Durcheinander

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich habe nichts, aber auch rein gar nichts, aus typografischer Sicht und gestalterischem Konzept gegen die Plakate der Stadt Solingen einzuwenden. Schon gar nicht gegen den Menschen, der sie verantwortet. 

Aber die Gestaltung amüsiert mich. Sehr sogar. Zeigt sie doch, wie Solingen wirklich ist: Zerrissen, ein Durcheinander, alles ein wenig schräg; vielfältig, aber auch unübersichtlich. Insofern ist das Plakat-Design großartig zu nennen. Besser hätte man Solingen nicht darstellen können. 

Gendern. Ein Fall für Sprachschwachbegabte.

Sprache ist etwas Schönes. Vor allem die deutsche. Was Heutige daraus machen, ist schlichtweg Kacke. Übelriechender Gedankenkot.

 

Längst verdeutschen wir Englisches. Wir downloaden, manche daunloden auch schon. Oder speichern in der Klaud. Dass wir Tickets kaufen, um sie am Counter beim Check-in zu haben, mag ok sein. Aber ob wir Gendern brauchen, wage ich zu bezweifeln. 

 

Fragen wir das neunmalkluge Orakel der Jetztzeit, also Wikipedia: „Der Begriff Gender [ˈdʒɛndɐ] bezeichnet durch Gesellschaft und Kultur geprägte Geschlechtseigenschaften einer Person in Abgrenzung zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. ‚sex‘). Er wird meist mit „soziales Geschlecht“ übersetzt und dient vor allem in den Sozial- und Geisteswissenschaften zur analytischen Kategorisierung.“

 

Geschlechtsverkehr kenne ich; der ist, meine ich mich zu erinnern, rein sexuell. Wenn ich jetzt sozial gendern möchte, betreibe ich dann Kulturverkehr oder bin ich dann Sozial-pervers? Ich versteh das alles nicht mehr, obwohl ich meine, noch ganz gut den Durchblick zu haben, was Logik angeht. Ist es gendristische Onanie, wenn ich ,Mann' und nicht ,Männin' schreibe?

 

Und wieso soziales Gendern nun auch eine sprachliche Gendrierung zur Folge haben soll, das lässt mich völlig ratlos zurück. Ein konkreter Fall. Da schreibt jemand „… und schlage vor, den Text teilweise zu gendern: Kunst- und kulturschaffende Menschen erzählen zusammen mit Solingerinnen und Solingern …

 

So, jetzt mal durchatmen. Offensichtlich gibt es ungegenderte Menschen, denn gegendert müssten sie der Mensch und die Menschin heißen. Wieso sind, wenn Menschen generell ungegendert sind, plötzlich Solinger Menschen zu gendern? Und überhaupt: wieso muss eine Pluralbildung, die eine seit Jahrhunderten feste, nützliche, intellektuell nicht allzu behinderten Menschen verständliche Funktion hat, gegendert werden? Denn „Solinger“ ist die Mehrzahl von „in Solingen ansässigen, wohnenden, lebenden … usw. … Menschen“. Solinger Menschen sind Solinger. Die müssen nicht Solingerin sein, wenn sie nicht zugleich auch Menschin sind. 

 

Oder einen Pinn in der Mitte haben: SolingerInnen. Solinger außen und Solinger innen. Auch so eine Vergenderisierung, die einem den Furcht lehren kann. Ja, den Furcht. Wenn es die Furcht gibt, muss es auch der/den Furcht geben. So wie aus Baum nun gendrisierte BäumIn wird. 

 

Nimmt jemand wirklich ernsthaft, also im Vollbesitz der verbliebenen geistigen Kräfte, an, ein geschriebener oder gesprochener Satz „Liebe Solinger“ würde ausdrücklich alle weiblichen Solinger ausschließen, pardon – genderkorrekt natürlich SolingerInnen. Nimmt dies wirklich jemand an, der weiß, dass man an der Ampelin bei grün sich moven darf und bei Rot braken soll. Um englischzuverdeutschen. 

 

Also liebe Leserinnen, da schreibe ich doch lieber liebe Lesende, was gender-korrekt ist, oder auch nicht, weil die nächste gendergeile FrauIn dann aus dem neutralen ,Lesende’ die LesendInnen macht. Das werden sie machen, die GenderInnen, und dann hat sich die SprachIn so vergendert, dass ich als MannIn in die WahnsinnIn getrieben werden und den Gloss (weigere mich, DIE Glosse zu schreiben) jetzt sein lasse. Oder seinlasse?? Oder sein LassIn????

 

Ach so, den zitierten Satz, den ich zur Anlässin des Bemerk nehme, ist natürlich eine Fachkräftin in die VerwaltungIn des Stadt SolingIn. Ich schaff mir jetzt, siehe des Pudels Kern Satz, die Kunst und Kultur und spreche wieder deutsch, verehrte Leser. 

 

Egal, ob Sie diesen Text jetzt innen oder außen lesen, als Text oder Textin. 

 

Solingen (ver)zweifelt an sich selbst

Welcome back to planwirtschaft

Wie die DDR in Solingen wieder auflebt.

„Mangelnde Betroffenheit führt zu mangelnder Einsicht.“

Diesen Satz sagte mir immer wieder zur Mahnung ein erfahrener, routinierter Kommunalpolitiker. Der seine Pappenheimer – sprich Kolleginnen und Kollegen in den Räten und Ausschüssen – zur Genüge kannte. Er wollte nur den direkten Ausdruck vermeiden: "Sie haben keine Ahnung!".

 

Schön, dass heute relativ junge Menschen nicht mehr wissen (müssen aus eigener Erfahrung), wie es einst in der DDR und einer sozialistischen Planwirtschaft zuging – oder erst recht in der Nazi-Diktatur. Dumm nur dass sie zu dumm geblieben oder erzogen wurden, zu lernen, dass Planwirtschaft auf direktem Wege in den Untergang führt. Weil komplexe Systeme – wie ein Staat – unabdingbar das Regulativ der Selbstorganisation brauchen. Also nicht starr geführt, sondern durch Zufälle und vor allem selektive Anpassung ("survival of the fittest", das Überleben der am besten Angepassten) lebendig bleiben. 

 

Da erschreckt es sehr – nein, es ist ein Desaster – wenn Solingen nun, wie eine Nutte, die Geld braucht, eines Förderprogrammes der Regierung (das seinerseits schon pervers genug ist) wegen auf einen Zug aufspringt, der aufs falsche Gleis fährt. Die Stadt als Ergebnis theoretischer Planung; schlimmer noch: die wirren Visionen von ahnungslosen Theoretikern könnten (man beachte den Konjunktiv) Zwang und Vorgabe für eine einstmal "freie" Marktwirtschaft werden. 

 

Eine grausame Vorstellung: von akademischer Beliebigkeit durchtheoretisierte Spinnereien sollen helfen, ein Trend, der in Solingen NICHT ERKANNT wird, abzuwenden. Das Nicht-Erkennen: Nicht die Innenstädte veröden von sich aus, sondern die Einkaufs- und Lebensgewohnheiten oder -Voraussetzungen der Menschen, die Geld haben, um es auszugeben, haben sich dramatisch verändert. Aber genau diesen Gedanken hat in Solingen kaum jemand jemals laut ausgesprochen. Schon gar nicht nimmt ihn "die Politik" entgegen. Mit der Folge: Wir stecken Geld und Zwang in etwas, was Frust und Unsinn erzeugt, ohne die Chance zu ergreifen, über eine wirkliche Lösung nachzudenken. 

 

Genau an diesem Syndrom sind die Sowjetunion und die DDR zugrundge gegangen. Solingen schickt sich an, dem zu folgen. 

Der Anlass zum Kommentar links: Diese Pressemitteilung.

