Wählen Sie Ihr Elend selbst

Google ist so amerikanisch, dass wir es nicht verstehen

Eine böse, feindliche Macht, Bande, Verbrecherorganisation hat sie gekidnappt, gefangen genommen. Und fragt Sie ganz freundlich: wie sollen wir Sie denn töten, suchen Sie sich doch bitte Ihre Todesart selbst aus. Pervers, oder? Oder eben nicht, sondern Google. 

 

Grundsätzlich: Werbung ist ja per se nicht schlecht, oft nützlich und hilfreich. Werbung hat immer das Problem, wenn man nach ihr fragt, ist es eigentlich schon (für den Anbieter) zu spät. Wünsche wecken kann man nur, wenn man – wie wir gerne formulieren – "ungefragt ins Haus kommt". Sich also aufdrängt. 

 

Komisch, als es noch und nur Zeitungen, Zeitschriften, gedruckte Magazine gab, hat es zwar manchmal aufgeregt, so viel Werbung zu lesen. Aber so richtig böse war kaum einer darüber. Erst mit der Allgegenwart der digitalen Medien und ihrer Allgegenwart der aufgedrängten Werbung wurde dies ziemlich anders. Adblocker, Programme, die Werbung unterdrücken, sind stark gefragt. 

 

Stark gefragt, im doppelten Sinne, ist auch Google. Und Google fragt sogar danach, welche Werbung man haben möchte. Die, deren Themen und Bezug man selbst auswählen kann. Oder solche, die einfach nur so, unsortiert, auf die Bildschirme und die Suchergebnisse, in Facebook und anderes flattern. Keine Werbung zu bekommen, kann man im weiten Google-Imperium nicht einstellen. Und dieses Imperium umfasst viel bis fast alles, was heutige Normalmenschen mit ihren Smartphones, Tablets und Computer so machen. 

 

Google verkörpert das Recht der Menschheit auf die Freiheit, keine Freiheit zu haben. Also das amerikanische Ideal von Demokratie: Das Volk ist souverän, solange es dem Staat gehorcht. Meine Freiheit ist die, Deine zu unterdrücken. Was ich will, das geschehe, auch wenn Du es nicht willst. 

 

Das verstehen wir nicht, ist aber amerikanisch.
Und wir sind ja eben keine Amerikaner.
Jedenfalls nicht die unter uns,
die nicht Werbung, Marketing und Vertrieb gelernt oder studiert haben. 

Wir sind mehrheitlich digitalisierte Nomaden

Erstmals mehr Smartphones als Laptops


Deloittes Global Mobile Consumer Survey sieht immer anspruchsvollere Mobilfunknutzer


14.09.2015 – 09:05

Stuttgart/München (ots) - Der Global Mobile Consumer Survey 2015 von Deloitte, für den weltweit 49.500 Konsumenten, darunter alleine 2.000 in Deutschland, befragt wurden, zeigt: Smartphones haben erstmals eine größere Verbreitung als Laptops. Wearables stehen in Deutschland vor dem Durchbruch, das Interesse an smarten Uhren und Fitness-Trackern steigt deutlich. LTE hat hingegen schon den Markt erobert, immer mehr Konsumenten nutzen die schnellen Netze. Dennoch bleibt Wi-Fi die am häufigsten verwendete Datenverbindung. Etabliert haben sich Streaming-Angebote auf mobilen Geräten, Apps dagegen werden seltener installiert. Dem Trendthema Internet of Things ist hierzulande eine eher langsame Entwicklung beschieden - insbesondere Datenschutzbedenken sind ein Hindernis.


"Mobilgeräte und Apps gehören zum Alltag. Bei neuen digitalen Trends und Geräten fragen Konsumenten aber verstärkt nach dem gebotenen Mehrwert und der Datensicherheit", erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und TMT EMEA Lead bei Deloitte. "Diese und andere Herausforderungen verzögern den Schritt vom innovativen Nischenprodukt zum Massenphänomen und erfordern neue Strategien auf Anbieterseite."


Smartphones als neue Nummer eins


Erstmals ist das Smartphone die verbreitetste mobile Gerätekategorie in Deutschland und löst den Laptop ab. Drei Viertel der Konsumenten haben Zugriff auf ein smartes Telefon, bei unter 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 90 Prozent. Tablets sind bereits in fast jedem zweiten Haushalt zu finden. Das im letzten Jahr rückläufige Interesse an Wearables, insbesondere an Smart Watches, hat seine Talfahrt beendet - 8 Prozent der Befragten planen eine Anschaffung innerhalb der nächsten zwölf Monate, im Vorjahr waren es noch 3 Prozent.


Ihre mobilen Endgeräte nutzen deutsche Konsumenten meist zum Lesen von Online-News, gefolgt vom Streaming von Short-Form-Videos - diese Streaming-basierten Inhalteangebote haben sich etabliert. Die datenintensiven Dienste werden vorrangig über heimische WiFi-Verbindungen konsumiert. Ein klarer Abwärtstrend zeigt sich bei Apps. Neue Apps werden nur dann installiert, wenn sie einen Mehrwert versprechen. Der Großteil der Konsumenten verzichtet auf Experimente mit neuen Downloads - der Hype ist verflogen.


Hardware-Vertrieb: Service ist Trumpf


In Deutschland kommt es bei mobilen Endgeräten früh zu Replacements, 58 Prozent der genutzten Smartphones sind maximal 18 Monate alt. Online-Shops sind beim Smartphone-Kauf die erste Wahl: 42 Prozent der Mobiltelefone werden im Internet gekauft, rund jedes Dritte im Geschäft. Im Internet müssen sich die Netzbetreiber reinen Online-Händlern geschlagen geben, im stationären Handel den großen Elektronikmärkten. Chancen für Mobilfunkanbieter liegen jedoch in Beratungsqualität und im technischen Support vor Ort.


LTE erfährt Boom


Nach bisher nur mäßigem Erfolg kommt LTE mit neuen Tarifangeboten bei den Konsumenten in Fahrt: 22 Prozent der deutschen Mobilfunkkunden nutzen die Breitbandverbindungen - 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dennoch bleibt WiFi die häufigste Datenverbindung unter Smartphone- und Tablet-Nutzern und baut seinen Vorsprung sogar aus. Dazu tragen datenintensive Audio- und Videostreams erheblich bei. An Multiplay-Diensten zeigen Verbraucher dagegen nur ein begrenztes Interesse.


Internet of Things kommt aus der Nische


Das Trendthema Internet of Things ist in der Mehrzahl der deutschen Haushalte bislang nicht angekommen, einzelne Technologien finden dennoch Anklang. Gerade Produktkategorien wie Smart-Home-Geräte oder Connected Cars fristen nach wie vor ein Nischendasein. Die geäußerte Kaufabsicht zeigt jedoch ein steigendes Interesse. Das Hindernis für IoT-Anbieter sind die Datenschutzbedenken der Konsumenten: 42 Prozent der Deutschen lehnen eine Datenweitergabe grundsätzlich ab, 34 Prozent würden sie nur mit bestimmten Anbietern teilen. Transparenz und ein hohes Datenschutzniveau könnten der Schlüssel zum Massenmarkt werden.


"Konsumenten akzeptieren lange nicht mehr alle Angebote bedenkenlos und informieren sich verstärkt über Mehrwerte und Alternativen. Marktteilnehmer müssen die Kundenanforderungen kontinuierlich beobachten und ihr Angebot anpassen. Nur so können sie Konsumentenwünschen nachkommen und neues Interesse an vielversprechenden Trends stimulieren. Ihre Chance liegt in der Vermittlung klarer Mehrwerte für die Konsumenten", kommentiert Dr. Andreas Gentner.


Den kompletten Report finden Sie unter http://ots.de/ORu4u zum Download.

Drucken ist ein Verblödungs-Filter

Zu lesen steht:


TV UND INTERNET LEISTEN VERBLÖDUNG VORSCHUB

Cambridge-Forscher weisen Vorteile klassischen Lesens nach


Fernsehen, Internet und Computerspiele machen nicht unbedingt schlau. Im Gegenteil, jede zusätzliche Stunde vor den Geräten sorgt für merklich schlechtere Noten beim General Certificate of Secondary Education (GCSE), dem britischen Gegenstück zur mittleren Reife. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der University of Cambridge http://cam.ac.uk . Mehr Zeit für Hausaufgaben oder klassisches Lesen dagegen ist - zumindest in Maßen - gut für die schulische Leistung.

Der indirekte Effekt                               

Drucken ist teuer. Aus diesem Grund hat man sich (und tut es heute noch) genau überlegt, ob ein Inhalt sich zu drucken lohnt. Denn entweder muss er vom „Druckenlasser“ aus eigener Tasche bezahlt werden – mithin muss ein Nutzen vorhanden sein, der sich zu Geld machen lässt – oder die Leser zahlen selbst und freiwillig für den Inhalt. Also wurde nicht jeder Sch... gedruckt. 


Anders beim Fernsehen; das finanziert sich immer mehr und in anderen Ländern ausschließlich von Werbeeinnahmen, und Werbung wirkt, so scheint es, um so besser, je flacher, aber reißerischer die Inhalte sind. 


Ganz pauschal Gedrucktes mit TV zu vergleichen ist der klassische Irrtum, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Die beiden Medien haben nämlich völlig andere Intentionen. 

Jeden Tag rund 6 Stunden online. Und mehr. Selten weniger.

Die Permanenz des Virtuellen ist real - auch wenn's kurios klingt :-)

Bonn (ots) 8. August 2015 -

 

• Die Deutschen sind aktuell 40 Stunden in der Woche im World Wide Web unterwegs - eine durchschnittliche Arbeitswoche.  34 Prozent aller Bundesbürger geben an, heute öfter online zu kommunizieren als noch vor einem Jahr.

 

• Besonders online-affine Bundesbürger surfen sogar noch 14 Stunden mehr.

 

• Deutschlandweit ist die Kommunikation über Online-Kanäle in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen.

 

• Mit knapp 52 Stunden surfen die 18- bis 24-Jährigen am längsten im Netz.

 

• Doch auch die Altersgruppe 60plus kommt auf fast 30 Stunden.

