Volkstrauertag — der ewigen Kriege wegen

Das Schlimmste aber ist die Intoleranz gegenüber der Intoleranz. so wird im Namen der Rechthaberei ds jeweils andere brutal getötet.

Warum? — Die unnütze Frage.   ///   Wann? — Die nicht gestellte Frage

 

Wann malt ein Maler ein Bild, schreibt ein Dichter ein Epos, morden Mörder, ist Krieg? Sicherlich braucht es vieler kleiner Skizzen, Versuche, „Anläufe“, sodann Ideen, Visionen, Phantasien, um das Bild zu malen, geniale und/oder wunderschöne Worte niederzuschreiben. Warum sollte das beim Mord, beim Krieg anders sein? Und in der Tat: es ist genau so: Krieg ist nicht ein jetziger Beginn. Sondern ein Abschluss einer Entwicklung. Der Mord ist der Schlusspunkt, nie oder nur ganz selten ein Start. 

 

Sind Attentate wie die Worldtradecenter-Zerstörung, die bislang zwei Blutbad-Anschläge von Paris — Krieg? Ja, was denn sonst? Sie sind kein Mord aus Gründen persönlicher Vorteile, sondern politisch motiviert – das klassische Kriegsmotiv. Und Kriege bestehen eben auch aus Morden. Soll aufgezählt werden, welche Kriege nach dem Ende des II. Weltkrieges stattfanden, also in einer aus europäischen, speziell deutschen Sicht „Friedens-Periode“? Religionskrieg in Irland, Balkan-Krieg(e), RAF in Deutschland, Massenmord in Schweden, Tote an der Berliner Mauer, Anschläge in Spanien, Italien. Kriege im Fernen Osten, Kambodscha, Vietnam, Laos. Kriege im Nahen Osten, Israel, Palästina, Kurdistan, Ägypten, Libyen, Iran, Irak. In Sri Lanka, in Thailand. In Tibet. In China. Ach ja, im ex-sowjetischen Großgebiet. In Südamerika, Falkland, Bandenkriege in zig Ländern, die Mafia hier und dort, und dann in den USA: Massaker, Morde an Schwarzen, Hinrichtungen auch in Saudi-Arabien, China. Afrika ...
An die 300 bewaffnete Konflikte, also Kriege, (an über 200 waren die USA beteiligt) in rund 150 Ländern seit „Ende des Krieges“, dem 2. Weltkrieg. (http://www.danielpipes.org/4990/arab-israeli-fatalities-rank-49th)

 

Zahlen zum Schaudern

 

Erinnern wir uns noch, dass Rotchina 40 Millionen Menschen tötete, die Sowjetunion 10 Millionen, in Äthiopien 4 Millionen starben, ähnlich wie in Zaire. Der Irankrieg in den 1980er Jahren forderte 1 Millionen Opfer, in Marokko 20.000, 22.000 in Polen (nach dem 2. Weltkrieg!, längst vergessen), in Albanien 100.000, in Argentinien 30.000, auf dem Balkan jüngst ca. 175.000. Ach ja, 500.000 Urbewohner wurden übrigens in Brasilien getötet. Afghanistan  1,8 Millionen … alles vergessen? Und jetzt sterben bei IS-Anschlägen „nur“ einige Dutzend. Logisch, klar, ohne jede Frage und Zweifel, selbstverständlich: Jeder, wirklich jeder Tote ist ein Toter zuviel. Aber eben nicht nur 100, 200, auch 5.000 bei „islamischen Attentaten“, sondern auch in und durch die Kriege der „westlichen, zivilisierten, friedliebenden“ Welt !!!

 

11 Millionen Muslims sind seit 1948 tödlich verletzt worden. Viele von ihnen durch „den Westen“. Das entschuldigt keinen einzigen weiteren Mord ihrerseits – aber die Zahl hilft vielleicht, die daraus resultierende Gemütslage zu begreifen. Was mit billigen nicht zu tun hat. Aber mit Verstehen. Um auch zu wissen: wir stehen weder am Anfang noch am Ende eines Krieges. Wir waren noch nie anders als „mitten drin“.

 

Wie kommt eigentlich irgend jemand darauf, jetzt schockiert zu sein, es gäbe ja mörderische Krieger – scheinbar erst jetzt, auf einmal und plötzlich, schockierend unerwartet? Selbst der Papst wagt die Floskel vom 3. Weltkrieg – dem dann wohl islamistischen. Richtig jedoch Islam-Kriege: gab es schon immer. Christen-Kriege: gab es unzählig viel. Viel, viel mehr als „arabische“. 