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29.03.2016 - 156 / ri

Mehr Flair für Solingens Innenstadt

 

Für die Solinger Innenstadt sollen eine Gestaltungsfibel und eine Gestaltungssatzung erarbeitet werden.Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines externen Stadtplanungs- und Architekturbüros werden in den kommenden Tagen in der Innenstadt unterwegs sein und zunächst den Bestand dokumentieren. Dazu werden sie kartieren, Messungen vornehmen, skizzieren und im öffentlichen Raum fotografieren. Um ein Stimmungsbild zu erstellen, werden sie zudem kurze Interviews mit Passanten führen.

Darauf aufbauend soll die Gestaltungsfibel im Dialog mit Händlern, Eigentümern, Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet werden. Verbindliche Regelungen zur gestalterischen Entwicklung der Innenstadt sollen gemeinsam entwickelt werden. Ziel ist es, die Innenstadt mit aufeinander abgestimmten Elementen attraktiver zu machen, ihr mehr Flair zu geben, zum Aufenthalt und zum Einkaufsbummel einzuladen.

So sollen zum Beispiel Eigentümer von Immobilien in der Fibel Anregungen zur Gebäudegestaltung finden oder Gewerbetreibende zur Gestaltung von Schaufenster und Eingangsbereich, zur Verwendung von Farben oder zur Außenwerbung. Auch Aussagen zur Möblierung im öffentlichen Raum und zur Verwendung bestimmter Materialien können aufgenommen werden. In einem weiteren Schritt ist geplant, aus der Fibel eine Gestaltungssatzung abzuleiten, die die Empfehlungen verbindlich macht.

 

Die Erstellung von Fibel und Satzung ist ein Baustein des Konzeptes "City 2013 - die Kreativ- und Standortoffensive für die Solinger Innenstadt". Sie wird mit Landesmitteln gefördert.

Da frage ich (mich) doch: Wann ist Schluss mit der akademischen Verblödung einer Stadt, die den Mut verloren hat, sich selbst zu helfen. Während aus Scheuklappendenken bisherige Strukturen zur Hilf- und Handlungsfähigkeit führen, werden neue geschaffen, die keinerlei Sinn machen und die niemand wirklich haben möchte.



Der neugewählte OB Tim Kurzbach versprach "ein offenes Rathaus". sieht das nun so aus, dass bürger behandelt werden, als wären sie selbst zu blöd, entscheidungen zu treffen?

 

Es ist nicht aus den Köpfen Solinger Politiker rauszubekommen, dass die Solinger Innenstadt eine Einkaufs-City sein sollte. So ein Blödsinn aber auch! Es muss ein LEBENSRAUM sein, also ein Mix, ein alles-zusammen, ein mit- und durcheinander, es müssen sich Strukturen von selbst bilden können. Es muss ein wenig Anarchie dabei sein; wenn um 10 Uhr an lauen Sommerabenden nicht mehr gelacht werden darf, wenn man nicht weiß, wo man auf die Toilette gehen soll, wenn man das, was man innerstädtisch gekauft hat, nicht  oder kaum mit dem Auto wegfahren kann – dann ist das nicht Leben, sondern Regulierung und starrer Formalismus, der alles Entstehen durch Probieren und Akzeptieren erstickt. Es ist, sorry, geistiger Bankrott. 

 

Leider muss man es zum wiederholten und fortgesetzten Male feststellen. Daran ändert bislang und derzeit auch eine neu gewählte Verwaltungsspitze deshalb nichts (resp. kann nichts ändern), weil die Kommunalpolitiker summa summarum und mit den erforderlichen 50+x Prozenten zu fern von der Realität sind. Hoffnung, dass es sich ändert? Klare Frage, klare Antwort: Nein. Jugend drängt nicht in Politik. In 20 Jahren bricht eh das bisherige demokratische System an der Überalterung zusammen. Dann gucken wir mal weiter, wie's dann werden wir. 

Die wollen ja nur zum Zahnarzt

Flüchtlinge und deren Schicksal ist oft unbekannt – daher so viele Vor-Urteile?

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Das Video der Veranstaltung:


So bunt ging's her:

Dank an alle Spender (auch für's Karussellfahren) und Helfer. Wir werden die Aktion wiederholen.


Solinger Astsäger

Es muss Gründe geben, warum die Solinger Sprache so viele Begriffe für diese Sorte Menschen kennt:

... allesamt Menschen, die motzen, maulen, meckern – ohne selbst, solingen-derb ausgedrückt, den Arsch hochzukriegen, also selbst etwas zu unternehmen, was zur Beendigung ihrer Unzufriedenheit gehört. Es waren, es sind die unangenehmen Zeitgenossen, die sich selbst als einfältig und ziemlich trottelig outen, pardon, solingerisch: aule Stippel sind. Eben ein Bölles, Burentrampel, Döspaddel, domm Dier, Dussel.

Kallbacken, Hepen, Bottschoken, Brölloßen, Dawersköppe, Döppen, douf Nöte, Finnen, Geftzwerge, Grutschnuten, Iepekrätzer, Jaubüdel, kleine Furzer, Klogscheisser, Knaaspitter, Knurrbüdel, Krentefiester, Krentekacker, Lurapen, Meckerpitter, Nörgelspitter, Piemocks, Pröttelspitter, Puhhahns, Quasselsfötte, Quettsäcke, Stokenieser, Sabbelschnuten, Schnaderprumm, Schwätzbacken, Strongsbüdel, Totterfötte, Tratschen, Wenkbüdel, Wiesnasen, Trogmutten, Suppenhöhner ...


Lass Hirn regnen. Aber als LED-Licht.

Ein paar Namensänderungen sind angebracht. Aus Ramadan – auch zu deutsch Fastenmonat – wird Nachtessen-Periode. Aus Jom Kippur werden Ruhetage. Das buddhistische Vesakh-Fest wird Buddha-Superman, Vater- und Muttertag haben wir ja schon (Wurzeln: berlinerische Trinkfestigkeit und amerikanisches Profitstreben der Blumenhändler). Ostern ist dann Eierfest und Weihnachten die Gifts-Night.

 

Das jedenfalls legt nahe, was jetzt bemühte “wie verhindern wir Integration”-Eiferer der Nordstadt Solingen an den Tag legen.


Wir erinnern uns: Deutsche als Gutmenschen wollen alles besonders gut machen; mithin möchten sie, dass die, die hier fremdeln, sich bei uns wohl fühlen. Wir raten dann mehrheitlich und seit Jahren gebetsmühlenartig-mantramurmelnd wiederholend zur Integration. Im Sinne: fühlt Euch doch bitte mitten zwischen uns wohl und wie zuhause.

 

Womit wir irren. Weil Integration wörtlich mit Erneuern zu übersetzen ist, beruht das Wort doch auf dem Lateinischen integrare – und nicht auf integer, unberührt. Nein, es geht ums Erneuern, integrare, Integration. Nicht, wie wir tumben Bürger immer angenommen haben, um das “Hineinwachsen” oder “aufnehmen” in Bestehendes. Um Neues geht es, wenn es um Integration geht. Also um radikale Veränderungen des Bisherigen. 


Genau das ist denen gelungen, diesen Eifereren, deren Eifer eher Zweifel zu wecken imstande ist. Weil sie den guten, alten, sinnhaltigen, Barmherzigkeit, Brüderlichkeit, Freude am Teilen, gut-zueinander-sein-Gedanken zelebrierenden St. Martin ganz einfach vom Pferde verbannt haben. Und nur noch das Pferd gelten lassen.

St.-Martins-Umzüge waren und sind emotional, so dass sich die Story  einprägt. St. Martin, der den Armen konkret und selbstlos hilft. Dass er zufällig auch ein katholischer Heiliger ist – stört das irgendwen?


Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitleid und konkrete Hilfe für die Bedürftigen: Mir ist nicht bekannt, dass eine Religion dieser Welt diese moralischen Gebote oder Grundsätze nicht voranstellt. Ich kenne keine von denkenden und geistig regen Menschen ernst genommene religiöse Philosophie, die Hass und Gewalt, menschliche Kälte und Hilfsverweigerung zum Inhalt hat; ich kenne nur Personen(gruppen), die dies praktizieren – außerhalb jeglicher akzeptabler Moral.

Also ist St. Martin doch eigentlich, ob katholisch oder nicht, who cares, genau das Symbol, das derzeit in der politischen Situation Europas 2015 mit seinem neuen Status “Flüchtlings-Aufnahme-Staaten” zu sein, braucht.

 

 

Dieser St. Martin ist doch genau das, was wir uns vor Augen halten können, um zu begreifen: Liebe Deinen Nächsten. Lass ihn bildlich wie wörtlich weder frieren noch hungern. Hilf im konkret mit dem, was Du Dein eigen nennst. St. Martin, außerhalb aller religiöser Gefühls- und erst recht Dogma-Welten: Exakt das ist, was wir jetzt brauchen, um wieder Mut und Tritt zu fassen.

 

Dieser St. Martin kann einem sympathisch sein, Vorbild, Ansporn, Leit-Idee, egal, welcher Religion, welchen Glaubens man ist – außer, man hätte Hass und den Leidenden verrecken lassen als sein Ideal.


Doch dann dies aus der Solinger Nordstadt. Da wird ganz offiziell der St.-Martins-Umzug, diese wallfahrtähnliche gemeinsame Gedenkveranstaltung für Teilen, Helfen, Not lindern zum - - - banal-blöden

 “Lichterfest mit Laternenwanderung”. Wird also, und das ist wirklich nicht banal, sondern blöd (Blödheit per Definition = Urteilsschwäche und Mangel an Selbstvertrauen) seines Sinnes beraubt, indem der Name, der Symbol war und ist, verschwindet. Warum? Was hat das für einen Zweck außer dem, die Gesellschaft, in der wir leben, neu zu gestalten. Indem wir die alten Werte, die gut waren, denen man vertrauen konnte, völlig ohne Not und dazu noch an der falschen Stelle kippt, tötet, verschwinden lässt. Und damit Werte-Mangel fördert.

Gerade für Kinder, die emotionale Führung brauchen, suchen, zu Grundsätzen verfestigen, eine katastrophale geistige Kastration oder eine emotionale Vergewaltigung. Das Besondere wird zum Tralala zurückgestuft. Hurrah, wir treffen uns bei der nächsten Night-food-Party im Ramadan, oder?! 


Deutschland ist ein Land, in das derzeit Geschundene aus vielen Ländern fliehen, weil sie hier neben materiellem Auskommen auch moralisch-geistige Stabilität erhoffen. Wie wollen wir das bieten, wenn wir dabei sind, das, was gemeinsames Kulturgut ist, wie eben die Grundhaltung, die durch St. Martin symbolisiert wird, ganz einfach abschaffen. Unterscheiden wir bald nicht zwischen “Unbarmherzigen” und “Spendern”, sondern einzig zwischen Echtlicht- und LED-Fackelträgern?


Hätten nur akademisch verquerte Sozialtheoretiker diesen ganz fürchterlichen Quatsch erfunden, man könnte es ja deren mangelnder Kenntnis zuschreiben. Dass aber der Aufruf sehr wohl auch die Unterschrift der AWO, also eines Wohlfahrtsverbandes trägt, macht fassungslos, lässt ungläubig staunen. Die gleiche AWO, die als lobenswerte Institution Flüchtlingen massiv hilft, die von Mitbürgern Spenden erwartet und braucht (also St.-Martins-gerechtes Teilen !!!!!!!!!!!!!!!!!! ), dieselbe AWO deklassiert das symbolische St.-Martins-Epos zum bloßen Abenteuer-Massengetrampel bei Dunkelheit. Fehlt jetzt nur noch, dass die Kids nicht selbst laufen, sondern von Hubschrauber-Eltern per SUV und Zweitwagen zum Lagerfeuerabenteuerspielplatz gefahren werden. Das Feuer besteht eh aus LED-Funkellichtern a la Nikolauszipfelmütze, app-gesteuert, nehme ich an.


Ich habe ja lange nicht mehr gebetet. Aber heute fange ich an: Herr, lass Hirn regnen. Weil wir bald an dem dürsten, was uns geistige Nahrung sein muss: Hoffnung, es gäbe noch eine religions-übergreifende Moral auf der Welt.


Oder konzentriere ich mein Hilfeersuchen vielleicht sogar auf die und den falschen. Denn herausgegeben ist das Plakat vom – Oberbürgermeister der Stadt Solingen. Nun, es ist noch der alte, der tritt in diesen Stunden übrigens ab. Und ein neuer kommt. Der wiederum kommt – von eben jener AWO, die mitunterschreibt, dass Deutschland keinen St. Martin (mehr) kennt, sondern nur noch Lichterwanderungen. Und dieser neue Solinger OB ist zugleich oberster Vertreter der katholischen Gläubigen im Rheinland. Wie wird der seinem Bischof erläutern, was jetzt zu fordern ist: Wird aus St. Martin und den an ihn erinnernden Umzug eine Lichternacht, muss jedes Hochamt im Dom ab sofort konsequenter Weise auch Klingeling-Fete heißen, Christi Himmelfahrt wird zum Orbit-Tag, die Kommunion zum come-in, Karfreitag zum hang-up-day und Ostern zum back-to-life-happening. 


Daher mein erneutes Stoßgebet: Herr, lass ...  - -  ach was, lass es, es ist sicher schon viel zu spät. Wir haben ja Integration. Erneuerung. Da hast Du eben nichts mehr zu sagen. Basta.
St. Martin übrigens auch nicht, wenn es Dich tröstet. 


Wenn wir in Deutschland die Basis unseres Denkens, Moral, unserer Werte verleugnen und beseitigen – ja, warum soll sich dann in diesem Land noch jemand wohl fühlen? Dann haben wir Multi-Kulti endgültig abgeschafft. Weil Deutschland seine Kultur verloren hat – oder eben, ich bleibe dabei, aus Blödheit verleugnet. Die Sprachwurzel Blödheit ist auch auf „schwach, weich” zurückzuführen. Symbolisch: kraftlos, ermattet, und damit auch hilflos.



100 Gründe, (nicht) nach Solingen zu reisen ...

Fragen Sie nie einen Solinger, was er gut an Solingen findet

Unter uns: Solingen ist nicht Düsseldorf. Und umgekehrt.

Fand ich dieser Tage in einem Hotel-Buchungsportal. Ich sag' jäzz mal nicks dazu ...
Fand ich dieser Tage in einem Hotel-Buchungsportal. Ich sag' jäzz mal nicks dazu ...

Aber Solingen ist wirklich schön. Wirklich.



Solinger Dumm(pf)heit

EinBürgerung ist das eine. Über ausbürgerung sollten wir stärker nachdenken.

Drücken Sie es aus, wie Sie es wollen: Es ist ärgerlich, es ist wieder einmal "typisch Solinger Tageblatt", es ist Miesepeter-Journalismus, es ist zum Kotzen. Eine offene Stadt zu sein, bemüht sich Solingen nachhaltig, ehrlich, vielfältig (da braucht man nicht Wort-Ungetüme wie "Willkommenskultur"). Und um bewusste, gewollte Ausgrenzung auch: "Bunt statt braun" ist in allen gesellschaftlichen Schichten fest verankert. Dabei geht es um politisch-geistige Strömungen, die man nicht akzeptiert, nicht will, die hier nicht willkommen sind. Zusammengefasst: man "zeigt Flagge" und orientiert sich an der Vernunft. 

