Unsere biologische Natur: Neid + Abgrenzung


Das Nachfolgende ist mental wie auch politisch ziemlich „starker Tobac”. Da ist es vielleicht leichter, das Ganze als PDF runterzuladen und entweder ausgedruckt auf Papier oder als E-Dokument mit Bewusstsein und in aller Ruhe zu lesen. 

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Deutsche politische Wirklichkeit 2015 und folgende Jahre
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 „Europa droht an den Flüchtlingen zu scheitern“, so oder ähnlich lesen wir es derzeit des öfteren in den Zeitungen, hören es in Diskussionen. Nein, das ist genau jene falsche Diagnose, deren Grund zur Krise führt. Wir können (oder wollen) nicht mehr zwischen Ursache und Wirkung/Folge unterscheiden sowie nicht (mehr) zwischen Subjekt und Objekt. Eine uralte Management- und/oder Chef-Weisheit ist, wenn jemand im Betrieb mit einem „Problem“ belastet ist,  zu fragen: „Haben Sie die Lösung des Problems oder sind Sie das Problem?“. Im konkreten Fall aktueller politischer Situation lässt sich sagen: Nicht die Flüchtlinge sind das Problem, sondern Staaten, Regierungen, Gesetze, Strukturen, die unfähig sind, Krisen zu meistern. Weil sie mit ihren nach Sachverhalten, Parteidoktrin, Finanzstatus oder sonstigen rein abstrakten Vorschlägen und Entscheidungen weiter von der Befindlichkeit der Bürger entfernt sind denn je. 


Deutschland 2015+ :   Wir haben kein Faschismus-, (Neo-)Nazi- oder „braun“-Problem. Der Staat hat nur viele Fehler gemacht. 

Plötzlich, wie aus dem Nichts, scheint es in Deutschland plötzlich wieder in sehr großer Zahl gewaltbereite Menschen mit aggressivem Verhalten zu geben. Mit einer für bürgerliche Gutmenschen atemraubenden Brutalität dreschen sie nicht nur verbal auf „andere“ und „anderes“ ein, sondern scheinen auch keine kulturtypischen Hemmungen und Tabus mehr zu kennen; selbst vor Tötung schrecken sie nicht zurück. Gewalt scheint ihre „Sprache“ zu sein. Wieso waren aber diese Menschen vorher stumm, unauffällig? Und was ist der wirkliche Grund – nicht zu verwechseln mit Anlass – dass nun auf- und durchbricht, was wir in dieser Vehemenz nicht geahnt, vermutet, erwartet haben?

Die Antwort ist so einfach wie erschreckend, weil sie die Dimension der Machtlosigkeit beschreibt, mit der wir ihr gegenüberstehen. Denn es nützt weder reden noch überzeugen wollen; geschweige denn, dass Logik und Vernunft auch nur den Ansatz einer Chance hätten, diese eruptive Entwicklung aufzuhalten. Weil sie – so provokant es sich anhören mag – völlig natürlich und „menschen-typische“ ist. Sie entspricht der archetypischen, angeborenen, genetisch ererbten und funktionell fest im „System Mensch“ verankerten, instinktiven Emotionalität. Was wir derzeit in Deutschland erleben, ist biologisch bedingt – und keinesweg eine politische bewusste Handlung. 

Übersetzt: Nicht die „Asylpolitik“ der Regierung(en) sind die Ursache, sondern lediglich der Anlass, der sprichwörtlich das Faß zum Überlaufen bringende Tropfen. „Schuld“ und Ursache sind jedoch etwas anderes: eine seit Jahren, Jahrzehnten menschenbedürfnisse-ignorierende Politik. Im sicherlich festen Glauben und reinen Gewissens „Gutes zu tun“ hat man eine Situation geschaffen, die unweigerlich und unausweichlich zum Ausbruch von Hass, Gewalt und Kampfesbereitschaft führen muss – gesteuert durch den alles umfassenden prinzipiellen, die Emotionen gleichermaßen wie die Ratio steuernden Überlebenstrieb, den wir NEID nennen.


Triebfeder des eigenen Schicksals: Neid !

Neid ist sozusagen der Motor des menschlichen Kämpfertums ums und zum eigenen Überleben, zur Sicherung der eigenen Vorteile und Chancen. Neid  – auch in den Spielarten Gier, Betrug, Täuschen & Tricksen – kommt unter intellektuell „einfachen“ Menschen genauso häufig und dauerhaft vor wie unter den vermeintlich „klugen“ oder gesellschaftlich „hochrangigen“. 