 

• Männer und Frauen verbringen dabei etwa gleich viel Zeit online.

 

• Das meistgenutzte Gerät zum Surfen ist der Laptop, den 68 Prozent der Befragten verwenden.

 

• Der Siegeszug des Smartphones scheint jedoch unaufhaltsam: 57 Prozent aller Deutschen gehen damit bereits mobil online, insgesamt 18 Stunden pro Woche.

 

• Bei den besonders technik-affinen Deutschen, den so genannten Digital Natives und den Early Adopters, ist das Smartphone mit 84 Prozent Nutzung bereits die erste Wahl.

 

• Auch Tablet-PCs sind auf dem Vormarsch: 32 Prozent der Deutschen und 44 Prozent der digitalen Trendsetter nutzen sie regelmäßig.

 

• Die klassische SMS ist als privater Kommunikationskanal weiter beliebt, fast zwei Drittel der digitalen Deutschen nutzen sie zum Austausch mit Familie und Freunden.

 

• Am häufigsten wird aber per Instant Messenger wie z.B. WhatsApp (73 Prozent) kommuniziert, gefolgt von E-Mail (67 Prozent) und Social Media (65 Prozent).

 

• 64 Prozent sind der Meinung, dass durch die steigende Online-kommunikation die Qualität persönlicher Beziehungen leidet.

 

• 53 Prozent lehnen es ab, ständig erreichbar zu sein. 

 

 

"Die Untersuchung von digitalen Trends hat für die Postbank als führende Online-Bank Deutschlands große Bedeutung", sagt Philip Laucks, Bereichsvorstand Direktbank der Postbank. "Wir beobachten eine stetige Veränderung bei den Bedürfnissen unserer Kunden, speziell hinsichtlich digitaler Kommunikation und Dienstleistungen."

"Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass die Menschen in Deutschland noch dabei sind, das für sie subjektiv passende Maß an digitaler Kommunikation zu definieren. In Bezug auf ihre Bankgeschäfte ist aber heute schon klar, dass Menschen ein durchdachtes Multikanal-Angebot erwarten. Dieser Trend wird sich fortsetzen", so Laucks.

Die Webseitewww.postbank.de ist hierzulande die meistbesuchte Finanz-Website. Fünf Millionen Kunden nutzen das Online-Angebot der Postbank. Sie eröffnen Girokonten oder schließen mobil einen Kreditvertrag ab. Überweisungen sind via Sprachsteuerung ausfüllbar, die Freigabe des Auftrags funktioniert mit modernstem Signaturverfahren und Fingerprint-Technologie. Diesen Service bietet die Postbank als einzige Bank in Deutschland an. Die Postbank ist zudem vielfach für die Sicherheit im Online-Banking ausgezeichnet worden.

Wie souverän sind Sie als Leser?

Die Sache mit der Wahrheit. – – – Oder: der Streit von Fakten und Argumenten.

Dass das, was in der Zeitung steht, im Radio gesagt, im Fernsehen gezeigt wird, „wahr”, richtig, wirklich, unbestechlich objektiv ist (war oder sein wird), das glaubt ja wohl keiner. Sonst müsste man auch annehmen, jeder Film im Kino beruhe auf Tatsachen. Nein, Medien, egal welche, unabhängig davon, wie sie daher kommen, welchen Anspruch sie haben, was sie versprechen, sind Bühne, Theater, Illusion, m nicht zu sagen: Gaukelei. 

Daher sollte, wer persönliche Medienkompetenz hat, glaubt, mit Medien umgehen zu können, selbst in der Lage sein, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Die Informationen, „Dokumentationen”, Präsentationen, Animationen der Medien als einen Mosaikstein unter vielen behandeln. 


Man könnte es auch so ausdrücken: Medien sind immer so gut wie ihre Nutzer. Perfekt übersetzt übrigens in dem uralten, noch heute gebräuchlichen Werbespruch der FAZ (Frankfurter Allgemeinen Zeitung), eine Zeitung zeigend, ein Mensch dahinter angedeutet, unsichtbar, und dann dies: „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf”. 

Das ist, was sich die FAZ wünscht. 

Das ist, was sein soll(te).

Ist es das, was wirklich ist?
Sind Sie auch ein kluger Kopf?

Falls Sie dies meinen, dann prüfen Sie selbst, wenn Sie diese beiden absolut zeitgleich, zum identischen Thema veröffentlichten Presse-Erklärungen lesen. 



MARSEILLE-KLINIKEN AG


GROSSKÜCHEN-REPORTAGE: SCHLAG GEGEN "TEAM WALLRAFF" - GERICHT UNTERSAGT FALSCHE BEHAUPTUNGEN - MARSEILLE-KLINIKEN WEHREN SICH ERFOLGREICH GEGEN MANIPULATIVE BERICHTERSTATTUNG


31.07.2015 – 20:19FERNSEHEN


Hamburg (ots) - Schwerer Schlag für "Team Wallraff": RTL musste den Bericht über die Großküchen vom Netz nehmen - aus "juristischen Gründen", wie es anfangs auf der Seite hieß. Die Pressekammer des Hamburger Landgerichtes untersagte nun mit einem Beschluss (Az.: 324 O 309/15) die Verbreitung einer Reihe von Behauptungen über die hygienischen Zustände in der Küche einer zu der Marseille-Kliniken AG gehörenden Küche.


Unter Anleitung des Investigativ-Journalisten Günter Wallraff hatte das "Team Wallraff" zwei Journalistinnen als Praktikantinnen in verschiedene Großküchen deutscher Unternehmen "eingeschmuggelt". Sie sollten dort mit verdeckten Kameras und Mikrofonen Missstände aufdecken.


Eine der Journalistinnen tauchte bei der Amarita Oldenburg auf, eine Senioreneinrichtung, die zu der Marseille-Kliniken AG gehört. Die orientalische Frau mit Kopftuch gab vor in ihrem Heimatland verfolgt zu werden und sie wolle ein Praktikum in der Küche der Amarita machen, als Vorbereitung für eine Ausbildung. Mit versteckter Kamera und Mikrofonen machte sie sich an die Arbeit. Heraus kam ein Bericht über die angeblich schlimmen Zustände in der Küche der Senioreneinrichtung. Diese war allerdings kurz vor dem Einsatz der falschen Praktikantin von den örtlichen Gesundheitsbehörden als einwandfrei eingestuft worden.


Die Journalistin hatte Dinge behauptet und später in der "Team Wallraff" Sendung verbreitet, die sich sowohl als haarsträubend wie auch falsch herausstellten.


Das sah auch die Pressekammer des Landgerichtes Hamburg so. In einem Beschluss vom 24.7.2015 untersagten die Richter RTL die Verbreitung der monierten Behauptungen. Für den Fall einer Zuwiderhandlung verhängten sie ein Ordnungsgeld von EUR 250.00,00 gegen den Sender. In der Konsequenz sah sich der Sender nun gezwungen, den Beitrag vom Netz zu nehmen.


Der Aufsichtsratsvorsitzende der Marseille-Kliniken AG, Ulrich Marseille, erklärte, warum der Konzern gegen die Berichterstattung von "Team Wallraff" hart und konsequent vorgeht: "Der gesamte Bericht musste aus dem Regal genommen werden, weil grobe Verstöße der journalistischen Sorgfalt enthalten sind. Es klingt schon eher nach Manipulation." Und weiter: "Ich finde, dass es wichtig ist als Unternehmen, dass man sich solche Fälschungen nicht gefallen lässt. Das ist auch wichtig für die journalistische Gemeinde, solchen Leuten das Handwerk zu legen."

RTL TELEVISION GMBH

VORWÜRFE VON U.MARSEILLE GEGEN "TEAM WALLRAFF" HALTLOS - GERICHT HAT BEREITS EINZELNE PUNKTE DER EINSTWEILIGEN VERFÜGUNG ZUM THEMA MANGELNDE HYGIENE IN GROSSKÜCHEN DES MARSEILLE-KONZERNS ABGEWIESEN


31.07.2015 – 20:48FERNSEHEN


Köln (ots) - "Team Wallraff" dokumentierte in seiner letzten Ausgabe am 8. Juni wie unappetitlich und unhygienisch es in einigen deutschen Großküchen zugeht. Darunter auch das Pflegeheim Amarita in Oldenburg, das zu den Häusern der Marseille Kliniken AG gehört. "Team Wallraff" nahm die Recherchen auf, nachdem Günter Wallraff Informationen über Missstände vorlagen.


Die Behauptung von Ulrich Marseille, dass der Beitrag offline ging, da "grobe Verstöße der journalistischen Sorgfalt enthalten sind", ist absolut haltlos. Unternehmer Ulrich Marseille reagierte vielmehr auf den Beitrag mit einer sogenannten "Einstweiligen Verfügung".

Das bedeutet, dass ein einseitig erlassenes gerichtliches Verbot erwirkt wurde. Dies erfolgte erst einmal ohne Anhörung der Gegenseite. Der Einstweiligen Verfügung musste juristisch auch zunächst Folge geleistet werden. Daher ist der entsprechende Beitrag derzeit offline gestellt, bis eine inhaltliche Prüfung durch das Gericht stattgefunden hat.


"Team Wallraff" ist seiner journalistischen Sorgfaltspflicht eindeutig nachgekommen. Günter Wallraff und seine Kollegen können durch umfangreiches Rohmaterial sowie Testergebnisse von Speiseproben vor Ort die Aussagen und Vorwürfe zu den mangelnden hygienischen Bedingungen im Pflegeheim Amarita in Oldenburg eindeutig beweisen und werden dies im Rahmen des laufenden Gerichtsverfahrens auch darlegen.


Auch die Unterstellungen des Unternehmers, dass es sich um "Fälschungen" und um "Manipulation" handele, entbehren jeglicher Grundlage. Gegen derartige Unterstellungen wird der Sender entsprechende rechtliche Schritte vorbereiten.