 

Kriegserziehung

 

Der Kriege gab es so viele, dass sie längst Kinderkram geworden sind. Kinderballerspiele, mit denen ganz große, ganz angesehene, ganz global agierende Konzerne und Firmen satte Gewinne generieren. Töten als Spaß. Morde bringen Punkte und Vorteile. Die Eroberung fremder Länder als Gewinnspiel. Hollywood ohne Knallen, Explodieren, Ballern, Schießen, Sterben, ohne Sturzbäche an Blut und fetzige Gedärme – undenkbar. Morgens am Sonntag, dem Gottes-Dienst-Tag, um 7 Uhr im deutschen Fernsehen speziell für Kinder (Eltern schlafen ja dann noch und überlassen die Kinder den Gewalterziehungsverführern) Zeichentrickfilme voller Gewalt, Schlagen, Zerstören. Und es ist noch nicht lange her, da galt nur als echter Kerl, wer die Schule des Tötens hinter sich hatte, Landesverteidigung/Wehrdienst genannt. Selbst die friedlichsten Länder halten an diesem Kil-lertraining bei. Politiker halten Abschreckung für notwendig. Abschreckung ist ohne Bereitschaft zum Mord, zum Krieg, zum gnadenlosen Töten nicht existent. 

 

 

Deutschland ist Waffenexporteur #3 in der Welt, in Umsätzen gemessen. Waffen, die dem Frieden dienen? Braucht man, um friedlich zu sein, Maschinengewehre? Braucht man, wenn man tolerant ist, Atom-U-Boote? Braucht man spreng- und Brandbomben bestückte Drohnen, wenn man verhandeln will? Fast 90 % aller Kriegsopfer sind Zivilisten, also „Unschuldige“ – so wie die in Paris oder Manhattan, in London, Paris, Schweden. So wie in Israel und Syrien, in Palästina und dem Irak. 

 

Der Westen, immer mal wieder durch „islamistische“ Attentate bis ins Mark erschüttert, macht den nahöstlichen Terror materiell erst möglich. Kein einziges Gewehr wird in Syrien gebaut. In Paris wurde mit russischen Gewehren gemordet – Russland fordert nun eine Bestrafung der „feigen Mörder“. Leicht gesagt, sie sind ja schon tot. 

 

 

Die Schlacht, oder makabrer, aber richtiger, das Schlachten von Paris fand vielleicht am 13. November 2015 statt, aber sie begann nicht an diesem Tag. Sie begann vor Jahren, Jahrzehnten. Sie war nicht die Tat Verwirrter, sondern bestens mit russischer und/oder westlichen Waffen Ausgerüsteter. 

Ablenkungs-„Manöver“

 

Jetzt schallen all die Worte derjenigen durchs Land, die andere Entwicklungen keineswegs als beklagenswert kommentiert haben; es sei der Vorwurf unterdrückt, dass genau diejenigen, die nun am lautesten wehklagen, auch verantwortlich dafür sind, dass Krieg und Morden, Gewalt und Intoleranz längst zum Ideal heranwachsender Menschen geworden ist. Betrug überall. Krieg überall. Gewalt überall. Ob man denn nun das etwas verstaubte, in die Jahre gekommene, der sozialistischen Ideenwelt zuzurechnende Wort Ausbeutung benutzt oder neuerdings TTIP, ganz neutral Embargo, verschleiernd Schengen-Abkommen: Die Welt ist durchsetzt von der Tatsache, dass man immer nur den jeweils eigenen Vorteil sucht und zu diesem Zweck andere ausgrenzt. Ehrlich ist das nicht. Aber üblich. Und wie soll in einer solchen Geisteshaltung plötzlich kristallklare, unerschütterliche, vor allem aber bedingungslose und sich selbst zum Opfer bringende Bruder- und Nächstenliebe zu erwarten sein? Wie denn?