Man schaue sich die Liste der Betrüger und Lügner, Intriganten und Brudermörder in Staat und Wirtschaft an – sie gleicht auffällig dem „who’s who“ der gar nicht so ehrenwerten, angeblich staatstragenden Gesellschaftsschicht der „Oberen Zehntausend“. Unter Managern ist eben jener Hass, den wir bei Straßenprotestlern gegen Asyl suchende Menschen so sehr verachten und beschimpfen mindestens ebenso verbreitet: Zum eigenen Vorteil sind fast alle bereit, zugunsten der eigene Karriere und Raffgier die Verdienste und moralisch gerechtfertigten Ansprüche anderer zu negieren, mit Füßen zu treten oder aktiv zu bekämpfen. Guerillas im Nadelstreifen, um es symbolhaft zu sagen, sind der Normalfall in Chefetagen.


Nicht umsonst hat der Volksmund in der Kölschen Alltagsphilosophie den Ratschlag „Man moss ouch jönne könne“ erfunden – denn „von Hause aus“ können wir (Menschen) es eben meistens nicht. Tiere übrigens auch nicht, der Futterneid ist ein elementares, archaisches Prinzip des Überlebens. Es ist, wohin man schaut, Natur. Auch im pflanzlichen Bereich. Da wo Öko-Romantiker eher das symbiotische Biotop sehen, herrscht purer Krieg; um Licht, Wasser, Nährstoffe. Die Evolution, also die „Funktionalität“ des Lebens, sorgt mit einer ständigen Mutation dafür, dass „the survival of the fittest“ Realität bleibt. Es überlebt, wer am besten an die Verhältnisse angepasst ist (engl. to fit = passend). Symbiose, das ist nicht gegenseitiges Helfen und „lieb haben“, sondern das genaue Gegenteil: wie kann ich selbst den größten Nutzen aus anderen und anderem ziehen – wenn man so will: Schmarotzen! Kommt uns das nicht irgendwie im realen gesellschaftlichen Alltagsleben bekannt vor?

Maslow: Die Pyramide der Motivationen, Bedürfnisse, Triebe

Diese jeweils dominante „Befindlichkeit“ kann von Stunde zu Stunde, Tag zu Tag, von Zeit zu Zeit wechseln, rauf und runter; sprunghaft. Sie kann aber auch je nach Lebensumständen eher statisch und stetig sein, ein „schleichender“ Auf- oder Abstieg. Es ist also das Gegenteil von „Typologie-Zuordnung“, die Abkehr von der Annahme, ein individueller Mensch ließe sich generell und für alle Zeit abschließend charakterisieren, beschreiben, zu- und einordnen. Im Gegenteil, die Skala zeigt, wieso Menschen sich plötzlich und scheinbar „unerwartet“ (in Wirklichkeit aber völlig prototypisch, immer nach gleichem Muster) verändern. 


Ein Cluster vieler Menschen („Stimmung im Volk“) kann dann auf einer jeweiligen Stufe epoche-prägend sein. 


Die jeweiligen Endstufen oben wie unten stehen außerhalb einer „Gemeinschaftlichkeit“, sie sind „a-sozial“ und absolut persönlich, egozentrisch, nicht-kommunikativ.

Das prototypische Prinzip: Erst wenn ein Bedürfnis (zu übersetzen mit Ziel, Wunsch, Sehnsucht, Verlangen, „Befindlichkeit“, Suche nach …, Antriebsfeder usw.) einigermaßen gestillt, beruhigt, befriedigt ist, übernimmt das darüber liegende die Verhaltenssteuerung (Denken, Entschlüsse, Taten) eines einzelnen Menschen.
Die Motivationspyramide ist hierarchisch; die als darüber dargestellten Bedürfnisse sind tatsächlich „höherwertig“ (nicht höherrangig, sondern „wertvoller“ im Sinne von zivilisatorischer Entwicklung und „bürgerlichem Ideal“). 