Die Behauptung des Unternehmers, hier Menschen "missbraucht" zu haben oder "Schindluder" mit ihnen getrieben zu haben, legt den Verdacht nahe, dass Ulrich Marseille diesen Beitrag nicht wirklich kennt, da hier der Fokus eindeutig auf die Zustände in der Großküche lagen und Personen vor Ort vollständig unkenntlich gemacht worden und zudem lediglich am Rande erschienen sind. Im Gegenteil: "Team Wallraff" liegen vielmehr Informationen vor, in denen die Arbeitsbedingungen der eigenen Mitarbeiter in Frage gestellt wurden.


Im konkreten Fall hat das Gericht bereits einzelne beantragte Punkte der Einstweiligen Verfügung durch das Pflegeheim Amarita eigenständig abgewiesen.



So, nun sind Sie dran: dann urteilen Sie mal.

Und zeigen Sie damit, dass Sie medienkompetent sind. 


Ach ja, falls Sie jetzt sagen, man könne das doch gar nicht wissen, da blicke man doch nicht durch, es sei doch unmöglich, zu urteilen, dann ...

  1. erbitte ich vor jeder journalistischen Arbeit demnächst mehr, viel mehr Respekt, denn genau das, in solch komplexen Fällen urteilen, kommentieren, die Wertigkeit erkennen ist Berufsgrundlage des echten und guten, des gekonnten Journalismus;
  2. frage ich mich, wieso Sie überhaupt Medien beachten, wenn Sie nicht in der Lage sind, deren Darstellungen einzuordnen, zu werten und sich ein eigenes Urteil zu bilden;
  3. sollten Sie schleunigst darüber nachdenken, dass in Medien
    NIE UND NIMMER, NIEMALS UND NIRGENDS  
    F A K T E N   stehen, sondern immer nur    A R G U M E N T E .

Fotografen-Lächerlichkeit

99 % aller fotografen sind bloss miese Knipser

Sagen Sie zu einem, der gerne und vermeintlich gut fotografiert, Idiot oder Säufer, Hurenbock oder Dumpfbacke – all das wäre nicht der Ansatz einer solchen Beleidigung als wenn Sie sagen würden: „Dein Bild ist retuschiert. Mit Photoshop nachgearbeitet”. Das ist die größte Erniedrigung einem Fotografen gegenüber. Gleichzusetzen mit: Du dösiges Stück kannst ja gar nicht fotografieren ...

 

Fotografen unterliegen oft, sehr oft, einem Wahn, der dermaßen lächerlich ist, dass man darüber weinen könnte. Der krankhaften Sucht, „real“ zu fotografieren; vermeintlich das, „wie es ist”, übersetzbar: das Original abzubilden. 

 

In der Fotografie ist vieles möglich, nur eins überhaupt nicht, nie, nimmer, niemals: eine Szene original wiederzugeben. Versuchen Sie, Ihren eigenen Schatten einzufangen und stecken Sie ihn in einen Plastiksack; möglicherweise könnten Sie das schaffen. Doch etwas original fotografisch abzubilden: In diesem Universum ist es grundsätzlich nicht möglich. Es gibt kein einziges physikalisches Gesetz, welches dies ermöglicht. Es ist das Unmöglichste unter all dem anderen Unmöglichen. 

 

Und der Anspruch, es zu tun, der eigentlich jämmerlichste, den man sich vorstellen kann. Wie will ein heutiger Musiker wissen, was sich Bach gedacht hat (oder Mozart oder Sibelius oder Brahms oder Bernstein), als sie ein Werk komponierten? Wie will er die originale Intention wiedergeben? Wie will ein Schauspieler auf die Bühne oder ein Regisseur auf die Leinwand bringen, was sich der Autor, die Autorin beim Schreiben des Schauspiels, des Drehbuches vorstellten – wie also „das Original“ der Gedanken wiedergeben? Will ein Maler „Realität“ malen? Nie und nimmer! Will ein Sänger so singen wie ein anderer singt? - - - Wieso wollen Fotografen das nicht tun, was das Schönste in und an der Kunst ist: interpretieren

 

Denn ihre Technik tut es sowieso, ohne dass sie auch nur einen Hauch von Chance hätten, darauf Einfluss zu nehmen. Und wie Betrachter die Bilder letzten Endes sehen – unendlich weit ist jeder Fotograf davon entfernt, das im Sinne von „ich will das Original rüberbringen“ beeinflussen oder steuern oder provozieren zu können. – Weil es den meisten Menschen dazu schlichtweg an Fachwissen fehlt. 

 

Die wichtigsten Faktoren, die auf Farbe und Form, also "Richtigkeit" der Abbildung Einfluss nehmen (im Detail gibt es fast unüberschaubar mehr):

  • Die Lichtquelle (Beleuchtung) – Echtweiß oder farbstichig?
  • Streulicht, Lichtverfälschungen
  • Oberflächenstrukturen (z. B. Reflektionen)
  • Kameralinse (Güte)
  • Der aufnehmende Chip (früher: Filmmaterial)
  • Die Komprimierung der Lichtpunkte in einen Datenfile (eine erhebliche und vielfache Quelle von Farb- und Formveränderungen)
  • Betrachtung der Aufnahme auf einem Bildschirm (egal, ob in der Kamera oder im Computer)
  • Das Farbprofil, das Colormanagement
  • Ausdrucke auf Papier: die Umrechnung des Datenfiles in einen Druckfile, die Eigenschaften des Druckers, der Farbe, des Papiers
  • Das erneute Betrachten auf Papier (Leuchtquelle, Farbverfälschung)
  • Das Auge des Betrachters
  • Das Gehirn des Betrachters ...
  • ... und etliches mehr

Das alles spricht dafür, von einer Richtigkeit der Farbwiedergabe von Motiven nicht mehr im Ansatz sprechen zu können – oder zu dürfen. Es ist eine Illusion, technische Wieder- und Weitergaben von Bildern könnten Realitäten transportieren

 

Seit es grafische Darstellungen gibt – also nicht erst, seit das moderne Drucken erfunden wurde – bemühen sich alle Künstler darum, eben NICHT total realistisch darzustellen, sondern verwenden stilistische „Tricks“, um die Phantasie, das Vorstellungsvermögen, die Assoziationen und Erinnerungen der Betrachter anzuregen, wachzurufen, zu intensivieren. Genau das ist und bleibt die Aufgabe auch einer Fotografie im allgemeinen; nur dann, wenn ein extrem (!) hoher technisch-funktioneller Aufwand getrieben wird, wenn wirklich Experten am Werk sind, kann man mit Fug und Recht von Dokumentarfotografie sprechen – im Rahmen der physikalischen Grenzen unserer universellen Naturgesetze. 


Ein jeder guter und »echter“ Fotograf hat schon immer mit Filmmaterial, Filtern, Sonnenständen, Beleuchtungs-Aufbauen und Belichtungszeiten die Bilder manipuliert, so dass sie Betrachtern als logisch, eingängig, „schön“ und einprägsam erschienen. 

 

Warum man das jetzt mit den phantastischen digitalen, elektronischen Möglichkeiten und Werkzeugen nicht machen sollte, entzieht sich vollständig meiner Einsicht in höhere Logik.

Will sagen: glaube nur dem Bild, das Du selbst retuschiert hast. 

 

 


Schön ist immer, was wir vor unserem Inneren Auge als schön empfinden.
Und wahr ist, was wir akzeptieren, verstehen, bereits kennen. 

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Transport der Botschaft per Wort oder Bild geschieht.


Es kommt immer drauf an ...

Ein ganz normales Bild aus einem ganz normalen Flugzeug mit ganz normalen Wolken, fotografiert mit einer ganz normalen Digitalkamera. Ist das Bild „realistisch” und „echt”  ? ? ? ? ? ? ? Nein, ist es nicht, die Kamera hat es verfälscht.
Ein ganz normales Bild aus einem ganz normalen Flugzeug mit ganz normalen Wolken, fotografiert mit einer ganz normalen Digitalkamera. Ist das Bild „realistisch” und „echt” ? ? ? ? ? ? ? Nein, ist es nicht, die Kamera hat es verfälscht.
Mit nur einem einzigen Klick im Programm Adobe Photoshop (andere haben so etwas auch) werden Wolken, was sie wirklich sind: grau ! ! !  – Man muss halt nur den Knopf kennen  :-))
Mit nur einem einzigen Klick im Programm Adobe Photoshop (andere haben so etwas auch) werden Wolken, was sie wirklich sind: grau ! ! ! – Man muss halt nur den Knopf kennen :-))

Und das wäre dabei herausgekommen, wenn man gemacht hätte, was Fotografen immer mal wieder gerne tun, ohne sich als „Fälscher“ zu fühlen: eine leichte Unterbelichtung. Im Gegenteil, mit dieser Manipulation fühlen sie sich als Könner.
Und das wäre dabei herausgekommen, wenn man gemacht hätte, was Fotografen immer mal wieder gerne tun, ohne sich als „Fälscher“ zu fühlen: eine leichte Unterbelichtung. Im Gegenteil, mit dieser Manipulation fühlen sie sich als Könner.
Und bei digitalem Spielzeug kann dies entstehen: eine HDR-Aufnahme mit einem besonders hohen Dichteumfang. Ist heute total chic, keiner ist sich bewusst, dass es eine massive Manipulation ist. Im Gegenteil, man hält es für supergenaue Fotografie.
Und bei digitalem Spielzeug kann dies entstehen: eine HDR-Aufnahme mit einem besonders hohen Dichteumfang. Ist heute total chic, keiner ist sich bewusst, dass es eine massive Manipulation ist. Im Gegenteil, man hält es für supergenaue Fotografie.

Aber auch schon bei analogen (materiellen) Filmen war die Unechtheit das RIESENPROBLEM. Das wäre bei einer Normalaufnahme herausgekommen, hätte man einen FUJI-Diafilm verwendet.
Aber auch schon bei analogen (materiellen) Filmen war die Unechtheit das RIESENPROBLEM. Das wäre bei einer Normalaufnahme herausgekommen, hätte man einen FUJI-Diafilm verwendet.
... und das wäre die Aufnahme mit einem KODAK-Diafilm gewesen. Über die Wahl der richtigen Filmmarke hat es früher schon erbitterte Glaubenskriege gegeben.
... und das wäre die Aufnahme mit einem KODAK-Diafilm gewesen. Über die Wahl der richtigen Filmmarke hat es früher schon erbitterte Glaubenskriege gegeben.