Um so störender miesepetrige Nörgelei und klischeehaft kolportierte Miesmacherei ohne intellektuelle Substanz, der sich in leider viel zu viel häufenden Einzelfällen Journalisten hingeben.

Ein wieder  einmal unrühmliches Beispiel dafür hat nun Andreas Tews vom ST abgeliefert. So krude und absurd ist es, dass man rufen möchte: Menschen wie diese mögen wir nicht mehr in dieser Stadt. Hier haben sie keine Berechtigung (mehr), weil man ihrer überdrüssig ist. Vornehm ausgedrückt: Es gibt leider viele Journalisten in dieser Stadt, die sich selbst desavouiert haben. Das ist nicht meine singuläre Meinung und Erfahrung. Das höre ich tagein, tagaus von vielen anderen (auch).

Journalismus mit den Idealen einer Diktatur und Unterdrückung demokratischer Rechte ? ? ? ? ? ?

In einem Kommentar behauptet dieser Journalist Tews allen Ernstes, wenn ein Kommunalpolitiker, der sich zur Wahl stellt, offen, klipp und klar sagt und darüber zum Diskutieren anregt, was getan werden muss (vor allem auch von ihm, wenn er gewählt wird), dann meint ST-Mann Tews, das sei Wahlkampf, der zu unterlassen sei. 

Im Jargon der heutigen Zeit: Ja wie blöd ist denn das? Sollen wir Wähler Kandidaten wählen, die schweigen? Die erst NACH der Wahl mal den Mund aufmachen? Sollen wir Probleme verschweigen, nur weil eine Wahl ansteht ??? Ja, natürlich war es Wahlkampf– und unabhängig davon, ob man Tim Kurzbach oder einen anderen Kandidaten wählt: ENDLICH, ENDLICH, ENDLICH ist mal die Diskussion substanziell in Gang gekommen. Die anderen Parteien und auch große Teile der SPD haben eh schon lange genug geschwiegen, sich auch im Rat ratlos gezeigt. Jetzt packt mal einer an – und der feine Herr Journalist, der ohnehin nicht den ganzen Tag dabei war und Zitate falsch zuschreibt, kritisiert im Stile der beleidigten Leberwurst. Zur Sache selbst hat er kein einziges substanzielles Wort geschrieben, sondern einen Schulaufsatz mit der Aufzählung der durchwanderten Stationen. Hat diese Stadt solche Medien verdient? Solange die Todesanzeigen im Solinger Tageblatt den Abonennten wichtiger sind als guter Journalismus, wird es sich möglicherweise nicht ändern. 

Scheint hier wohl Usus zu sein ...

... das Meckern und Mosern und das Ängstlichsein. Eine beeindruckend lange Liste entsprechender Mundart-Worte zeugt davon:

  • aul Büll
  • aul Hepe
  • aul Schrappnell
  • auler Gröner
  • Bangböchse
  • Böchsendrieter
  • Bottschoken
  • Boulerperd
  • Brölldöppen
  • Bubbelschnute
  • Dawerprumm
  • Döppen
  • dommen Lappes
  • Dommschnute
  • douf Not
  • Drietsack
  • Eierpitter
  • Fennekieker
  • fiese Eimer
  • fiese Möpp
  • Finnen
  • Flabes
  • Grielächter
  • Grutschnute
  • Iepekrätzer
  • Jaubüdel
  • Jommerfott
  • Kallbacken
  • Kappeskopp
  • Kladderdatsche
  • kleine Furzer
  • Klogscheißer
  • Knallkopp
  • Knaasbüdel
  • Knurrbüdel
  • Kratzbürschte
  • Krentenfiester
  • Krentenkacker
  • Leuärschken
  • Lotmechgewerden
  • Meckerpitter
  • Muffzoppe
  • Nörgelspitter
  • Piemock
  • Pröttelspitter
  • Quasselskopp
  • Quettsack
  • Roubein
  • Ruppeköster
  • Sabbelschnute
  • Schanklappen
  • Scheifsecker
  • schleiht Körschken
  • Schliekefänger
  • Schnaderprumm
  • Schnösel
  • Schwätzbacken
  • Stiesel
  • Totterböchse
  • Trogmutte
  • Völlmull
  • Wiesnas

Denk ich an Solingen Tag und Nacht ... - - (weiter bei Heinr. Heine)

Als Obama kam und per Werbeagentur rief "Yes, we can", haben alle gejubelt auch wir in Deutschland. Nun will ich Tim Kurzbach ja nicht zu Obama hoch Kennedy von Solingen hochstilisieren, aber ja, mit (noch einigermaßen) jugendlichem Schwung lässt auch er professionell unterstützt einiges auf die Beine stellen. Und dann soll es falsch sein, nur weil er sich wählen lassen möchte? Herr Tews, lernen Sie doch! Beispielsweise von Sepp Herberger (ehem. Fußball-Bundestrainer, ein wenig vor Jogi), der gesagt haben soll "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel". Will sagen: Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Es ist immer Wahlkampf! Oder wollen wir eine politische Struktur des Schweigens, der Meinungs-Unterdrückung, des Duckmäusertums?  Wenn Sie es wollen (und fordern), nicht mit mir und nicht mit meiner Zustimmung (selbst wenn Sie auf diese pfeifen). 


Zukunft Solingen – Eine Diskussion mit Tiefgang

ganz ehrlich: Ich kam mit skepsis ...

Es kann ja Zufall sein. Oder auch wieder einmal das Eingreifen des Koboldes namens Ironie. Im Mittelpunkt des Bildes, das für die Diskussion über die Solinger Zukunft wirbt, steht eine Schnellstraße – die im Nichts beginnt und meist im verschlungenen Stau endet. Sie war mal als großer Entwurf geplant und wurde dann zur großen Pleite – eine Stadtautobahn mit mäßigem Nutzen und keinen wirklich guten Verbindungen zu den wichtigen oder neuralgischen Verkehrsknoten. Wie gesagt: Selbst wenn es Zufall sein sollte, die Symbolik hätte nicht besser geraten können. Oder wird jetzt endlich der sprichwörtliche Gordische Knoten der Unsicherheit durchschlagen. Was zu bezweifeln ist. Schaut man sich die drei Zahnräder rechts an und nimmt die Pfeile als Laufrichtung ernst, dann ist Stillstand vorprogrammiert. Oder die Striche sind falsch. Wie immer in Solingen: Irgendwas stimmt nicht, keiner weiß genau, was. Oder das Torendiagramm links. Der mehrheitliche Anteil sei angeblich 10 % groß, ein geschätzter echter 10prozentiger wird als 35 % bezeichnet. Und 20 Prozent sind genau so groß – rechnen kann man in dieser Stadt wohl nicht (siehe Haushaltsdefizit) – – – oder muss mit allem, mit allem rechnen. 

Ich werde mir anschauen und anhören, was bei der Diskussion noch alles zutage tritt. Außer Referaten, die vom Titel her allenfalls wie müde Appelle wirken ... doch ich hoffe, mich zu täuschen.

Was Solingen braucht, ist eine Anpassung an die Realität – und keine Neu-Erfindung seiner selbst. oder gerade deswegen doch?

Schon immer haben Kritiker behauptet, in So-lingen sei alles anders. Das totale Gegenteil ist der Fall. Solingen teilt mit dem Rest der Welt die Eigenschaft, dass alles sehr eigen ist – von eigenständig über eigenartig bis eigenbrödle-risch. Weshalb wir schon beim ersten Para-digm-Shift (wie man grundsätzliche Verände-rungen im Business-Denglisch nennt) sind.

Galt bislang – sozusagen in den Phasen Industrie 2.0 und 3.0 – die Formel "Think global, act local", so hat sich das unter den technisch-funktionellen Vorzeichen von Industrie 4.0 (steht für "vernetzte Prozesse") genau umgekehrt: 

Think local. Act global.