Physiologie (= Körperliches; im Gegensatz zur  psychogenen Späre = „Seelisches“) meint ETS, Essen, Trinken, Sexualität im Sinne von Fortpflanzung. Also das pure Leben und Überleben; auch bekannt als Selbsterhaltung und Arterhaltung. Wer aus welchen Gründen auch immer „zusehen muss, morgen noch etwas zu essen zu haben“, der ist zu Kampf und Missachtung der Rechte und Ansprüche anderer bereit. Da hat man keinen Sinn (mehr) für etwas anderes. Insofern ist auch Sexualität unweigerlich und unkorrigierbar eine Triebfeder oder Motivlage, die nicht durch Vernunft und Einsicht gesteuert werden kann – vorausgesetzt, wie alle Triebe, sie wird im wörtlichen Sinne nicht befriedigt, also erfüllt !

Mit der Ästhetik geht es genau so. Das sind jene Menschen, die nur noch sich und ihre eigenen Ansichten, Lebenswelten/-weisen, ihren Geschmack gelten lassen und sich mit weniger nicht oder kaum zufrieden geben. Es sind jene arroganten, abgehobenen Typen, die so unnahbar erscheinen und für andere meist nur Hohn und Spott übrig haben. Also unter Umständen sehr ähnliche „Ekel-Typen“ wie die „primitiven“ Rohlinge.


Hat man einigermaßen genügend zu(m) Leben, ist dieser Trieb, diese Motivation, dieses Bedürfnis „beruhigt“, gestillt, „wird bedient“, verlangt es die Menschen nach Sicherheit; nach persönlicher (also Schutz) wie auch Absicherung ihrer Nahrungsquellen oder Eigentums bzw. Privilegien und Aktionsmöglichkeiten. 

Stark ist der Wunsch, sich „zusammenzutun“, was eigentlich die erste wirkliche Stufe der „Sozialisierung“, also der Bildung einer Gemeinschaft im Sinne von Sippe, Kultur, Volk, Staat ist. 

Doch dann geht sofort wieder der Wettkampf los – unter gleichen möchte man gerne ungleich, nämlich „besser“ sein. Es drängt einen, von anderen anerkannt und geachtet, beachtet und gewürdigt zu werden. Ein Grund, warum viele Menschen wert auf „gute Umgangsformen“ und Rituale legen; sie sichern eine permanente „Hochachtung“.


Hat man einigermaßen genügend zu(m) Leben, ist dieser Trieb, diese Motivation, dieses Bedürfnis „beruhigt“, gestillt, „wird bedient“, verlangt es die Menschen nach Sicherheit; nach persönlicher (also Schutz) wie auch Absicherung ihrer Nahrungsquellen oder Eigentums bzw. Privilegien und Aktionsmöglichkeiten. 

Sodann folgt der Wunsch, sich „zusammenzutun“, was eigentlich die erste wirkliche Stufe der „Sozialisierung“, also der Bildung einer Gemeinschaft im Sinne von Sippe, Kultur, Volk, Staat ist. 

Doch dann geht sofort wieder der Wettkampf los – unter gleichen möchte man gerne ungleich, nämlich „besser“ sein. Es drängt einen, von anderen anerkannt und geachtet, beachtet und gewürdigt zu werden. Ein Grund, warum viele Menschen wert auf „gute Umgangsformen“ und Rituale legen; sie sichern eine permanente „Hochachtung“.


Ist man anerkannt, kann man sich „seinem Selbst“ widmen, eine Persönlichkeit entwickeln (weshalb übrigens alle Personen, die nach Status, „Amt und Würden“, nach Posten und Privilegien streben, fast immer unausgereifte Persönlichkeiten sind). Selbstverwirklichung heißt Profil gewinnen, „kantig sein“; man wird charakteristisch, eben eine „gestandene Person“.

Und diese Selbstsicherheit ist die Basis, tiefer und intensiver in Wissen und Verstehen einzutauchen; Zusammenhänge begreifen und nutzen zu wollen, sozusagen eine Art „Adlerblick“ zu entwickeln. Das ist die Stufe von „Reife“ und „Klugheit“.

Bis man dann manchmal auch „abhebt“ und zum Freak oder Nerd wird …, nach alten Begriffen zum Puristen, Ästheten, Kompromisslosen.



 Diese Tatsache war und ist auch außerhalb des Maslow-Modells bekannt. Das Geflügelte Wort „Nach oben buckeln und nach unten treten“ drückt es exakt aus. „Minderwertiges“ sieht man als Konkurrenz, die zu fürchen oder zu hassen ist, weil sie einem gefährlich werden könnte – denn sie strebt ja, wie man auch selbst, – „nach oben“, macht einem also die jetzige Position streitig, ist Konkurrenz. 