Meine Hoffnung ist, für den Rest Ihres Lebens glauben Sie NIE MEHR AN DIESEN BLÖDSINN, dass ein Foto, „wie es aus der Kamera kommt” auch das zeigt, was jemals vor der Linse der Kamera wirklich WIRKLICHKEIT war.

Demokratie ist etwas Schönes. Schade, ...








Demokratie ist etwas schönes. Schade, dass sie nicht funktioniert. Aber darüber müssen wir uns ja auch weiter keine Sorgen machen, weil es in diesem Lande, ach was, auf der ganzen Welt ohnehin keine Demokratie mehr gibt. Sondern die ...

Mediokratie

... die Herrschaft der Medien. Demokratie wäre, wenn – wörtlich – alle Gewalt vom Volke ausginge. Mediokratie ist, wenn man mit Gewalt dem Volk verklickern will, wie was wann warum wo auszugehen, zu geschehen hat, so sein muss, nicht anders sein kann, und man es deshalb akzeptieren muss, soll, darf. 

Demokratie hat gewaltige Nachteile. Treffen sich – angenommen – sieben, die etwas entscheiden wollen. 3 haben kluge Ideen, 4 sind einfach nur gegen alles und überhaupt gegen die, die kluge Ideen haben. Wer gewinnt? Was also soll an Demokratie so gut sein?

Politik ist eigentlich ganz einfach. Entweder es ist die Herrschaft von Despoten oder von Despoten. Die erste Sorte Despoten sind die, die als Einzelmenschen oder kleine Cliquen die Macht an sich reißen. Die zweite Sorte sind diejenigen, die jeweils in Gremien eine Stimme mehr haben. Was bei beiden Despotien aufs gleiche rauskommt. Es geht nicht um Vernunft, sondern um Macht. 


Eine Macht, die die Presse, die Medien, das Fernsehen – und neuerdings "das Internet" für sich reklamieren. Wobei das Internet eigentlich schiere Demokratie zu sein scheint – und genau so despotisch daherkommt wie die schlimmsten der Tyrannen. 


Das Internet, das sind wir alles. Es ist für alle da. Jeder kann sich seiner bedienen. Das ist die ideelle, die viel zu schön klingende Version, um die wahre zu sein. In Wirklichkeit haben nämlich alle, alle, die das Internet für sich als "Platz da (für mich), ich bin die Freiheit" nutzen nur eins im Sinn: Selbst das Maß aller Dinge zu sein. 

Demokratie, das ist im wohlverstandenen Sinne die faire Diskussion, um eine beste Lösung zu suchen und zu finden. Internet, das ist nur eins: nur meine Lösung zählt. So wie die Despoten sich anmaßen, so wie demokratische Politik bestes durch stimmmehrheitliches ersetzt. 

Bald gibt es Krieg – oder ist der schon?

Wenn die These stimmt, dass Journalisten ja "auch nur" ein Spiegelbild des Zustandes der Gesellschaft sind, dann sieht's aber düster aus. 

 

Seit geraumer Zeit, seit etlichen Jahren, sind Zeitungen und auch TV-Nachrichten (meine Beobachtung: Radio ist – meist – wesentlich "kultureller", sensibler ! ! ) längst in der Kriegsberichterstattung angekommen, wenn es um Fragen der Politik, der Gesellschaft, des Miteinanders geht. 

 

Hat ein Politiker eine andere Meinung als ein anderer, wird formuliert ähnlich wie "X geht auf Y los" oder "Opposition zerreißt Thesenpapier der Regierung". "Z attackiert Kritiker" heißt es, wenn Frau/Herr Z nur mal anmerken, die Kritiker hätten ja nun auch nicht per se recht, nur weil sie Kritiker sind. 

 

Die Welt wird dargestellt, als befände sich jeder mit jedem im Krieg, im Zwei- und Nahkampf. Als ginge es um ja und nein, um schwarz oder weiß. Zwischentönen, Kompromisse – ja, das ABSOLUT NATÜRLICHE EINER DEMOKRATIE, nämlich Meinungs- und Argumente-Austausch, Vergleich von Standpunkten, verbale Positionsverdeutlichungen, all das wird umgemünzt in Zoff, Lempe, fight. 

 

"Borussia abc vernichtend geschlagen!" – jetzt aber mal langsam, die Mannschaft ist bloß mit einem miesen Ergebnis untergegangen, aber nein, sie wurde "abgestraft, deklassiert, vorgeführt". Verbalgewalt, Mentalattacken wie zu Zeiten unzivilisierter Hahnenkämpfe. Immer druff. Plumpe Schlägertrupps in den Redaktionen. Guerillas mit Kamera, Mikrofon, Computertastatur und Fotoapparat. 

 

Aus dem Vorschlag, man können in diesem und jenen Fall auch eine andere Sichtweise und Meinung haben, wird "XY schmettert ABC ab ...". Wird nur um einen Standpunkt oder Kompromiss gerungen, heißt es "Der und die uneins!".  Fragt der Ehemann: "Sollen wir ins Kino gehen?", sagt die Ehefrau "Ach, lieber ins Theater"; schreibt die Zeitung: "Ehepaar zofft sich um Freizeitgestaltung" – oder "Bricht jetzt die Ehe auseinander". 

 

Mit hilft solcher Journalismus abzunehmen. Ich muss so etwas nur nach dem Essen lesen. Dann kommt's mir wieder hoch. 


zum Beispiel

Spiegel Online, 20.3.15: "Airbus-Chef rechnet mit Talkshows ab", dagegen ...

FAZ Online, 20.3.15: "Airbus-Chef kritisiert Talkshows nach Flugzeugabsturz"


Focus Online, 20.3.15: Ankündigung/Headlines eines Videos: "Stapellauf eines Schiffes endet spektakulär". Im Film dann der Kommentator, sinngemäß "Was hier so wild aussieht, ist völlig normal." ...


Stern Online, 20.3.15: "Riesiger Asteroid rast auf die Erde zu" – o je, müssen wir sterben. 

Ach nee, denn "... fliegt der Asteroid 2014 YB35 an der Erde vorbei: Der etwa 700 Meter große Gesteinsbrocken kommt auf 4,5 Millionen Kilometer an uns heran - ein aus astronomischer Sicht geringer Abstand." Gering ja. Aber immerhin nicht "auf die Erde zu". Also glatt gelogen.

Multimedia – nur aus Verzweiflung ???

Mediale Kommunikation – also auch alles, was im weitesten Sinne mit Marketing, Werbung, Information zu tun hat – schwankt heute zwischen vier Paradigmen. Sie bilden Eckpfosten, binnen deren Begrenzung die Kommunikations- und Mediennutzungs-Strategien umhertaumeln wie ein angeschlagener Boxer im Ring. 

Das eine betrifft den fast schon totalen Zusammenbruch der Existenz verlässlich prognostizier- und klassifizierbarer Zielgruppen, denen eine Homogenität unterstellt werden könnte:

 

Ich weiß, dass ich nicht weiß, was der Nutzer meiner medialen Botschaft weiß oder wissen will.

 

Des weiteren lassen ehemals einigermaßen in ihrem Verhalten vorhersehbare Zielgruppen es – sarkastisch ausgedrückt – „an Disziplin mangeln“. Nur, weil man einen Gegenstand oder Konsumartikel haben möchte oder benötigt, heißt das noch lange nicht, dass alle mit einer nivellierten Qualität oder Service einverstanden sind. Also:

 

Auch wenn die Bedürfnisse gleich sein mögen, so sind es die Ansprüche noch lange nicht. 

 

Wir leben inzwischen überwiegend (wieder) nomadisch, sind „dauernd unterwegs“. Die Illusion vom Briefkasten an der Haustür als absolut zuverlässige Allrounder-Schnittstelle zwischen einer Person und der Außenwelt ist Vergangenheit. Eher ist dies nunmehr die Email-Adresse. Aber ob einen die digitale Bildschirm-Botschaft auf einem Mini-Display (Internetfähige Uhr!, Smartphone sowieso) oder Großbildschirm, nervös-gehetzt in der Tram oder in aller Ruhe im Büro erreicht – völlig unvorhersehbar, ständig wechselnd, ohne festes Muster meist.

 

Ort und Werkzeug medialer Nutzung können nicht mehr vorhergesehen werden oder ändern sich permanent.

 

Die sich immer weiter steigernde Flut an Informationen, Anforderungen, Impulsen und Belastungen zwingt immer stärker zu einer immensen Reduktion des Aufwandes für irgendeine Reaktion, Handlung. Holzschnittartig skizziertes Beispiel: das Angebot, nur sei Artikel XYZ im Sonderangebot, kann beim potentiellen Käufer ein „oha, aja, das will ich“ auslösen – aber hinfahren (gar nur zu bestimmten Zeiten geöffnet), mitnehmen, also Aufwand haben: Nein danke. Button gedrückt, Code gescannt – das ist das maximale. Mehr an Zeitaufwands-Bereitschaft ist oft bei Kunden, Käufern, Konsumenten „nicht drin“. 

 

Bequemlichkeit ist attraktiv. Aber was ist dem einzelnen bequem?

 

Multimedial kanalisierte Informationen, Kontakte, (Geschäfts- oder Kauf-/Service-) Beziehungen sind nach derzeitiger Erkenntnis der einzige Weg, eine völlig und total unberechenbar gewordene größere Gruppe von Menschen anzusprechen, zu bedienen, mit ihnen in Kontakt zu bleiben und sie zu Handlungen zu bewegen – sei dies Buchung, Kauf, Zustimmung, Reaktionen der verschiedensten Art oder was auch immer. 

 

Was unterscheidet gute Medienmacher oder Werber von schlechten?

 

Sprüche wie „… dann können/sollen/müssen … Kunden/potentielle Käufer … eben halt …“ oder „… wenn wir, dann …. [reagieren/handeln Menschen so, gemäß unserem Wunsch und Definition“ lassen klar und eindeutig erkennen: Wer so spricht, scheitert, hat keine Ahnung, richtet ein Chaos an. Der hat schlichtweg nicht kapiert, wie die Menschen heute „ticken“, wie sie sind. 