 

Einst waren auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik jährlich 21.000 Verkehrstote „normal“, heue sind es etwa 3.400, rund 10 am Tag. In Europa jährlich 700.000 Tote durch Lungenkrebs, die dem Rauchen (und damit Drogen, an denen der Staat mächtig verdient) zuzurechnen sind. 300, 400 Mordopfer jährlich in Deutschland. Wieviel durch zuviel Fett und Zucker in der Nahrung – und erst durch Alkohol! – schleichend getötet werden – es existieren nur Dunkelziffern, aber die sind grausam hoch. Tödliche Autos, tödliches Essen, tödliche Genussmittel, an denen „verdienen“ Staat und Industrie. Sie werden mit brutaler Gewalt dem Volk „verordnet“, um an ihm zu verdienen. Dies ähnelt nicht nur, das ist wie eine Okkupation, wie eine Besetzung des Landes durch fremde, egoistische und „aussaugende“ Kräfte. Keiner sagt dies so. Niemand kann belegen, dass es nicht so ist.

 

Mediale Kriegsführung

 

Jetzt nun in Paris, Carlie Hebdo und Freitag, 13. 11. 15, als „die Welt geht unter, die Hölle tut sich auf“ zu zelebrieren – wie es die Medien mit einer an Widerlichkeit nicht mehr steigerungsfähigen Quotenhascherei und Volksverdummung tun, ist ein Tiefpunkt journalistischer und gesellschaftlicher Kultur in Deutschland. Zwei Tag nach dem „Massaker von Paris“ ist Volkstrauertag, der 15. November 2015, in vielen Ländern – auch in Deutschland – ein Gedenktag für die Kriegsopfer. 

 

Deutsche Medien bevorzugen die Hysterie über das Momentane. Der zig, zig, zig Millionen, die in jüngster Vergangenheit qualvoll und unschuldig, sinnlos und durch geduldete Gewalt starben, „opfert“ man eine kurze Pflichtübertragung in einem staatlich angeordnet vom Volks subventionierten Sender. Dann redet der Bundespräsident und kaum einer hört hin. Während im übrigen auf allen Sendern die Sondersendungs-Schlachten toben. 

 

Ob gesteuert oder Zufall: Ermüdet und ermattet von diesem Wiederholungs- und immer-das-gleiche-Marathon sinken Bürger erschöpft zurück und denken sich: Gut, dass der Krieg vorbei ist. Ein Krieg, der nie begann und nie endet, der immer ist. Weil wir, „der Westen“, daran unseren Profit haben. Weil es Teil unseres Denkens ist. Und weil sich dadurch anderen Religionen und Kulturen ermutigt sehen, es uns gleichzutun – oder gleiches mit gleichem zu vergelten. 

 

Eigentlich wäre ein Kriegsende möglich

 

Es ist nicht schwer zu verstehen, dass Attentate und Kriege auch weiterhin unseren Alltag bestimmen. Es ist nur schwer zu ertragen, dass dies nie aufhören wird – weil es auch keinen unmittelbaren Anfang hatte, sondern metapherhaft gesprochen „mit dem Menschen in die Welt kam“. 

 

Übrigens: Dies zu überwinden fordern viele Religionen auf. Unter anderen auch Christentum und der Islam – neben „asiatischen“ und Naturreligionen. Sehr, sehr viele Millionen Gläubige aller Religionen halten sich daran, beten, arbeiten, handeln danach und dafür, sie üben Toleranz und sind „vernünftig“. Nur eine Minderheit an verbrecherischen Egoisten, gewaltbereiten Kriminellen zwingen uns immer wieder neue Kriege auf – auf allen Seiten, in allen Ländern, Kulturen, Religionen. Sie nutze die Lethargie des Volkes und dessen allgemeine Unfähigkeit, sich über Worte hinaus wirklich faktisch zu solidarisieren. So wie es in Ansätzen etliche Male als nationale oder internationale Revolution stattgefunden hat. Aber immer wieder wegen fortgesetzter individueller Hilflosigkeit kläglich scheiterte.

 

Dabei gibt es einen Weg, der tief in vielen Religionen verwurzelt ist, der aber erstens so unendlich schwer zu verstehen und dann auch noch fast unmöglich zu begehen erscheint: Verzeihen, um der Gewalt keinen Chance lassen, im Denken anderer Schaden anzurichten. 

Und – müssen wir dazu nicht auch die Mörder töten? Die „Spirale“ der Gewalt ist Ursache, dass es permanent Krieg gibt. Was ist die Logik, sie zu beenden?

 

Der Volkstrauertag ist eine gute Gelegenheit, die nächsten 365 Tage bis zum nächsten Volkstrauertag darüber vor-, nach- und querzudenken.