Warum lügen wir uns drumherum?

Den Solinger Karikaturisten Marcus Gottfried halte ich für ein Genie – bei aller gebotenen Vorsicht im Umgang mit solch großen Worten. Er kann zeichnerisch auf den Punkt bringen, was fortan keiner weiteren Erklärung mehr bedarf. Er schafft ein Lächeln in der Leser Gesichter, das schnell gefriert und es einem bei weiterer Überlegung eiskalt den Rücken runterläuft. Wie bei diesem Motiv aus gegebenem Anlass zur Session 2015. 

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Dazu passt (wahrscheinlich und sicherlich), was ich Tage zuvor als Email versandt habe:


Wenn eine politische Macht in einem anderen (fremden) Land mit Gewalt eingreift und Regeln außer Kraft setzt oder Menschenleben bedroht oder sogar offen ankündigt, zu töten, nennt man das Krieg. 
       So ist es mit dem IS und seiner für uns undurchsichtigen Gemengelage: Angekündigt (und bewiesen) ist, dass man, falls man sich „provoziert fühlt“, töten wird. 
       Der Kölner Karneval ist nun vor dieser Drohung eingeknickt. Spätestens damit (es ist allerdings nur der Tropfen, der das Fass irgendwie überlaufen lässt) ist in Deutschland (wieder) Krieg – nämlich die konkrete Androhung des Tötens Bürger dieses Landes durch „Ausländische“. 
       Und eigentlich wäre damit der Nato-Verteidigungsfall gegeben. Wenn man ernst nimmt, was Europa (plus ander Länder) mit sich selbst vereinbart hat. 
   Statt dessen: 
– Schweigen in der Politik. Allenfalls ein murmelndes Geschwurbel.
– „Froh sein“ unter den Karnevalisten (sprich: den Bürgerlichen in diesem Land). Umgangsdeutsch: „Schwanz eingezogen“.
– Aufregung nur auf „halbe Kraft“ in den Medien.
– Wegschauen, wegducken, ignorieren in der Gesellschaft (also bei den meisten von uns).
– Kritiker, Mahner, Laut-Aufschreier werden ihrerseits als radikal, rechts, blöd, „übertrieben“, „unangebracht“ gebranntmarkt (Damit es auch der Dümmste merkt und begreift und es schriftlich hat: Ich spreche NICHT (Nicht meint: NICHT) von Pediga und ähnlichem oder deren Nachahmer; ich spreche von stinknormalen Menschen mit Urteilskraft, die sich Sorgen machen und auf ähnliche Geschehnisse vor 1933 hinweisen: Da war es das Kuschen der Bürgerlichen, das den nationalsozialistischen Terror staatstragend machte).
– – – Und heute?
Toll. All dieses Gerede von Demokratie. Von Zivilcourage. Von kulturellen Werten. 
Toll. Wie uns das alles am A… vorbeigeht. 

Wie wir da plötzlich (siehe Karikatur) umgangssprachlich „keine Eier in der Hose haben“.
Heute schon gekotzt?
Nun, jetzt, genau jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt und die Gelegenheit dazu. 

Und – gute Nacht. Mit uns kann man’s ja machen. Krieg. Einschüchterung. Für-dumm-verkaufen. 
Es ist ja so normal geworden. 

Hören wir auf, auf „die“ (die Bösen, die Terroristen, die IS) zu schimpfen. Schämen wir uns lieber über unser mutlos sein. 

Trauern wir ob des ersten Kriegsopfers hierzulande: die Narrenfreiheit. 

Einst Symbol für „wir müssen uns nicht alles gefallen lassen“. Nun IS sie tot. 


Statt einer Unterschrift: drei Kreuze !