen die Antwort erhalten haben, dass es so nicht zu erfüllen oder jetzt der falsche Zeitpunkt sei. Nennen Sie nie, mit wem Sie gesprochen haben, weil Sie ja mit niemanden darüber gesprochen haben. 

Sonst hätten Sie sich bis auf die Knochen blamiert und es wäre Ihr Karriere-Ende. 

 

  • Warten Sie die Nominierung für ein bezahltes Mandat oder einen Posten mit hohem Salär ab. 
  • Machen Sie weiter im vorgeschlagenen Stil, werden Sie berühmt, gehen Sie in Talkshows, geben Sie Interviews, – und treffen Sie niemals selbständig eine Entscheidung.
  • Meiden Sie von nun an Gremien und Personen, die Ihnen den Karriere-Aufstieg ermöglicht und Sie nominiert/gewählt haben. 


Jetzt wissen Sie schon alles, was Sie wissen müssen, um Berufspolitiker zu werden.

Übrigens, für diese Ratschläge erwarte ich keine Entlohnung.

Aber sicherlich werde ich, wenn es denn Konsens und Wunsch ist, nicht ablehnen, mich in die Pflicht nehmen zu lassen, die verantwortungsvolle Aufgabe XYZ bei ABC auszufüllen. 

Sie können auf meine Diskretion vertrauen und ich werde alle Angelegenheiten im Sinne der mir auferlegten Intentionen zu berücksichtigen wissen, dafür stehen meine Erfahrung mein fester Wille, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die der Sache gerecht werden, die wir gemeinsam vertreten und niemals in Frage gestellt werden darf.