Vom Standpunkt der eigenen Empfindung entwickelt man auf alle „unter einem“ mehr oder weniger massiv negative Einstellungen, die durch erstaunlich viele Worte verdeutlicht werden können: Herzlosigkeit, Härte, Kühle, Kälte, Hass, Rachedurst, Rücksichtslosigkeit, Mitleidlosigkeit, Feindschaft, Gereiztheit, Abneigung, Ressentiment, Animosität, Eifersucht, Bosheit, Schadenfreude, böser Wille, Missgunst, Feindseligkeit, Groll, Antipathie, Aversion, Unversöhnlichkeit, Voreingenommenheit, Vorurteil, Unmut, Unzufriedenheit, Verbitterung.

Eigentlich sind sie identisch mit dem, was Neid auslöst. Doch beim Blick „nach oben“, auf die nächste Stufe, die man selbst anstrebt und erreichen möchte (vielleicht sogar triebhaft „muss“), ist man immer bereit, diese Wut auf andere schlagartig zu vergessen, wenn man es nur selbst erreicht oder so sein kann. Neid sagt es ja: eigentlich möchte man es selbst haben, selbst so sein. Weiß nur zu genau, dass man eben „buckeln“ muss, um es zu erreichen. Dagegen sind die, die nachrücken könnten, eben zu bekämpfen.

Wir alle beobachten uns ständig gegenseitig !!!
Wir alle beobachten uns ständig gegenseitig !!!

 Eine „bürgerliche Gesellschaft“, wie sie auch dem ideal der „westlichen Demokratien“ (also unserer politischen Staatsordnung) zugrunde liegt, setzt zu ihrem Gelingen voraus, dass der Hauptteil der Bevölkerung in den mittleren Motivations-/Bedürfnis-Stufen anzutreffen ist. 

„Gut-bürgerlich“ ist, nach genügend Sicherheit zu streben (finanziell wie materiell), sich zu einer Familie, der Gemeinschaft (und ihren Vereinen) zugehörig zu fühlen, „wer zu sein“, „sein Ding machen“ zu können. Und wer mag, kann nach „höherer Bildung“ streben. Soweit das Ideal, der Traum von Glück – und „Ruhe im Land“. 


 Immer mehr Menschen haben genau dieses Glück, diese Möglichkeiten nicht. Arbeitsplätze wie auch persönliche Partnerschaften – eher sogar höchst unsicher. Finanzielle Planbarkeiten („Vorsorge treffen“) – unwägbar, risikoreich. Zugehörig sein – zu was? Statt ritueller und tradierter Vereine oder kulturell fester Lebensumstände ein soziokultureller Flickenteppisch ohne Struktur und Verlässlichkeit. Achtung und Anerkennung kann man kaum noch von anderen erwarten, sondern muss man sich selbst erkaufen: über Markenartikel, die einerseits signalisieren, wozu man sich selber zählt und bekennt oder durch eine brutale Egozentrik in der Karriere; sowohl im Beruf wie auch in anderen Institutionen, nämlich Vereinen, Parteien, „Grüppchen“ bis hin zu (zwielichtigen bzw. offen kriminellen) Gangs. Selbstverwirklichung? Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Jeder hat permanent das Gefühl, gegängelt und fremdbestimmt zu werden. Und diejenigen, die erkennend-wissend-tolerant sind, sind sogar am schlimmsten betroffen: niemand interessiert sich dafür, keiner hört ihnen zu. Von wenigen Ausnahmen manchmal abgesehen. 

   

Die für eine Stabilität nach innen und außen, für den einzelnen Menschen selbst wie für Staat und Gesellschaft, so wichtigen Rahmenbedingungen und (Lebens-) Umstände gibt es kaum noch; man hat den Eindruck: Immer weniger. Logisch, dass da ein „Aufwärtsstreben“ in sich brutal Bahn brechende aggressive Verzweiflung umschlägt. Es erklärt auch sehr genau, warum diese offene Feindschaft und geradezu „Krieges-Bereitschaft“ in der „Mitte des Volkes“, im Bürgerlichen vor allem explodiert. Die „Nazis“ sind nicht „Assis“, nicht „dumpfe Horden“, die gerade mal genug zum Überleben haben – im Gegenteil, es sind die Enttäuschten, Unzufriedenen, Verzweifelten, Hilflosen, Gedemütigten und ihrer Perspektive Beraubten „aus dem Volk“, aus der gesellschaftlichen Mitte. 