Frei übersetzt: wie kann man das USP, die Be-sonder- und Eigenheiten von Solingen weltweit (oder zumindest über die Stadtgrenzen hinaus) sicht- und nutzbar machen. Anders gefragt: Vermarktet sich Solingen mit den an die Stadt geknüpften Assoziationen, Werten, Erwartun-gen richtig und gut, nachhaltig und profitabel?

Mal sehen, ob es Antworten auf diese Frage(n) gibt.

In Solingen leben derzeit Menschen aus fast 100 Nationen, etwa 40 nicht nur vereinzelt gesprochene Sprachen sind Realität. Andere Kulturen, Religionen, Werte und Lebensweisen sind also Alltag in der Stadt. Doch die Antwort auf diese Frage ist immer die gleiche, immer die gleich mutlos machende, niedeschmetternde, ja, sogar eigentlich völlig dämliche: Sie heißt Integration. Wieso Integration? Dann kann man doch gleich von Um-Erziehung, von Zwang zur Verdeutschung, von "und willst du nicht mein Bruder sein, dann ..." reden. 

Warum, verflixt noch mal, lernen wir nicht daraus, was Pädagogen und Psychologen, Politiker und Praktiker gleichermaßen als sinnvolles Konzept ansehen: von Inklusion statt von Integration (und kommen sie bloß nicht mit der Plattitüde, das sei ja wohl das selbe).

Kulturelle Inklusion

Inklusion heißt, man lässt die Vielfalt, das An-derssein, die jeweiligen Identitäten unangeta-stet stehen, geht über Akzeptanz hinaus, indem man sie fördert und sozusagen Handlungsbüh-nen bietet. Während Integration allenfalls bedeuten könnte, zu nivellieren und einander anzupassen. 


Seit 40 Jahren ist bekannt – und niemand hat widersprochen – die eigentlich zum Überleben reichende Wirtschaftskraft, das Bruttosozial-produkt, das Volkseinkommen, kann aufgrund technisch-funktioneller Veränderungen (auch hier gilt das Stichwort 4.0 und darüber hinaus 5.0, der Beginn wirklicher Kybernetik) von 15, 20, maximal 25 Prozent der Gesamtbevölke-rung dauerhaft geschaffen und gesichert werden. Was machen wir eigentlich mit dem dauerhaften Nicht-Gebraucht-werden, mit einer rapide wachsenden (altersbedingten) "brauch nicht mehr für mich zu sorgen"-Men-talität und -Realität? Anders gefragt:

Wird Solingen eine Lebens-Stadt. Oder bleibt es eine Arbeitsstätte mit Aufent-haltsmöglichkeiten ... ?

Wir konzentrieren Innovation permanent nur auf das Industriell-Wirtschaftliche. Dass wir Lebensqualitäts-Innovationen brauchen, kommt in der politisch-gesellschaftlichen Diskussion bislang eher nur am Rande vor. Wirtschaft dient dem Leben. Und nicht das Leben (nur) dem Arbeiten! Mal sehen, ob es hierfür Vorschläge gibt. 

Eigentlich sollte es uns (Demokraten) bis ins Mark erschüttern, alle Alarmglocken schrillen lassen. Aber nein, es wird beiläufig ausgespro-chen und achselzuckend zur Kenntnis genom-men: Die Politik mit ihrem unglücklichen Ge-flecht aus Gesetzesgestrüpp und ursprünglich wohlgemeinter, aber kaum noch nachvollzieh-barer Ideen entfernt sich immer mehr und rascher von der Denkweise und Vorstellungs-kraft der Bürger. Sie koppelt sich von der Lebenswirklichkeit ab. Der Satz des ollen Adenauers hat kaum noch Bedeutung, obwohl er das klügste war, was der Mann jemals gesagt hat (finde ich): "Nehmt die Menschen, wie sie sind. Wir haben keine anderen." Daraus folgt, wir sollten uns auch an die Uralt-Regel halten:

Gestalten (lassen). Statt verwalten (wollen).

Bei "Wir sind das Volk" haben wir noch gejubelt – nun geht das gleiche Volk als Pegida auf die Straße und sind entsetzt. Das erste hat eine dramatische Evolution ausgelöst, die zum Schluss eine Revolution war. Weil die herr-schende Klasse, "die Politik", nicht reagiert hat (altes DDR-Regime). Wer sagt eigentlich, dass nun die Bürgerproteste, ob man sie nun braun und rechts schimpft oder nicht, nicht auch solch eine Sprengkraft haben, wenn sich Politik nicht auf die Realität und "bürgerliches Den-ken" zubewegt. Mal schauen, ob dieses Thema überhaupt vorkommt.


Als mentale kurze Erholungspause im mentalen Galopp durch den Parcour der Probleme schlage ich einfach mal diese Erkenntnis vor:

Die Zukunft ist ein Ergebnis dessen, wie in der Gegenwart die Vergangenheit genutzt wurde.

Was im übrigen auch den Hinweis beinhaltet, den schon die alten Dichter perfekt ausgedrückt haben:

«Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken, das nicht die Vorwelt schon gedacht?»

«Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.»

«Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.»

Oder noch einfacher: «Man muss nicht permanent das Rad neu erfinden wollen».

Also, «Es erhebt sich die grundsätzliche Frage: Wie soll man in der Politik mit der Wahrheit umgehen? Die Antwort muß lauten: vorsichtig.» (Manfred Rommel)

Hingegen: «Alles Grundsätzliche ist grundsätzlich verdächtig.» (Werner Finck)


... und ging mit einem guten gefühl.

fazit

Solingen hat viele substanziell mental gut aufgestellte Knowledge-Cluster; Personen, Gruppen, Organisationen oder Institutionen, die konkret-genau, visionär-realistisch, state-of-the-art und mit genügend Erfahrung in ihren Fächern, aus und über die ganze Welt der Stadt Impulse geben können. Hier leben und für diese Stadt engagieren sich genügend "hochkarätige" Fachpersonen, deren Kompetenz ersichtlich, fundamental, oft auf beeindruckend hohem Niveau angesiedelt ist. 

Soweit das total Positive. Und dann die bittere Erkenntnis: Nur im Einzelfall sind diese Experten personengleich mit den Handelnden in den Entscheidungen treffenden Gremien oder institutionellen Stellen dieser Stadt. Erschreckend das Desinteresse der gewählten Volksvertreter an dieser Konferenz, die erstens in ihrer Art seit langer Zeit erst- und damit zunächst einmalig war und dann auch all das bot, was man in der Klingenstadt bislang schmerzlich vermisst hatte. Es reicht nicht, wenn Postenbewerber und ewig treu ackernde Parteisoldatinnen da sind (und im übrigen ein absolut gutes Bild abgaben) und einige "has beens" ("die von früher") zur Auffüllung sonst leerbleibender Stühle dienen müssen. Es ist erschreckend, dass andere Parteien fernbleiben, bis auf einzelne Ausnahmen, nur weil der Event von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung arrangiert wurde. Genau das, die offensichtliche Imkompetenz und das Desinteresse derjenigen, die sich haben in Verantwortung wählen lassen, ist, was Bürger bis zum Würgereiz zum Hals raushängt. Während die Experten und Erfahrenen mit unüberhörbarer, nein mit gänsehautgenerierender gruseliger Resignation ihre absolut guten, total richtigen, bemerkenswert pragmatischen Anregungen, Ideen, Visionen, Wege, Werkzeuge präsentieren, wie sich Solingen endlich am eigenen Schopf auf dem Sumpf der Verzweiflung und dem Dornröschenschlaf befreien kann – wissend, gut gebrüllt Löwe, aber es interessiert wieder mal keinen in Solingen. 