 

Es gibt einen schönen Satz: „Typographie muss dienen“ – abgeleitet aus „forms follows function“. Exakt diesen kann man bei Kommunikationskonzepten anwenden. MUSS man anwenden. „Medien müssen nützlich sein“. Was wortwörtlich beinhaltet, sie müssen einen tatsächlichen und gewollt akzeptierten Nutzen haben. Besser noch ausgedrückt als „mehr Nutzen als ein anderes Medium“. Der Mediengebrauch/-einsatz richtet sich nach der konkreten Nützlichkeit in einer gegebenen oder vermuteten Situation. 

 

Da sich Situationen ständig ändern (können), muss man über die verschiedenen Medienkanäle dem folgen. — Also:

 

media follows lifestyle

 

In dieser wenn-dann-Beziehung ist der Zusammenhang von Medien und ihren Nutzern bislang eher selten dargestellt worden. Meist als „moderne Medien bestimmen den Lebensalltag der Menschen“. NEIN, UMGEKEHRT: 

 

Der Lebens- und Berufsalltag der Menschen gibt vor, welche Medien wann wie von welchem Nutzen sind. 

 

Es müssen technisch-funktionale Konzepte und Methoden, Techniken und Wege erprobt, gefunden, angewandt, optimiert werden, diesem Flic-Flac an Ansprüchen, Situationen, Vereinfachungen und gewollter Forcierung von Reaktionen (Kauf, Bestellung, Buchung usw.) gerecht zu werden. 

 

Womit klar ist, Multimediale Konzept-Architektur ist die Basis für kommerzielle Aktivitäten. Multimediales ist das „mobile Kaufhaus“, die „digitale Verkaufsstelle“, das „netzbasierte Service-Büro“ – und so weiter.

 

Dies alles fußt auf einem 180°-Paradigmenwechsel. Galt früher, (Ab)Sender suchen sich ihre Nutzer (Leser, Hörer, Zuschauer, im weiteren auch Interessenten, Kunden), so gibt es heute so gut wie nur noch

Rezipienten suchen sich ihre genutzten medialen Quellen selbst aus.

 

(Rezipient, „Empfänger“, ist in der Kommunikation ein gebräuchlicher Begriff für Nutzer.) 

Schon alleine aus diesem Grund – über die pure Nützlichkeit kombinierter Medien hinaus – ist Multimedia unabdingbar und unerlässlich geworden (im Sinne von „combined media“ oder „toggled media“, veränderlich-anpassbar, situations- und vorteils-gerecht). 

 

Inzwischen ist der Umgang mit Multimedialem für „Normalmenschen“ längst nicht mehr (nur) Stress und Zwang und Gängelei. Im Gegenteil, es macht ihnen Freude, Spaß, Vergnügen, sie tun und nutzen es gerne. 

 

Multimedial Überraschendes (neudeutsch: „krass-fett-geiles“) zu bieten, den Spieltrieb zu fördern, durch den Gebrauch der angebotenen Medienkombination Vorteile klar zu machen und zu gewähren, Nutzen zu verdeutlichen – das ist fast immer mehr wert als viele andere konservative Formen inzwischen lahmender Promotion-Methoden. 

 

Mal so gesagt: Wenn man per Knopfdruck auf seiner Internet-Uhr Logenplätze im Kino reservieren kann, mit bereitstehendem eiskalten Longdrink sowieso, dann ist den meisten fast egal, welcher Film läuft …

 

Das sollte einem zu denken geben. Um daraus das Multimediale Kommunikationsarchitektur-Konzept für die Vermarktung der eigenen Produkte und Dienste auf den Weg zu bringen. 

Es wird auf diesem Gebiet niemals ein „so macht man das und nicht anders“ geben. Jeder muss seinen Erfolg selbst erarbeiten. 

FRÜHER: (Ab-)Sender suchten sich ihre Empfänger. HEUTE: Rezipienten (Nutzer) such sich ihre (Informations-)Quellen.
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Die medial verzerrte Wirklichkeit

Es ist ein Flugzeug abgestürzt. Rund 150 Menschen sterben dabei. 

 

Deutschland verfällt in eine Panik, als sei ein großer Krieg ausgebrochen. Und wir alle in Lebensgefahr. Dumme, dümmste, saudämlich blöde Fragen werden Minuten nach dem Absturz von Moderatoren und so genannten vor-Ort-Reportern gestellt: Wie konnte das passieren? Wo liegt der Fehler? Ist die Fluggesellschaft überhaupt in der Lage, Flugzeuge fliegen zu lassen (weit über 100 fliegen seit zig Jahren täglich unfallfrei!)? Wieso fliegt man diese Route (man fliegt schon seit Jahrzehnten diese Route)? Die Medien haben endlich ihr gefundenes Fressen. 150 Tote auf einen Streich sind immer gut für Sondersendungen und Live-Schalten (früher hieß es mal Schaltung oder Übertragung, doch seit dumm-dämliche Reporter und Moderatoren auch öffentlich-rechtliches Fernsehterrain besetzt haben, sind es Flieger und Schalten und Trauerarbeit und Schockstarren geworden). 

 

Ganz ohne Frage, 150 tote Menschen, gestorben ohne die Chance des Entfliehens zu haben, dies ist sehr anrührend, emotional ergreifend. Doch was machen die Medien daraus: ihre eigene Story, indem Sie auf die individuellen Schicksale nur noch Rücksicht nehmen, wenn sie eine Gruselstory ergeben. 

 

Erst einmal: Das Wichtigste der ersten Meldungen war, wieviel Deutsche unter den Toten seien. Sorry, wie war das noch mit "alle Menschen sind gleich"?????

 

Zweitens: Wieso weiß der Bürgermeister des nahe gelegenen Bergdorfes nicht, warum das Flugzeug bei ihm abgestürzt ist? So etwas fällt unter die Kategorie "unkoordiniertes Informationsverhalten von Behörden" – zumindest für die extrem saublöd-dummen Reporter beim Live-Fernsehen. 

 

Drittens: Galt nicht, gilt nicht, wird nicht mehr gelten, "Technik ist nie fehlerfrei"??? Wird wieder einmal, ahnt man förmlich, ein "menschliches Versagen" dabei herauskommen, selbst wenn ein kapitales Technikversagen vorliegen würde? Denn Piloten, sagen die ahnungslosen, von jeglicher Realität weiter als weit entfernten Naseweis-Journalisten, sind doch dazu da, kaputte Flugzeuge zu fliegen. Dafür streiken sie doch, oder haben eine Seelsorger-Ausbildung, oder müssen immer vor dem Fliegen Wasser lassen und dürfen nie Fisch essen – und was für ein Gebrabbel sonst noch in Talkshows abgefragt und abgelassen wird. 

 

150 Tote sind "schlimm". Ach ja, wirklich? Tatsächlich? Jeden Tag sterben in Deutschland statistisch-durchschnittlich 10 Menschen im Straßenverkehr. Macht in zwei Wochen auch rund 150. Ich habe noch nie, nie, nie, nie, nie davon gehört oder gelesen, dass alle zwei Wochen die Kanzlerin Sonderflüge zum Unglücksort macht, Staatsreisen abgesagt werden, Trauerbeflaggung angeordnet wird, Schulen geschlossen oder an Stammtischen über nichts anderes als das Unglück geredet wird. Dass wir jedes Jahr allein in Deutschland von der Zahl der Toten her 20 solcher Flugzeugabstürze haben – fast zwei im Monat – das nehmen weder die Medien noch wir zur Kenntnis. Geschweige, dass es jemanden überhaupt berührt. Hinzu kommen noch die Opfer von Arbeitsunfällen – in Betrieben, im Haushalt –, von Verbrechen, die abgeleiteten Krankheiten von ständigem Stress oder Mobbing oder seelischen Qualen (von Selbstmord bis Herzinfarkt, von zu Tode saufen bis sich selbst aufgeben). Dies ist, wenn überhaupt, den Medien allenfalls  ein Feature außerhalb der Prime-Zeiten wert. Manchmal, wenn der Zuschauer Glück hat, sogar moderiert von einem noch selbständig und klug denkenden Menschen. 

 

Nicht 150 Tote sind zu beklagen,
JEDER EINZELNE TOTE IST ZU BEKLAGEN.


Über jeden – JEDEN, JEDEN, JEDEN - ist zu weinen. Und zwar völlig unabhängig davon, ab jemand alleine, einsam, "für sich" stirbt oder im Massencrash. Die Pein eines Angehörigen, von Eltern, Kindern, Geschwistern, Freunden ist nicht größer und nicht kleiner, ob der Tod solo oder als multiples Ereignis eintritt. 

 

3.000 Verkehrstote pro Jahr allein in Deutschland – das steht als kleine Meldung irgendwo versteckt auf irgendeiner Zeitungsseite. 150 auf einen Crash – und die Medien präsentieren ihre volle, ungeschminkte Geschmacklosigkeit. Zeigen, wie Angehörige "von der Öffentlichkeit abgeschirmt" werden, sie zeigen es, indem sie Bilder zeigen, wie weinend-verzweifelte Angehörige von hilflosen (was sollten sie auch wirklich tun können?) Betreuern in den Arm genommen und "abgeführt" werden (ja, auch solche und ähnliche Sprach-Nichtbeherrschungen unterlaufen TV- und Radio- sowie Print-Journalisten geradezu fast schon ständig).

 

Welch ein Leid der Tod eines einsam und allein gestorbenen Menschen im Straßenverkehr – oder bei anderer singulärer Gelegenheit – auszulösen vermag – mein Gott noch mal, man hat Wichtigeres zu senden als solch eine Lapalie.

 

3.000 Tote pro Jahr sind Ihnen nicht ein hip-modernes "huch, da muss ich aber eben mal schnell Trauerarbeit leisten" genug? Na gut, dann nehmen Sie doch 10.000. Das ist eine schöne Zahl an Toten. Deretwegen aber noch nie eine Kanzlerin den Hintern hoch bekommen hat und hingeflogen ist (damit kein Missverständnis aufkommt: die männlichen Vorgänger auch nicht!). 10.000 Tote. Boh! Klingt nach Sonderausgabe, Programmänderung, Talkshow-Marathon, Stellungnahme von 38 Ministern auf 79 Pressekonferenzen. 

