Wie souverän sind Sie als Leser?

Die Sache mit der Wahrheit. – – – Oder: der Streit von Fakten und Argumenten.

Dass das, was in der Zeitung steht, im Radio gesagt, im Fernsehen gezeigt wird, „wahr”, richtig, wirklich, unbestechlich objektiv ist (war oder sein wird), das glaubt ja wohl keiner. Sonst müsste man auch annehmen, jeder Film im Kino beruhe auf Tatsachen. Nein, Medien, egal welche, unabhängig davon, wie sie daher kommen, welchen Anspruch sie haben, was sie versprechen, sind Bühne, Theater, Illusion, m nicht zu sagen: Gaukelei. 

Daher sollte, wer persönliche Medienkompetenz hat, glaubt, mit Medien umgehen zu können, selbst in der Lage sein, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Die Informationen, „Dokumentationen”, Präsentationen, Animationen der Medien als einen Mosaikstein unter vielen behandeln. 


Man könnte es auch so ausdrücken: Medien sind immer so gut wie ihre Nutzer. Perfekt übersetzt übrigens in dem uralten, noch heute gebräuchlichen Werbespruch der FAZ (Frankfurter Allgemeinen Zeitung), eine Zeitung zeigend, ein Mensch dahinter angedeutet, unsichtbar, und dann dies: „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf”. 

Das ist, was sich die FAZ wünscht. 

Das ist, was sein soll(te).

Ist es das, was wirklich ist?
Sind Sie auch ein kluger Kopf?

Falls Sie dies meinen, dann prüfen Sie selbst, wenn Sie diese beiden absolut zeitgleich, zum identischen Thema veröffentlichten Presse-Erklärungen lesen. 



MARSEILLE-KLINIKEN AG


GROSSKÜCHEN-REPORTAGE: SCHLAG GEGEN "TEAM WALLRAFF" - GERICHT UNTERSAGT FALSCHE BEHAUPTUNGEN - MARSEILLE-KLINIKEN WEHREN SICH ERFOLGREICH GEGEN MANIPULATIVE BERICHTERSTATTUNG


31.07.2015 – 20:19FERNSEHEN


Hamburg (ots) - Schwerer Schlag für "Team Wallraff": RTL musste den Bericht über die Großküchen vom Netz nehmen - aus "juristischen Gründen", wie es anfangs auf der Seite hieß. Die Pressekammer des Hamburger Landgerichtes untersagte nun mit einem Beschluss (Az.: 324 O 309/15) die Verbreitung einer Reihe von Behauptungen über die hygienischen Zustände in der Küche einer zu der Marseille-Kliniken AG gehörenden Küche.


Unter Anleitung des Investigativ-Journalisten Günter Wallraff hatte das "Team Wallraff" zwei Journalistinnen als Praktikantinnen in verschiedene Großküchen deutscher Unternehmen "eingeschmuggelt". Sie sollten dort mit verdeckten Kameras und Mikrofonen Missstände aufdecken.


Eine der Journalistinnen tauchte bei der Amarita Oldenburg auf, eine Senioreneinrichtung, die zu der Marseille-Kliniken AG gehört. Die orientalische Frau mit Kopftuch gab vor in ihrem Heimatland verfolgt zu werden und sie wolle ein Praktikum in der Küche der Amarita machen, als Vorbereitung für eine Ausbildung. Mit versteckter Kamera und Mikrofonen machte sie sich an die Arbeit. Heraus kam ein Bericht über die angeblich schlimmen Zustände in der Küche der Senioreneinrichtung. Diese war allerdings kurz vor dem Einsatz der falschen Praktikantin von den örtlichen Gesundheitsbehörden als einwandfrei eingestuft worden.


Die Journalistin hatte Dinge behauptet und später in der "Team Wallraff" Sendung verbreitet, die sich sowohl als haarsträubend wie auch falsch herausstellten.


Das sah auch die Pressekammer des Landgerichtes Hamburg so. In einem Beschluss vom 24.7.2015 untersagten die Richter RTL die Verbreitung der monierten Behauptungen. Für den Fall einer Zuwiderhandlung verhängten sie ein Ordnungsgeld von EUR 250.00,00 gegen den Sender. In der Konsequenz sah sich der Sender nun gezwungen, den Beitrag vom Netz zu nehmen.


