Akademische Verblödung

Wie Theoretiker das allgemeine Leben killen

Sie selbst sind Opfer. Und Täter zugleich.

Man hat ihnen auf Schulen und Universitäten das Denken aberzogen und durch Wissen oder Gehorsam oder Anpassungsfähigkeit ersetzt. 

Mit der Folge, dass sie nur noch einem Ziel gehorchen, wie Roboter oder Zombies: einem fremden Willen. Nicht mehr der eigenen Vernunft. Schon gar nicht der inneren Stimme. Und das alles fernab eines Bewusstseins für die Notwendigkeit der Reflexion des eigenen Tuns. 

Ich nenne es akademische Verblödung

Es ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Es soll keine Beleidigung oder Beschimpfung sein, sondern das Beklagen eines Zustandes, der mehr als nur zur Umkehr mahnt. Der nämlich beendet werden MUSS, bevor er zum tödlichen mentalen Virus wird. 

 

Dabei könnte die Situation kaum absurder sein: Im Bemühen, alles richtig zu machen (und sogar im Erfolg, alles richtig gemacht zu haben) liegt das Dilemma, nicht nur sprichwörtlich mit dem Hintern umzuwerfen, was man mit den Händen aufgebaut hat. Will sagen: Gleichwohl das, was man tat, den Regeln, dem Gelernten, den Vorgaben entspricht, also "richtig" ist, macht es (anderes) zunichte, richtet (nicht selten immensen) Schaden an, ist sinn- und nutzlos, schädlich gar. 

 

Die Rede ist von all jenen Menschen neben und mit uns, die das Pech hatten, in seit etwa zwei Jahrzehnten irgendeine akademisch-universitäre Berufs- und Fach-Lehre durchmachen zu müssen, um sich mit inzwischen zu Allerwelts-Titeln gewordenen Leistungsorden wie Diplom, Master, Doktor und dergleichen zu schmücken. In der sich als irrig erweisenden Hoffnung, dadurch Kompetenz dokumentieren zu können. In Wirklichkeit sind diese Ausbildungswege nicht selten – wahrlich nicht immer, aber inzwischen viel zu oft – Sackgassen in die Fachidiotie geworden. Mit schrecklichen Folgen. 

 

Weil es erstens an breiter Allgemeinbildung fehlt, zweitens Fachausbildung (egal, auf welcher Schule, in welcher Branche, mit welchem Niveau) immer mehr „nur noch auf mich selbst konzentriert“ heisst, und drittens in Deutschland der Wahn des „alles nach Vorschrift“ zur absurden Hysterie geworden ist, arbeitet man fortan nur noch so, dass alles den Regeln entspricht, selbst wenn diese Regeln auf direktem Wege ins Chaos und die morastige Blödsinnigkeit führen. Es ist wie einst in der DDR: Jeder weiß, dass was man sagt und macht Unsinn, gelogen, Quatsch und Mist ist, aber jeder macht mit, um ja nicht anzuecken, aufzufallen, oppositionell zu sein. Längst ist diese Methode allumfassendes Charakteristikum der Bundesrepublik Deutschland des beginnenden 21. Jahrhunderts geworden. 


Schön wäre, ich wäre alleine mit dieser Meinung. Bin ich aber wohl nicht, denn in den letzten Jahren habe ich so oft so viel Verdruss, Ärger, Unverständnis und Verzweiflung über diese Umstände mit ansehen und beobachten müssen, dass ich davon ausgehe, es geht den meisten längst auf den Nerv, was an Theorie und Weltfremdheit von vielen Positionsinhabern und Möchte-gern-wahrgenommen-Werdern verzapft wird. 


Die akademische Verblödung hat immer das gleiche Muster. Menschen, die sich eines Studiums rühmen,

  • beschränken sich selbst auf dieses Fach, sind also buchstäblich beschränkt; sie sind egozentrisch bis zur Absurdität;
  • denken und kommunizieren nach rituellen Regeln, die rein formaler, aber nicht logisch-realistischer Struktur sind;
  • trauen sich nicht, eine Meinung einzunehmen oder zu äußern, ohne sie nicht als konjunktiv und änderbar, als "vielleicht" hinzustellen.

Das schlimmste aber: die, die davon betroffen sind, merken es nicht.  


Auf der Straße sind Beschränkungen gut, hilfreich, nützlich, lebensrettend.

Beim Denken sind sie eine Bedrohung der eigenen Existenz.