Aber nur ruhig, es sind nur Kinder. Die allerdings jeden Tag. In Afrika. 
Verhungert, verdurstet, elend krepiert an den Folgen von Krankheiten oder fehlenden und falschen Medikamenten. Aber ich bitte Sie: doch deswegen nicht den Feierabendkrimi um eine Viertelstunde Sondersendung verschieben. Es sind doch nur Kinder. Es ist doch nur Afrika. Es sind doch nur 10.000 – und keine 150, davon rund 70 Deutsche. 


Es ist ein schwacher, aber es ist ein Trost, dass das Gedenken an die "Katastrophen"-Opfer des Germanwings-Fluges mit dem grauenvollen Ende privat und persönlich würdevoller ausfällt als zum millionenfachem Tod auf dem anderen Kontinent. Privat, aber eben nicht öffentlich. Nicht in den (Live-)Medien.

 Nach Journalisten-Sprech (deren Sammelwort für – nicht selten deutlich fehlendes – Denken, Können, Handeln) wird die Hilflosigkeit eines jeden Menschen, wenn sie maximal ist, weil die Gewissheit über den Tod einer Person eingetreten ist, die man liebt, "thematisiert". Dann werden Psychologen befragt, Piloten, Politiker, Proleten (ganz ruhig: ist ein altes Wort für "aus der Mitte des Volkes stammend" oder Arbeiter), Pastoren, Panikforscher, Poeten oder Plappermäulchen:

"Wir schalten jetzt live direkt vor Ort zu Dirk Dummes, guten Abend Dirk." – "Guten Abend." – "Dirk, Sie sind vor Ort. Da sind jetzt die Angehörigen hingeflogen worden und leisten Trauerarbeit. Soeben kommt die Meldung, dass ihnen gesagt worden sei, Tod sei etwas, was man nicht oder nur selten rückgängig machen kann. Dirk, haben Sie beobachten können, ob sie dabei geweint haben. Oder wie muss man sich das vorstellen?" – "Nun, ich habe soeben mit dem für die Unglücksstelle zuständigen Pfarrer gesprochen, aber der hat auch noch keine genauen Erkenntnisse. Wir warten noch auf die Pressekonferenz des Hoteliers, bei dem die meisten Angehörigen wenigstens eine Tasse Kaffee trinken konnten. Neben mir steht XYZ, er ist Bauer und hat beim Mähen beobachten können, wie die ersten Rettungshubschrauber kamen. XYZ, was wissen Sie über den Zustand der Angehörigen und der Hubschrauber? Sind die überhaupt für einen Einsatz in den Bergen geeignet? Sie selbst halten ja Bergschafe und kennen sich da aus ..." - - -


In Afrika, bei Kriegen in Soundso, beim Attentat der religiös-wirren politischen Bande in scheinbar verworrenen Gebieten der Welt – wann wäre uns das wirklich Schweigen, Gedenken, Bewusstwerden auch unserer eigenen politischen "Schuld" im Sinne von "auch wir sind Teil der Ursache dafür" mitfühlend, ehrlich-aufrichtig ein Bedürfnis gewesen? Zumindest im Fernsehen, im Radio, in Print (die beiden letzteren wagen es manchmal ein wenig, am Rande). 

 

In Afrika sterben sie lautlos. Bei uns wenigstens mit fernsehwirksamen Bildern, wie Journalisten sie neuerdings mit seelenlosem Zynismus zelebrieren: Ein Flugzeug stürzt ab. Man weiß vorerst partout nicht, warum, aber die neunmalklugen Moderatoren und Reporter, Talkmaster fabulieren wie die Schulkinder aufgeregt beim Ausflug in den Zoo über hochkomplexe sicherheitstechnische Details. Ihnen, den Klugschwätzern, würde ich oft nicht zutrauen, einen Eierkocher reparieren zu können. Aber wie und warum eine Pivotdüse in welchen Luftschichten und -temperaturen bei welchem Feuchtigkeitsgehalt teilvereisen kann und welches Programmteil des hochkomplexen Flightmanagementsystems dann zu welchen Fehlergebnissen kommen könnten – na klar, das haben sie drauf, das kennen sie seit klein auf, da sind sie fit und fragen dann auch schon mal nach, ob Flugzeuge überhaupt so hoch fliegen müssen, weil das ja potentiell gefährlich sei. Wegen der Pivotdüsen. Und deshalb die Forderung, die sich binnen Stunden zur Schlagzeile verdichtetet: Teile müssen ausgetauscht werden, die Wartung verbessert, überhaupt, ist Deutschland in der Lage, Flugzeuge zu fliegen (ich meine, Talkshow-Stichwortgeber ja, aber auch der Rest, also zum Beispiel ausgebildete, erfahrene Piloten? Nein, die eher doch nicht.)

 

300.000 Menschen verunglücken jährlich alleine in Deutschland im Straßenverkehr. Da fordere ich aber doch mal ganz flott, weil es nämlich technisch leicht möglich und noch nicht einmal teuer wäre, eine mit dem Anlasser des Autos verbundenes IQ-Testgerät. Ist der Fahrer zu uneinsichtig, unwissend, unwillig, vernünftig zu fahren, bleibt das Ding einfach stehen. Hui, ständen da BMWs und Audis am Straßenrand! Deren Fahrer heute noch glauben, nur weil sie eine elektronische Schlupfregelung haben, 180 "Sachen" in vereister Kurve, das wäre doch nix. Rein gar nix. Nun gut, stand halt blöd ein Fußgänger rum ...

 

300.000 mal jährlich in Deutschland Schmerzen, Leid, Schrecken, Todesangst, Ungemach, Rollstuhl, Invalidität. Kommen deshalb die Fernsehteams aus aller Welt mit ihren Satelittenschüssel-Wagen zu uns? Fast 1.000 (in Worten: Tausend) oft schwer verletzte Menschen, nicht selten mit dem Tod ringend, oft ein Leben lang geschädigt, verkrüppelt, der Lebensfreude beraubt JEDEN TAG JEDEN TAG JEDEN TAG – Sondersendung? Hey, welche Sondersendung? 150 Menschen an einem Berghang zerschmettert – kaum glaubt man, dem 2. Weltkrieg mit Millionen Toten sei so viele Sendestunden gewidmet gewesen wie diesem deutsches-Flugzeug-mit-über-60-toten-deutschen-Passagieren-Absturz. 

 

Nicht, dass man nicht über solche Unfälle berichten soll. Ich aber ganz persönlich wünsche mir dreierlei:

 

1. Dass die Experten (zu denen ich absolutes Vertrauen habe) herausfinden, was die Ursache des Absturzes war und diese Gefahrenquelle beseitigen (das wird geschehen, wenn es machbar ist; ganz garantiert).

 

2. Dass wir wieder lernen, Risiken und Gefahren zu akzeptieren, ohne davor medial generierte hysterisch Angst haben zu müssen – und deshalb vor solch einer Dauerdummbeschwätzung bewahrt werden.

 

3. Dass es endlich wieder intelligente Reporter und Moderatoren und Regisseure und Programmmacher im deutschen Fernsehen gibt. 

Sender, die uns über die Gefahren des Lebens informieren. 

Die klarmachen, dass Menschen nicht auf Freiheit von Sorgen oder den Tod erst im Wunschalter hoffen oder bestehen können. 

Und solche Journalisten, die wirklich welche sind und nicht ihre persönlich Profilgeilheit an Toten ausleben. Nur, weil es zufällig rund 150 unschuldig Gestorbene auf einen Crash sind. 


Wie sie nun herausstellt, handelte es sich – aus welchem Grunde auch immer – um einen gleichen Effekt, wie man ihn von Selbstmordattentäter im Nahen und Mittleren Osten bisher kannte – oder von Nine-Eleven, dem Angriff auf das World Trade Center. Die Motive mögen im Germanwings-Absturz andere gewesen sein – das Ergebnis ist das gleiche: ein einzelner Mensch reißt zig andere, unschuldige, völlig unschuldige, wissentlich und willentlich in den Tod. Ist also ein Mörder, ein Massenmörder (wenn er denn, wie die Indizien heute stehen, es wirklich willentlich getan hat). 

 

Vielleicht schalten wir demnächst weder die Nachrichten noch unser Mitgefühl ab, wenn – wie es eher zu befürchten ist, als sicher wäre, das Gegenteil anzunehmen – demnächst wieder solch eine Bluttat aus anderen Regionen der Welt gemeldet und gesendet wird. Vielleicht sehen wir dann nicht nur die Bilder der zerfetzen Autos und zertrümmerten Häusern auf dem Bildschirm, sondern auch das Leid der Angehörigen der Opfer vor Augen ... denn auf der ganzen Welt ist Trauer unterschiedslos. 

Vielleicht halten wir dann auch einmal, ganz privat, "unöffentlich", für eine Schweigeminute inne und überlegen uns, was wir, jeder für sich, persönlich tun können, um so etwas auf Dauer und langfristig (oder auch effektiv schnell) zu ändern. Oder denen zu helfen, die durch den Tod anderer ebenfalls "aus der Bahn geworfen werden", für die solch eine unvorhersehbare Tat das Leben, alles, verändert. 

 

Es wäre schön, die Medien würden organisieren, wie man helfen kann. Statt sich zu feiern, wie sie Katastrophen "abhandeln". 

 

Ach ja, schließlich und endlich, wer angesichts der Betroffenheit viele, mehrere Medien vor allem in TV und Online zugleich, parallel, verfolgt hat, der hat nun endgültig ein Bild darüber, welche Redaktion, Sender, Verlag zu den seriösen und guten gehört und wer eben nicht ...

 

Es sei denn, die/der Urteilende wäre selbst sensationsgeil und Unglücks-Voyeur. Dann sind die schlechten eben die guten. 


Dieser Text wurde ausgelöst durch ein singuläres Ereignis geschrieben. 