Doch. Einen zumindest. Und der fährt einen riskanten, wenngleich jeglicher Unterstützung werten Kurs. Tim Kurzbach, OB-Kandidat der SPD (und wenn nicht die Pferde vor der Apotheke kotzen, wird er es auch werden), verspricht – wiederholt, permanent, überzeugend-glaubwürdig – für Solingen sozusagen Runde Tische, Expertise zu bündeln, die Bürger als Fachleute mitzunehmen, einzubinden, ihr Engagement für die Stadt konkret zu nutzen. Dass er das vor hat, glaubt man ihm, keiner muss daran zweifeln. Aber doch massiv daran, dass er darin und damit viele Unterstützer in den jetzig existierenden Gremien und Instituionen findet. Denn die Innovationskonferenz im Frühjahr 2015 hat eins ganz deutlich gezeigt und unmissverständlich bis an die Schmerzgrenze aufgedeckt: Den denkfaulen, unmutigen, sich an Posten und damit auch Einkommen klammernden "Amtsinhabern" vieler Gremien gehört nicht nur das sprichwörtliche "Feuer unter dem Hintern" gemacht – eigentlich gehören sie gefeuert !

Tim Kurzbach wird, das ist seine Art, wieder sagen, nein so schlimm wäre es ja nicht, auch die würden gute Arbeit leisten. Ich kann verstehen, dass er nicht anecken möchte. Aber recht hat er deshalb nicht. Weil nämlich die Konferenz sehr, sehr, sehr klar machte:

Nicht „Solingen hat Probleme“, sondern die Politik insgesamt und über viele Jahre, alle Parteien und sämtliche Gremien hinweg hat Solingen die Probleme beschert, gemacht, verursacht. 

In dieser Stadt – und ihren entscheidenden Gremien, Institutionen, Relationen – hat man über Jahrzehnte (nicht erst seit kurzem) satt gepennt, die Realität verleugnet, keinen Blick für Entwicklungen gehabt. Es ist unerträglich geworden, dass man noch heute ein Bild einer heile-Welt-Innenstadt mit Fachgeschäften entwirft, wo Internet-Shopping längst Normaleinkaufsfall der Normalbevölkerung ist – nur um ein Beispiel zu nennen. Dass man Arbeitsplätze erhalten will, die längst weltweit roboterisiert sind – um ein anderes klarzumachen. Oder, drittens und genügend, nichts, aber auch nichts außer ein paar Tralala-Veranstaltungen bietet, um Neubürgern, Zugezogenen, jetzt-hier-leben-Wollenden oder -Müssenden Solingen als Wohlfühlstadt zu bieten; wir reden über Migration und Integration, dabei ist sie längst erfolgt und wird nur von denen verweigert, die gar nicht aus ihrer geistigen Enge herauswollen. Aber dass deswegen kulturelle Vielfalt gelebt wird – über Einzeltage und -Feste, über Sonntags- und Wahlkampfreden hinaus – Fehlanzeige. Allenfalls in der Gastronomie und bei kleinen Ladengeschäften funktioniert es. 

Und ... und ... und ...

Aber Schluss mit Jammern, denn:

Vieles, was in Solingen Problem ist oder als solches angesehen wird, ist „hausgemacht”. Was die Hoffnung nährt, dass sie auch vor Ort und Stelle wieder beseitigt werden können.

Zukunft Solingen – Hinweise auf Antworten

Ernst Martin Walsken, Ex-MdL für und aus Solingen, riskiert einen Blick auf die Politik und Probleme seiner Heimatstadt ... - - - aber immerhin: er lächelt dabei. 


Je klüger der Kongressbesucher, desto zufriedener. Und umgekehrt.

In meinem Berufsleben habe ich viele Hundert Kongresse erlebt; manche erlitten, viele genossen. Und dabei jene Menschen kennengelernt, denen man sarkastisch raten kann, geh' nach Hause, Du lernst es nie. Und andere, die lange geredet haben, was man alles sofort wieder vergessen hat, und es kam ein einziger Satz, ein singulärer Gedanke vor, der schon den ganzen Aufwand der An- und Abreise und der Teilnahme lohnenswert machte. 

Kongresse als Teilnehmer „konsumieren” ist Rosinenpicken. Oder Goldwaschen. Unter zig Kilo und Zentner (Wort- und Gedanken-) Geröll dann das eine, wertvolle Körnchen Wahrheit, Klarheit, Verständnis, „Erleuchtung“. 

Die, die immer schon alles besser wussten, wissen und doch nicht im Ansatz von irgendwas eine Ahnung haben, waren auch diesmal dabei, aber es waren derer wenige (zum Glück und zu meinem Erstaunen). Die meisten haben nach-, vor- und quergedacht, zugehört, waren geduldig und gingen am Schluss mit dem Gefühl nach Hause, es wäre wirklich etwas geschehen, was schlecht in Worte zu fassen ist. Es war plötzlich Hoffnung da. Weil vieles, was gesagt wurde, zwar die Dimension der Dilemmata aufzeigte, aber auch Perspektiven zeigten, sie zu überwinden. 

Am schlimmsten sind bei Kongressen immer diejenigen, die maulen, man hätte nichts Konkretes gehört und es wären jetzt noch mehr Fragen aufgeworfen. Das sind die Denkfaulen, die sich selbst disqualifizieren. Denn wer schlau ist, nennen wir es ruhig einmal so, der weiß genau, dass gute Redner ihre Antworten immer in Fragen verpacken, die im Raume stehen und deren Antwort beginnt, einleuchtend zu sein ... wer Hirn hatte zu denken, konnte bei diesem Kongress von diesem Prinzip reichlich profitieren. Die anderen hatten allenfalls Vergnügen an der mittäglichen Currywurst.       (hgw)


Nennt Die, die sich in Deutschland wohlfühlen, doch einfach "Deutsche".

Dr. Lale Akgün, deren (Lebens-) Werk mit dem Begriff Integration in Deckung gebracht wird, ist eine Frau der Pragmatik; mit Augenzwinkern gesagt: obwohl sie Psychologin ist! Lale Akgün nimmt den Stier bei den Hörnern. Hört auf, sagt sie, so blöde Begriffe zu benutzen wie "Migrationshintergrund" und überhaupt "Migration". „Deutsch“ sein, sagt sie, ist doch ganz einfach Bürger dieser Republik zu sein, ihre Werte zu bejahen und nach eigener Fasson selig zu werden – wer hätte gedacht, dass der olle preußische Fritz damals schon gelöst hat, was heute mit den vermeintlichen "Ausländern" angeblich ein Problem sein soll. Ein jeder nach seiner Fasson, und schon ist Multi-Kulti keine abstrakte Formel, sondern Bereicherung und neue Lebenskraft. Wenn sich Ostfriesen und Bayern vertragen, mitten in Deutschland, wieso nicht auch Türken und Portugiesen, mitten in Deutschland? Schon oft hat Lala Akgün den Gedanken durchdekliniert, nicht immer wurde sie verstanden: das Problem der Migration entsteht, weil man Migration thematisiert. Lasst doch den Dingen ihren Lauf – und diesen Mut zu haben, wow, das ist wahrlich Innovation pur. 

Mut. Kraft. Stärke. Freude am Neuen. Wer hätte je gedacht, Deutschland sei zu so etwas fähig. 

Ach, übrigens, Lala Akgün deutete auch dezent an: Wenn die Deutschen dazu nicht fähig sind, Menschen anderer Ethnien sind es durchaus ...

Bleibt zu erwähnen, Lala Akgün sagte auch, welche Stadt, wenn nicht Solingen, sei besser geeignet, hier "Leuchtturm-Projekt" zu sein und zu zeigen, wie es geht. 