Der Aufsichtsratsvorsitzende der Marseille-Kliniken AG, Ulrich Marseille, erklärte, warum der Konzern gegen die Berichterstattung von "Team Wallraff" hart und konsequent vorgeht: "Der gesamte Bericht musste aus dem Regal genommen werden, weil grobe Verstöße der journalistischen Sorgfalt enthalten sind. Es klingt schon eher nach Manipulation." Und weiter: "Ich finde, dass es wichtig ist als Unternehmen, dass man sich solche Fälschungen nicht gefallen lässt. Das ist auch wichtig für die journalistische Gemeinde, solchen Leuten das Handwerk zu legen."

RTL TELEVISION GMBH

VORWÜRFE VON U.MARSEILLE GEGEN "TEAM WALLRAFF" HALTLOS - GERICHT HAT BEREITS EINZELNE PUNKTE DER EINSTWEILIGEN VERFÜGUNG ZUM THEMA MANGELNDE HYGIENE IN GROSSKÜCHEN DES MARSEILLE-KONZERNS ABGEWIESEN


31.07.2015 – 20:48FERNSEHEN


Köln (ots) - "Team Wallraff" dokumentierte in seiner letzten Ausgabe am 8. Juni wie unappetitlich und unhygienisch es in einigen deutschen Großküchen zugeht. Darunter auch das Pflegeheim Amarita in Oldenburg, das zu den Häusern der Marseille Kliniken AG gehört. "Team Wallraff" nahm die Recherchen auf, nachdem Günter Wallraff Informationen über Missstände vorlagen.


Die Behauptung von Ulrich Marseille, dass der Beitrag offline ging, da "grobe Verstöße der journalistischen Sorgfalt enthalten sind", ist absolut haltlos. Unternehmer Ulrich Marseille reagierte vielmehr auf den Beitrag mit einer sogenannten "Einstweiligen Verfügung".

Das bedeutet, dass ein einseitig erlassenes gerichtliches Verbot erwirkt wurde. Dies erfolgte erst einmal ohne Anhörung der Gegenseite. Der Einstweiligen Verfügung musste juristisch auch zunächst Folge geleistet werden. Daher ist der entsprechende Beitrag derzeit offline gestellt, bis eine inhaltliche Prüfung durch das Gericht stattgefunden hat.


"Team Wallraff" ist seiner journalistischen Sorgfaltspflicht eindeutig nachgekommen. Günter Wallraff und seine Kollegen können durch umfangreiches Rohmaterial sowie Testergebnisse von Speiseproben vor Ort die Aussagen und Vorwürfe zu den mangelnden hygienischen Bedingungen im Pflegeheim Amarita in Oldenburg eindeutig beweisen und werden dies im Rahmen des laufenden Gerichtsverfahrens auch darlegen.


Auch die Unterstellungen des Unternehmers, dass es sich um "Fälschungen" und um "Manipulation" handele, entbehren jeglicher Grundlage. Gegen derartige Unterstellungen wird der Sender entsprechende rechtliche Schritte vorbereiten.

Die Behauptung des Unternehmers, hier Menschen "missbraucht" zu haben oder "Schindluder" mit ihnen getrieben zu haben, legt den Verdacht nahe, dass Ulrich Marseille diesen Beitrag nicht wirklich kennt, da hier der Fokus eindeutig auf die Zustände in der Großküche lagen und Personen vor Ort vollständig unkenntlich gemacht worden und zudem lediglich am Rande erschienen sind. Im Gegenteil: "Team Wallraff" liegen vielmehr Informationen vor, in denen die Arbeitsbedingungen der eigenen Mitarbeiter in Frage gestellt wurden.


Im konkreten Fall hat das Gericht bereits einzelne beantragte Punkte der Einstweiligen Verfügung durch das Pflegeheim Amarita eigenständig abgewiesen.



So, nun sind Sie dran: dann urteilen Sie mal.

Und zeigen Sie damit, dass Sie medienkompetent sind. 


Ach ja, falls Sie jetzt sagen, man könne das doch gar nicht wissen, da blicke man doch nicht durch, es sei doch unmöglich, zu urteilen, dann ...

  1. erbitte ich vor jeder journalistischen Arbeit demnächst mehr, viel mehr Respekt, denn genau das, in solch komplexen Fällen urteilen, kommentieren, die Wertigkeit erkennen ist Berufsgrundlage des echten und guten, des gekonnten Journalismus;
  2. frage ich mich, wieso Sie überhaupt Medien beachten, wenn Sie nicht in der Lage sind, deren Darstellungen einzuordnen, zu werten und sich ein eigenes Urteil zu bilden;
  3. sollten Sie schleunigst darüber nachdenken, dass in Medien
    NIE UND NIMMER, NIEMALS UND NIRGENDS  
    F A K T E N   stehen, sondern immer nur    A R G U M E N T E .