Es steht zu befürchten, erstens, es hätte auch jedes anderen erschütternde Unglück sein können. Und zweitens, alles, was hier kritisiert wird, wird sich wiederholen. 

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Ein nächster Nachtrag

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur digitale Produkte der FAZ, schrieb über die Haltung der Redaktion zur Tatsache, dass Bilder und der volle Name und andere persönliche Daten des den Tod verursachenden Kopiloten genannt wurde, dieses:

 

Es gibt viele Menschen, die nach einer solchen Katastrophe erst einmal selbst mit dem Unglück klar kommen wollen. Nicht alle können und wollen sich unmittelbar nach einer solchen Katastrophe der grausamen Realität aussetzen. Niemand ist gezwungen, permanent den Nachrichten zu folgen. Andere wollen wissen, wie das Unerklärliche zu erklären ist, hungern nach jeder neuen Erkenntnis. Auch das ist gerechtfertigt, keine Haltung ist der anderen überlegen. Jeder muss das mit sich selbst abmachen. Es ist eine autonome Entscheidung eines jeden Individuums. Niemand sollte sie einem abnehmen, keine Behörde, keine aufgeregte Öffentlichkeit und schon gar kein Storm auf Facebook.

Nur die Medien haben eine eingeschränkte Freiheit. Wer es ernst meint mit seinem Job in dieser Branche, der hat die Pflicht zur Aufklärung. Nicht nur bei Unglücken, sondern auch bei jedem anderen relevanten Vorfall. Die Presse, und dazu gehören alle, die mit ernsthaftem Anspruch in diesem Bereich tätig sind, ob Blogger oder Redakteure, ist ein riesiges Unternehmen Aufklärung. Aufklärung bringt Erkenntnisse, Aufklärung beseitigt Ungewissheit und Angst. Und Aufklärung liefert auch Trost. Diese Pflicht zur Aufklärung besteht auch dann, wenn es in den sozialen Netzwerken rumort. Aufklärung ist kein Dienst an der Mehrheit, sondern ein Dienst an der Wahrheit, selbst wenn sie manchmal unbequem oder noch nicht zu ertragen ist.

Diese Analyse, Schlussfolgerung, diesen Kommentar halte ich für brillant, vorbildlich, einen Leitsatz. Ihn vor Augen, erscheint es um so erbärmlicher, welchen seelisch verletzenden Schund andere Journalisten – vor allem im TV-Bereich – abgeliefert haben. Oder abzuliefern gezwungen waren. Des Systems "Quote" wegen.

Dass diesmal etwas anders war, wie es die FAZ wörtlich formuliert, nimmt sie zum Anlass, sich auch mit dem Thema "Medienschelte" auseinanderzusetzen:

http://www.faz.net/-gsb-81laa



Und noch ein bittrer Nachtrag

Im Mittelmeer kentert, ein paar Wochen später, ein Boot vollgepfropft mit Flüchtlingen. Zig Hundert Menschen ertrinken, chancenlos.

  1. Es ist der Welt ziemlich egal, ob es 790 oder 820 sind. Ein paar Schwarze mehr oder weniger, na und? Das ist das Fazit des Vergleichs beider Katastrophen: hier penibles Leichenzählen, dort das großzügige Wort "rund .... Menschen"
  2. Keine Sau, pardon: Redaktion interessiert wirklich, aus welchem Land wer kam und wie viele es jeweils waren. Die Länder kennt man ja ohnehin kaum ...
  3. Forderungen nach Konsequenzen? Aber klar doch: "Die EU muss ihre Politik ändern!". Womit gesagt ist: Leute, lasst einfach Gras über die Sache wachsen, oder besser gesagt, Wellen über die Wasserleichen schwappen. 

Medien. Ein anderes Wort für Perversion (wörtlich: Verdrehung, verkehrt sein).

Medien machen Zitate zu Nachrichten und damit zu vermeintlichen Wahrheiten

Man muss sich dieses Widersinns nur erst einmal bewusst werden: wie kann etwas „privat“ sein, wenn es öffentlich gezeigt wird? Ein weiterer Beweis dafür, dass wir zwischen den Ebenen von Ursache und Wirkung, Sein und Schein kaum noch unterscheiden.
Man muss sich dieses Widersinns nur erst einmal bewusst werden: wie kann etwas „privat“ sein, wenn es öffentlich gezeigt wird? Ein weiterer Beweis dafür, dass wir zwischen den Ebenen von Ursache und Wirkung, Sein und Schein kaum noch unterscheiden.

Dies ist ein Foto einer (im übrigen netten und charmanten) Person, das diese Person mit einem Foto seiner Person in einem Medium zeigt, das dieses Foto einem anderen Medium entnommen hat und das Foto deshalb so interessant ist, weil auf dem Foto eine andere Person zu sehen ist. 

 

Was jetzt nach höherem Blödsinn ohne tieferen Ernst klingt, ist die Medien-Wirklichkeit der jetzigen Zeit. In der die vermeintliche Wahrheit daraus besteht, dass andere Medien zitiert werden. Das kennt man in abgewandelter Form schon lange, heißt manchmal Voodoo oder scheinbar seriös klingend "a self fullfilling prophecy". Man kann – voodoo-like – einem Menschen so intensiv suggerier, bald zu sterben, bis die Person aus Angst um ihren Tod wirklich stirbt. 

 

Alles Quatsch? Nein, das Geheimnis heutiger Medien ! ! ! 

Irgendetwas passiert auf dieser Welt. Dann könnte ein zufälliger Augenzeuge zufällig ein Handy-Video machen und es auf YouTube einstellen. Von YouTube geht es als Links und Likes via Facebook in andere Kanäle, Google+ und Xing, normale Emails und Blogger in aller Welt tragen es weiter. Oft binnen Stunden (um nicht zu sagen: zuweilen auch binnen Minuten). 

Nun berichtet eine – oder mehrere – Tageszeitungen darüber. Worauf eine Presseagentur einen Artikel schreibt, des Inhalts, dass zahlreiche Blogger über ein Youtube-Video berichten, das irgendetwas zeigt. 

Diese Pressemitteilung wird nun an die Tagesschau oder den Spiegel gesendet. Einer von beiden, sagen wir Spiegel Online, veröffentlicht es. Dann berichtete eine Stunde später die Tagesschau, dass Spiegel-Online meldet ... –– –– –– und so weiter, und so fort. 


Wahrheit aus fünfter, sechster, zehnter Hand. Und keiner hinterfragt sie mehr. Das Ereignis an sich kann falsch dargestellt sein. Mag sein, dass auch dies diskutiert und kommentiert wird. Aber Tatsache ist, dass die Meldung an sich als Tatsache gilt – eben: a self fullfilling prophecy. Der Beweis seiner selbst. Bewiesen ist nichts, außer, dass der Beweis nicht widerlegt werden kann. Ein Phänomen, an dem Philosophen, Logiker und Rhetoriker in den verschiedensten Varianten schon seit Jahrtausenden sich die (mentalen) Zähne ausbeißen. Wenn ein Kreter sagt: "Alle Kreter lügen" (Achtung, keine Diskriminierung und Grund für einen Griechenland-EU-Austritt, sondern uraltes Logik-Paradoxon aus der Antike).

Schauspiele, Gedichte, Theater, Film, die ganze Literatur – seit jeher und mit anhaltender Lust tun sie genau nichts anderes. Nämlich Fiktion und Phantasie als Realität zu präsentieren und zu suggerieren, als könne, was eigentlich unmöglich ist, wirklich möglich sein. Alle Helden- und Sciencefiction-Filme leben davon, dass Zuschauer bereit sind, ihre eigene Logik  auszuschalten und sich der Illusion hinzugeben, das Virtuelle sei das Reale. Solange Bud Spencer mit einem Schlag 20 Gegner in den Sand haut (was nicht geht) oder James Bond mit einem Kugelschreiber als Raketenshuttle durch die Luft fliegt (was auch nicht real möglich ist), rettet das Bewusstsein, alles sei Klamauk und Parodie die Zuschauer vor der Einweisung in die Psychiatrie.


Bislang hatte man unterschieden zwischen Theater/Kino und den Medien (denen Wahrheits- und Wirklichkeits-Gehalt zugeschrieben wurde). Wenn im Kinofilm der schnöde Schurke die schwangere, 

lustvoll schmachtende Maid sitzenlässt, dann heulen zwar ganze Heerscharen eigentlich ansonsten ganz vernünftiger Frauen – aber nun ja, hier (im Dunklen des Kinos) ist man Menschin, hier darf man sein, wie man ist. 


Doch jetzt auch: nun regen sich Millionen von Menschen auf, weil sie lesen, was andere Medien geschrieben oder getwittert oder gelikt haben – sie regen sich auf, ohne jemals zu fragen, ob das, worüber sie sich aufregen, wirklich wahr ist oder sein könnte. 


Wenn Zuschauer Soap-Operas und nachgestellte vermeintliche Reportagen für die wahre echte Wirklichkeit halten – oder wenn sie der Meldung der Tagesschau vertrauen, Spiegel Online würde berichten, die Nachrichtenagentur meldet, dass Blogger weitergeben, was über Facebook verbreitet wird, dass ein Youtube-Video ...  – – dann sind die Medienkonsumenten wirklich dort angekommen, wo sie kein Entrinnen mehr haben. 

Im Wahn-Sinn. In einer Welt, von der sie wähnen, es wäre die echte, wirkliche. Und die in Wirklichkeit eine bloße Selbstbezüglichkeit ist: Die Medien berichten über die Medien. Die Literatur darüber, wie Literatur entsteht. Filme zeigen, wie man Filme macht. 

 

Übrigens, das will jetzt nichts heißen, dieser Blog (und anderes von mir) ist nichts anderes als ein Medium, dass über Medien und ihre Wirkungsweisen berichtet. Aber wie gesagt, dass muss nichts hießen.