Das knüpft an das an, was Kongress-Initiator Andreas Schäfer zu Beginn gesagt hatte: Wieso kommen 30 Prozent der Solinger Bevölkerung – nämlich die Nicht-Solingen-Gebürtigen nicht-deutscher Kultur-, Religions- oder Abstammungs-Herkunft – eigentlich nicht in der gebührenden Anteilsstärke in allem auf, was Solingen öffentlich, politisch, gesellschaftlich tut, wie es ist ... ???

Solingen ist die „Klingenstadt“. Es könnte sein, diesre Stolz bricht ihr das Genick.

Schön, schön. Wir Solinger wissen, wir sind (fast) der Nabel der Welt in punkto Messer, Gabel, Löffel, Schere, Schwerter und chirurgischer Instrumente. Und so weiter. Manche Deutsche wissen das auch (noch). Gelegentlich Menschen irgendwo auf der Welt auch. Aber "die Welt" summa summarum, weiß die eigentlich wofür Solingen steht? Paris steht für ...., Rom ...., London, Tokio, Rio de Janeiro, Berlin, Rothenburg ob der Tauber, München - - - - - aber: Solingen? Wer sind wir, was wir der Welt sagen könnten? Wieso sollte sie uns beachten? Warum sollten Menschen den Wunsch haben, hier zu wohnen, hier zu arbeiten. Kann man hier studieren? Gibt es hier Kultur?

Ist es wirklich so schlimm, dass die Kultur nicht im Solinger Theater stattfindet (jedenfall nicht so massiv und so oft und so international), sondern im ganz nahen Düsseldorf, dem Vorort von Solingen namens Köln, im benachbarten Essen, Wuppertal, Dortmund, in Bonn oder dem nur 1,25 Zugfahrstunden entfernten Frankfurt am Main? Weiß die Welt, dass man in Solingen im fast ziemlich total Grünen wohnen kann, vier Flughäfen in der Nähe hat (ach was: sechs!), in einer Fahrstunde (die braucht man in New York für 2 Kilometer) mindestens vier Opernhäuser, zig Theaterbühnen, Kabaretts, über Hundert Museen, davon viele von Weltruf? Müssen wir wirklich uns schämen, Provinz zu sein oder wäre es nicht eine wunderbare Zukunft, wir wären die erholsame Peripherie eines wirtschaftlich prosperierenden Rheinlandes. Nur, verdammt noch mal, baut endlich die Straßen, damit wir es auch sein können. Und macht nicht neue Gewerbegebiete, die woanders viel besser und sinnvoller anzusiedeln wären und macht Solingen endlich zu dem, was es ist: einer Stadt der Ruhe, Erholung und Lebensfreude. 

Klar, dafür müssen Gewerbesteuern und andere Zuschüsse anders verteilt werden. Aber genau das zu tun, ist Innovation. Innovative Politik, die das Kirchturmdenken überwindet. 


Es gibt wahrlich viel zu tun. Nur: wer soll es tun?

Authentische Aussage während des Kongresses: „Wie sollen das die Kommunalpolitiker denn auch noch alles schaffen?“. Antwort: genau die nicht und der Gedanke ist genau der falsche. Richtig wäre: Wir brauchen neue demokratisch-formale Strukturen. Die Grundüberlegung, „Ratsherren“ (auch wenn es inzwischen etliche Frauen sind) könnten „die Geschicke einer Stadt“ richtig bedenken und entscheiden, ist mit jedem Tag mehr falsch, der ins Land geht. Wir brauchen neue Gremien, solche, die von Sachverstand bestimmt und nicht nach politischem oder gesellschaftlichen Proporz dominiert werden. Bei denen Mandate aufgefüllt werden, unabhängig davon, ob die Mandatsinhaber auch nur den Schimmer einer Ahnung von dem haben, was sie da entscheiden. Und die, die es wissen könnten, werden erst gar nicht gefragt. Soviel Ignoranz dem einzigen Rohstoff gegen über, den Deutschland hat, nämlich Intelligenz in den Köpfen der Bewohner, kann man nicht ungestraft überleben. Diese verkrusteten Strukturen sind tödlich. 

Vielleicht – dies sei kein vorläufiges Fazit, sondern der Beginn einer hoffentlich intensiven Diskussion – hat Solingen ja nicht seine Probleme, weil falsch entschiedenen wurde. Sondern weil die Falschen entschieden haben, die gar nicht wussten, was richtig und was falsch sein könnte.


Betreutes Schreiben. Und andere Entmündigungen.

Neulich wurde in Solingen – wieder einmal – eine „Schreibwerkstatt“ angeboten. Das ist eine ähnliche Wegnahme jeglicher (mentaler) Selbständigkeit wie ein Gitter am Krankenbett oder das Geschobenwerden im Rollstuhl. Schreiben ist kreativ. Kreativität ist etwas Persönliches. Etwas sehr Meditatives. Ein Dialog mit sich selbst (uralte Metapher). Ein Hineinhorchen in sich bzw. auf die Innere Stimme. Schreiben ist etwas Intimes. 


Wie kann ein anderer Mensch sich anmaßen, darüber zu urteilen. Gar „helfen” zu wollen. Wie kann man in der Gruppe, sozusagen geistig Händchen-an-Händchen, schreiben? Ja, singen kann man miteinander, tanzen auch. Aber nicht schreiben. Der eine hüpft dabei rum, der andere sitzt wie erstarrt, die eine will den Tee dazu schlürfen, andere liegen in der Sonne und warten auf Ideen. Eben: schreiben ist etwas ganz Pesönliches. 


Nicht, wenn man psychotherapeutischen Missionswahn hat. Dann bietet man eine Schreibwerkstatt an, in der sich womöglich alle lieb haben müssen. Schreiben ist auch Verarbeiten von Wut und Empörung. Bevor Sie das für Unsinn halten: dies ist eine Original-Aussage von Herta Müller, der diesjährigen Preisträgerin der Schärfsten Klinge, der höchsten Auszeichnung Solingens. Protest kann man nicht formulieren, wenn man zum Bravsein gezwungen ist. 


Wenn man sich umschaut in den Bemühungen um Einigkeit und Harmonie „im Internet“, auf den Foren aus und über die Klingenstadt, dann kann man immer mehr zu dem Schluss gelangen, es ginge eine Verkindlichung umher, die man in fortgeschrittenem Alter Demenz nennt. Eine Süßlichkeit des gewollten Bemühens, die als Anmaßung bezeichnet werden darf. 


Es kann sein, dass ich schlecht schreibe, Mist, Unsinn, Furchtbares. Aber dann a) WILL und b) ICH das schreiben, auch wenn es anderen nicht gefällt. Es ist nämlich mein Schreiben. Es muss nicht jedem anderen gefallen. Aber dass andere, bar sonstiger geistiger Freundschaften, es nötig haben, sich Vorschriften für ihre Kreativität und Phantasie machen zu lassen, sich in Gruppen einzuzwängen, die angeblich der Individualität dienen – boh ey Mann, arme Schweine. 


Ach so: Es ist wie in der Fahrschule; gut, wenn bei den ersten Übungen ein Fahrlehrer dabei ist. Aber wohin ich fahre, nach der Prüfung, das bestimmt nicht der Fahrlehrer. Man kann „Schriftstellerei-Werkzeuge“ kennen lernen. Aber schreiben, nein schreiben kann man immer nur - - - aber das sagte ich ja bereits. 

Ich, Du, er, sie, es, wir, die da, wer - was - wo - wie?

Haben Staat & Politik einen webfehler? –– Ja !!!

Die Stadt (nicht nur Solingen, trifft für viele zu) hat kein Geld. Weil sie, unter anderem, Ausgaben für Aufgaben bezahlen muss, die eigentlich der Bund verursacht oder angeordnet hat. Das Land könnte ja einspringen, wenn Städte klamm sind, aber nein, das Land hat ja gar nicht die Einnahmen, den Städten zu helfen. Bleibt also die EU. Die aber hat anderes zu tun ...  (viel größere Ausgaben als so eine arme kleine Stadt wie Solingen) ...