Und denen stehen – übrigens mit gleichem Hass, gleichem Nichtverstehen und Ablehnung, gleicher vorläufiger Unversöhnlichkeit – die „Bildungsbürger“ gegenüber, die zwar eher zu Selbstverwirklichung sowie Wissenund Verständnis tendieren, aber selbst auch mit dieser Intellektualität nicht weiterkommen, die „mit ihrem Latein am Ende sind“ und daraufhin alle Intoleranten nicht tolerien (was ein Widerspruch in sich selbst ist). 

Der fatale Fehler der bisherigen politischen Entwicklung Deutschlands nach dem II. Weltkrieg ist, die für den „inneren Frieden“, die triebhaft-archaische Motivations-Dynamik aller Menschen notwendigen äußeren Bedingungen, Möglichkeiten, Perspektiven immer mehr eliminiert zu haben. Das ist kein Fehler einzelner Politiker oder Handelnden, das geht nicht auf eine bestimmte Regierung oder Ereignisse bestimmter Jahre zurück. Es ist ein schleichender Prozess, der jedoch immer schnell kulminiert, der sich immer stärker wie bei einer Exponentialfunktion auswirkt, krasser wird, – eben explodiert, „durch die Decke schießt“. Das Konfuse gewinnt Überhand … ! 


Deutschland ist längst kein Land mehr, in der sich die Seele wohlfühlen kann.

Deutschland ist derzeit – und auf Sicht auch weiterhin – kein Land, in dem die Möglichkeiten, die Menschen brauchen, um friedlich und im positiven Sinne „strebsam“ zu sein,  in genügendem Maße gegeben sind – so wie es vordem durchaus der Fall war. Unsere so wichtigen Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Achtung/Anerkennung und Selbstverwirklichung werden nicht mehr in dem Maße zufrieden und „ruhig“ gestellt, wie es sein müsste, um insgesamt in Ruhe und Frieden zu leben. 

Die derzeitigen gesellschafts-politischen (anwachsenden) Negativentwicklungen sind also nicht „intellektuell“ zu beseitigen, sondern nur durch eine Wiederherstellung einer „inneren, seelischen Heimat“; dem Gefühl, man selbst sei etwas wert, es gäbe eine verlässliche Ordnung, man hätte Chancen und könnte sich selbst „nach seinem Gusto“ entwickeln und leben, wäre seines Glückes Schmied. Weil dies nicht so ist, wird der Ruf nach Ordnung und starker Hand immer lauter und wird alles, was weiter das noch einigermaßen Stabile gefährdet, bekämpft und abgelehnt. Der unsägliche Satz von Politikern, „Wir müssen uns auf neue Verhältnisse einstellen und unsere Gesellshaft ändern“ führt auf direktem Wege in eine braun-brutale Widerstandkultur, die keine oder kaum Toleranz kennt. 


Was wir jetzt brauchen, ist ein wieder erwachendes Vertrauen in Staat, Politik, gesellschaftliche Normen – und da mag jeder die Frage für sich selbst beantworten: Ist das in Sicht? Ist das wahrscheinlich? 

Liegt denn jetzt der Frieden in Trümmern – oder schaut aus Zerbrochenem und Gestörten der symbolische Friede heraus ???
Liegt denn jetzt der Frieden in Trümmern – oder schaut aus Zerbrochenem und Gestörten der symbolische Friede heraus ???

Wird es in diesem Lande wieder „gemütlich“, das heißt, die Gemüter beruhigend, weil die genetisch verankerten Ur- und Grundbedürfnisse der Menschen in ihrer skalierten Wertigkeit befriedigt werden? Können wir, jeder von uns (unbescheidener: die meisten von uns), so sein, dass unsere angeborenen Triebfeder uns in die richtige Richtung lenken, zum „Besseren“, wie wir es bis jetzt verstanden, akzeptiert, gefördert und für richtig befunden haben? 

Wenn nicht – na dann, machen wir uns auf noch Schlimmeres gefasst. Wie dies ausgeht, weiß keiner.


Vorläufig wird Deutschland ein Land sein und bleiben, das „auf Krawall gebürstet“ ist. Rein psycho-logisch, also der Logik der individuellen, archaischen seelischen Bedürfnisse folgend. Man hat uns, buchstäblich, unsere "Gemütlichkeit", den ausgeglichenen Gemütszustand unmöglich gemacht – in viel zu vielen Einzelfällen.