Wählen Sie Ihr Elend selbst

Google ist so amerikanisch, dass wir es nicht verstehen

Eine böse, feindliche Macht, Bande, Verbrecherorganisation hat sie gekidnappt, gefangen genommen. Und fragt Sie ganz freundlich: wie sollen wir Sie denn töten, suchen Sie sich doch bitte Ihre Todesart selbst aus. Pervers, oder? Oder eben nicht, sondern Google. 

 

Grundsätzlich: Werbung ist ja per se nicht schlecht, oft nützlich und hilfreich. Werbung hat immer das Problem, wenn man nach ihr fragt, ist es eigentlich schon (für den Anbieter) zu spät. Wünsche wecken kann man nur, wenn man – wie wir gerne formulieren – "ungefragt ins Haus kommt". Sich also aufdrängt. 

 

Komisch, als es noch und nur Zeitungen, Zeitschriften, gedruckte Magazine gab, hat es zwar manchmal aufgeregt, so viel Werbung zu lesen. Aber so richtig böse war kaum einer darüber. Erst mit der Allgegenwart der digitalen Medien und ihrer Allgegenwart der aufgedrängten Werbung wurde dies ziemlich anders. Adblocker, Programme, die Werbung unterdrücken, sind stark gefragt. 

 

Stark gefragt, im doppelten Sinne, ist auch Google. Und Google fragt sogar danach, welche Werbung man haben möchte. Die, deren Themen und Bezug man selbst auswählen kann. Oder solche, die einfach nur so, unsortiert, auf die Bildschirme und die Suchergebnisse, in Facebook und anderes flattern. Keine Werbung zu bekommen, kann man im weiten Google-Imperium nicht einstellen. Und dieses Imperium umfasst viel bis fast alles, was heutige Normalmenschen mit ihren Smartphones, Tablets und Computer so machen. 

 

Google verkörpert das Recht der Menschheit auf die Freiheit, keine Freiheit zu haben. Also das amerikanische Ideal von Demokratie: Das Volk ist souverän, solange es dem Staat gehorcht. Meine Freiheit ist die, Deine zu unterdrücken. Was ich will, das geschehe, auch wenn Du es nicht willst. 

 

Das verstehen wir nicht, ist aber amerikanisch.
Und wir sind ja eben keine Amerikaner.
Jedenfalls nicht die unter uns,
die nicht Werbung, Marketing und Vertrieb gelernt oder studiert haben.