Doch Moment mal. Haben wir nicht auf Stadtebene, im Land, für den Bund, bei der Europa-Wahl immer die gleiche Partei gewählt. Spielt ja gar keine Rolle, welche? Glaubten wir nicht, eine Partei stände insgesamt und durchgängig für das, was sie an irgendeiner Stelle sagt oder fordert oder für ihren Kurs ausgibt? Kann es eine CDU-Meinung in Solingen geben, die von den Grünen im Landtag und der SPD im Bund nicht geteilt wird? Na klar. Aber kann es eine CDU- (oder SPD oder Grünen oder FDP usw.) Meinung in Solingen geben, die nicht CDU-Meinung im Land und schon gar nicht CDU-Meinung im Bund ist? Kann, ja. Und es gibt sie auch, auch wenn es das eigentlich nicht geben sollte. 


Meinen jedenfalls wir dummen Bürger. Und so müssen wir eben wieder einmal erleben, dass wir uns auf die Schüppe genommen fühlen. Was der Parteimensch auf lokaler Ebene sagt muss mit der Parteimeinung auf anderer Ebene überhaupt nicht übereinstimmen. Wofür dann noch Parteien? Wofür dann noch Städte und Länder und der Bund und Europa, wenn doch jeder jedes Problem auf andere abwälzt. 


Das alles wäre ja nur Philosophie für den Stammtisch. Wenn nicht zu beobachten wäre, dass die Wut und Angst (oder eine Kombination davon) unter den eigentlich "bürgerlichen Bürgern" immer weiter zunimmt. Eine Radikalisierung ist nicht mehr ausgeschlossen, erste deutliche Anzeichen dafür gibt es schon. 


Und diese Gefahr wächst mit jeder vernünftigen Lösung, die die Politik aus oben beschriebenen Phänomenen nicht mehr zu treffen in der Lage ist ...


Warum lügen wir uns drumherum?

Den Solinger Karikaturisten Marcus Gottfried halte ich für ein Genie – bei aller gebotenen Vorsicht im Umgang mit solch großen Worten. Er kann zeichnerisch auf den Punkt bringen, was fortan keiner weiteren Erklärung mehr bedarf. Er schafft ein Lächeln in der Leser Gesichter, das schnell gefriert und es einem bei weiterer Überlegung eiskalt den Rücken runterläuft. Wie bei diesem Motiv aus gegebenem Anlass zur Session 2015. 

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Dazu passt (wahrscheinlich und sicherlich), was ich Tage zuvor als Email versandt habe:


Wenn eine politische Macht in einem anderen (fremden) Land mit Gewalt eingreift und Regeln außer Kraft setzt oder Menschenleben bedroht oder sogar offen ankündigt, zu töten, nennt man das Krieg. 
       So ist es mit dem IS und seiner für uns undurchsichtigen Gemengelage: Angekündigt (und bewiesen) ist, dass man, falls man sich „provoziert fühlt“, töten wird. 
       Der Kölner Karneval ist nun vor dieser Drohung eingeknickt. Spätestens damit (es ist allerdings nur der Tropfen, der das Fass irgendwie überlaufen lässt) ist in Deutschland (wieder) Krieg – nämlich die konkrete Androhung des Tötens Bürger dieses Landes durch „Ausländische“. 
       Und eigentlich wäre damit der Nato-Verteidigungsfall gegeben. Wenn man ernst nimmt, was Europa (plus ander Länder) mit sich selbst vereinbart hat. 
   Statt dessen: 
– Schweigen in der Politik. Allenfalls ein murmelndes Geschwurbel.
– „Froh sein“ unter den Karnevalisten (sprich: den Bürgerlichen in diesem Land). Umgangsdeutsch: „Schwanz eingezogen“.
– Aufregung nur auf „halbe Kraft“ in den Medien.
– Wegschauen, wegducken, ignorieren in der Gesellschaft (also bei den meisten von uns).
– Kritiker, Mahner, Laut-Aufschreier werden ihrerseits als radikal, rechts, blöd, „übertrieben“, „unangebracht“ gebranntmarkt (Damit es auch der Dümmste merkt und begreift und es schriftlich hat: Ich spreche NICHT (Nicht meint: NICHT) von Pediga und ähnlichem oder deren Nachahmer; ich spreche von stinknormalen Menschen mit Urteilskraft, die sich Sorgen machen und auf ähnliche Geschehnisse vor 1933 hinweisen: Da war es das Kuschen der Bürgerlichen, das den nationalsozialistischen Terror staatstragend machte).
– – – Und heute?
Toll. All dieses Gerede von Demokratie. Von Zivilcourage. Von kulturellen Werten. 
Toll. Wie uns das alles am A… vorbeigeht. 

Wie wir da plötzlich (siehe Karikatur) umgangssprachlich „keine Eier in der Hose haben“.
Heute schon gekotzt?
Nun, jetzt, genau jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt und die Gelegenheit dazu. 

Und – gute Nacht. Mit uns kann man’s ja machen. Krieg. Einschüchterung. Für-dumm-verkaufen. 
Es ist ja so normal geworden. 

Hören wir auf, auf „die“ (die Bösen, die Terroristen, die IS) zu schimpfen. Schämen wir uns lieber über unser mutlos sein. 

Trauern wir ob des ersten Kriegsopfers hierzulande: die Narrenfreiheit. 

Einst Symbol für „wir müssen uns nicht alles gefallen lassen“. Nun IS sie tot. 


Statt einer Unterschrift: drei Kreuze !

Der Tritt in unseren eigenen Hintern

Wieder einmal hat es Marcus Gottfried wie kein zweiter auf den Punkt gebracht: Eine Partei, die sich "Volkspartei" nennt, ist nicht in der Lage, einen Oberbürgermeister-Kandidaten aufzustellen – schlimmer noch, es herrscht kein überschäumender Andrang auf den Posten.

Der CDU, der Volkspartei, scheint das Volks, Parteivolk, entfleucht zu sein. Oder, abermals schlimmer noch, wir, das Volk, haben vergessen, dass Parteien nur dann funktionieren, wenn viele Bürger mitmachen.


Tun sie aber nicht. Es kotzt die Bürger an, was die Parteien tun, ganz so, als wäre Partei etwas neutral-Sächliches, nicht aus jenen Menschen bestehend, die andernorts skandieren: Wir sind das Volk. Wir, das Volk, sind müde geworden, die Mühe des Denkens auf uns zu nehmen, weil meckern und motzen, Besserwisserei und Beckmesserei viel gemütlicher, bequemer, unverbindlicher, überzeugender ist.


Nicht, dass wir andere überzeugen, aber überzeugt sind, wenn wir nur schon meckern, die klügeren und besseren zu sein. "Sind die denn bekloppt?" ist längst Geflügeltes Wort, tägliches, wenn es um die Kommentierung aktueller Lokalpolitik geht. Nein, nicht die, WIR sind bekloppt. Wir, die wir so wichtige Posten und Entscheidungen denen überlassen, die nicht mehr die Kraft haben, sich zu profilieren und Entscheidungen zu treffen.


Die Schwäche der Solinger CDU, rechtzeitig und eloquent einen Kandidaten aufzustellen (das "-innen" ist, verehrte Damen, selbstverständlich eingeschlossen, aber -  - -- wo waren/sind denn "die Mädels"????), ist Anlass genug, uns selbst in den Hintern zu treten und endlich politisch (wieder) aktiv zu werden. Und zwar konstruktiv. Positiv. Kooperativ. 


Dass es schwierig, mühsam, ganz oft zum Scheitern verurteilt ist – – – – ja, jetzt hören Sie doch mal auf, mit all diesem Schmarren zu entschuldigen, dass Sie als Bürger politisch stinkfaul geworden sind.