Wer jetzt noch nicht den Überblick verloren hat oder verrückt geworden ist, dem empfehle ich nebenstehendes Buch. Doch bitte seien Sie vorsichtig: in weniger als einem Jahr Lesezeit – täglich fast nicht mehr als eine Seite – werden sie es selbst bei testierter Hochintelligenz kaum verstehen können. 


aus Wikipedia:

Hofstadter sieht in bestimmten selbstbezüglichen Mustern, den von ihm so genannten Seltsamen Schleifen, den Schlüssel zum Verständnis von Phänomenen wie Sein oder Bewusstsein. Er stellt diese Muster in seinem Buch vor. Seine Systematik verbindet das mathematische Werk Kurt Gödels mit den kunstvollen Illustrationen M. C. Eschers und der Musik Johann Sebastian Bachs. Diese schöpferischen Werke setzt er in Beziehung zur Informatik, wie selbstbezüglichen Computerprogrammen, den so genannten Quines, und den Strukturen der DNA, mithin der Molekularbiologie.

Das Buch wurde in Deutschland ein Bestseller und stand für fünf Monate auf Platz 1. 1980 wurde es mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie General Non-Fiction und dem American Book Award in der Kategorie Science Hardback ausgezeichnet.


Zeitung, Wahrheit, Medien-Entwicklung

Cordt von Schnibben und ein Multimedia-Feature in Spiegel Online


Na, gnä' Frau, heute schon fremd gegangen?

Wenn Frauen über Männer lästern (was sie gerne tun), fällt unweigerlich das Urteil, diese bösen Knaben seien ja eh nur schw...-gesteuert (na, Sie wissen schon). 


Schön, nun können die Männer zurückkeifen: Und Frauen sind Ei-abhängig. Besser gesagt: Eisprung-Tussis. Untreu, triebhaft, einfach nur g... (diese igitt-Vokabel). Denn was die Wissenschaft (oder die sich dafür hält) nicht alles rausfindet:


(pte) An fruchtbarsten Tagen werden Frauen ihren Lieblingsprodukten untreu und sehnen sich nach Abwechslung. Zu diesem Schluss sind die Forscherinnen Kristina M. Durante und Ashley Rae Arsena von der University of Texas at San Antonio gekommen. Biologische Vorgänge im Körper verändern in erster Linie die Auswahlmechanismen von potenziellen Partnern - und in zweiter Linie auch das Konsumverhalten. "Frauen haben während des Eisprungs viele verschiedene Wahlmöglichkeiten getroffen - von Schokoriegeln bis hin zu Kosmetik, und nicht immer und immer wieder dasselbe Produkt oder dieselbe Marke gewählt", erklärt Durante. "Wenn wir die Frauen aber aufgefordert haben, sich vorzustellen, sie seien in einer liebevollen Beziehung mit einem attraktiven Partner oder wenn wir verheiratete Frauen aufgefordert haben, ihren Ehering anzustecken, ist das Verlangen nach Abwechslung während des Eisprungs verschwunden."


Wenn schon ein neuer Lover, dann wenigsten ein anderer Schokoriegel (vielleicht einen in Schw...-Form?). Der One-night-stand mit Lidl statt Aldi. Oder den Postboten vernaschen statt der 5-Minuten-Terrine. 


So tut sich dann für die Verwirrung ihrer Kunden für Werber eine neue Dimension auf: die Zielgruppe der Eisprüngigen. Vielleicht kann Tengelmann dann das 50-grades-of-shyless-Angebot positionieren oder der Kaufhof wirbt mit einem Doppelpack: 2 Waschmittel zur Wahl plus 2 Nächte mit dem Mann Ihrer Wahl. 99 Euro.


Während der Menstruation darf dann der Alte wieder schmachten und die Hausfrau kauft bei Edeka wie immer Milka-Nuss. Diese dumme lila Kuh.


Kann es nicht wirklich spannend sein, diese Kombination von Werbung und Pseudo-Wissenschaft?  Wir haben ja sonst nichts zu tun ...


Deutsche Gemüt--lichkeit

Gemütlichkeit ist ein Wort, welches man auch im anglizistischen Sprachraum kennt, um „typisch deutsch“ zu versinnbildlichen. Offensichtlich hängt ja Gemütlichkeit von Gemüt, sprich seelische Befindlichkeit, ab und darin ist das Wort Mut enthalten. Haben die Deutschen Mut - - und damit ein ordentliches Gemüt??

 

Die Neue Revue, Boulevard-Zeitschrift für alles Seichte und damit Gemütliche, hat herausgefunden, was der Deutschen liebste Fernsehsendungen sind. Wie zu erwarten stehen weder kritische, anspruchsvolle, noch Geist und Wissen fordernde Serien und Sendungen obenan, sondern die HEILE WELT. Selbst wenn es sich um Zoff- und Krimi-Serien handelt, die Zuschauer wissen, nach spätestens dreiviertel Stunde hat das Gute gesiegt, man hat gelernt, dass böse Menschen böse sind und man sich vor ihnen hüten muss, und man selbst hat natürlich immer Sympathie mit den guten. 

 

Dabei offenbaren sich, wie die Neue Revue meldet, tatsächlich Abgründe zwischen Frauen- und Männer-Gemütern. Während die Männer solch knackige Serien wie das harte-Kerle-hilfesuchende-Frauen-Epos Großstadtrevier oder die Rosenheim Cops zum Favoriten machen (klar, da laufen auch endlich mal welche mit Bauch rum, und Michi, der Serientrottel, spielt so schön, wie man sich selbst fühlt, immer die Arschkarte, immer die Arbeit, aber eigentlich der Schlaueste), bleiben die Damen ihrem angeblich angedichteten Vorurteil treu: In aller Freundschaft ist ihr Favorit, das Krankenschwester-Syndrom schlägt voll zu. Es ist schon peinlich, aber nach dieser Statistik wahr: Frauen stehen auf Bergdoktor und Sturm der Liebe. Wow, das muss man erst mal wegstecken.

Und, wen wunderts, Norddeutsche fühlen sich bei Wasser-Serien wohl, Bayern bei Bergpanoramen. Ist es nicht wunderschön, der Deutschen Gemüt: kuschelig in allen weichen Pfühlen der Vorurteile und Klischees eingenistet und weit weg von jeglicher Überforderung. 

 

Eine repräsentative TNS Emnid-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift Neue Post

Top 10 der beliebtesten deutschen TV-Serien (mit Zuschauer-Anteil aller Guck-fähigen):

 1. Die Rosenheim-Cops (10,8 Prozent) 

 2. Der Lehrer (10,4 Prozent) 

 3. In aller Freundschaft (10,0 Prozent) 

 4. Der Bergdoktor (9,5 Prozent) 

 5. Das Großstadtrevier (8,9 Prozent) 

 6. Ein Fall für zwei (8,3 Prozent) 

 7. Sturm der Liebe (7,1 Prozent) 

 8. Um Himmerls Willen (6,7 Prozent) 

 9. Soko Leipzig (6,7 Prozent) 

 10. Die Bergretter (4,0 Prozent)

 

Warum lügen wir uns drumherum?

Den Solinger Karikaturisten Marcus Gottfried halte ich für ein Genie – bei aller gebotenen Vorsicht im Umgang mit solch großen Worten. Er kann zeichnerisch auf den Punkt bringen, was fortan keiner weiteren Erklärung mehr bedarf. Er schafft ein Lächeln in der Leser Gesichter, das schnell gefriert und es einem bei weiterer Überlegung eiskalt den Rücken runterläuft. Wie bei diesem Motiv aus gegebenem Anlass zur Session 2015. 

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Dazu passt (wahrscheinlich und sicherlich), was ich Tage zuvor als Email versandt habe:


Wenn eine politische Macht in einem anderen (fremden) Land mit Gewalt eingreift und Regeln außer Kraft setzt oder Menschenleben bedroht oder sogar offen ankündigt, zu töten, nennt man das Krieg. 
       So ist es mit dem IS und seiner für uns undurchsichtigen Gemengelage: Angekündigt (und bewiesen) ist, dass man, falls man sich „provoziert fühlt“, töten wird. 
       Der Kölner Karneval ist nun vor dieser Drohung eingeknickt. Spätestens damit (es ist allerdings nur der Tropfen, der das Fass irgendwie überlaufen lässt) ist in Deutschland (wieder) Krieg – nämlich die konkrete Androhung des Tötens Bürger dieses Landes durch „Ausländische“. 
       Und eigentlich wäre damit der Nato-Verteidigungsfall gegeben. Wenn man ernst nimmt, was Europa (plus ander Länder) mit sich selbst vereinbart hat. 
   Statt dessen: 
– Schweigen in der Politik. Allenfalls ein murmelndes Geschwurbel.
– „Froh sein“ unter den Karnevalisten (sprich: den Bürgerlichen in diesem Land). Umgangsdeutsch: „Schwanz eingezogen“.
– Aufregung nur auf „halbe Kraft“ in den Medien.
– Wegschauen, wegducken, ignorieren in der Gesellschaft (also bei den meisten von uns).
– Kritiker, Mahner, Laut-Aufschreier werden ihrerseits als radikal, rechts, blöd, „übertrieben“, „unangebracht“ gebranntmarkt (Damit es auch der Dümmste merkt und begreift und es schriftlich hat: Ich spreche NICHT (Nicht meint: NICHT) von Pediga und ähnlichem oder deren Nachahmer; ich spreche von stinknormalen Menschen mit Urteilskraft, die sich Sorgen machen und auf ähnliche Geschehnisse vor 1933 hinweisen: Da war es das Kuschen der Bürgerlichen, das den nationalsozialistischen Terror staatstragend machte).
– – – Und heute?
Toll. All dieses Gerede von Demokratie. Von Zivilcourage. Von kulturellen Werten. 
Toll. Wie uns das alles am A… vorbeigeht. 

Wie wir da plötzlich (siehe Karikatur) umgangssprachlich „keine Eier in der Hose haben“.
Heute schon gekotzt?
Nun, jetzt, genau jetzt, wäre der richtige Zeitpunkt und die Gelegenheit dazu. 

Und – gute Nacht. Mit uns kann man’s ja machen. Krieg. Einschüchterung. Für-dumm-verkaufen. 
Es ist ja so normal geworden. 

Hören wir auf, auf „die“ (die Bösen, die Terroristen, die IS) zu schimpfen. Schämen wir uns lieber über unser mutlos sein. 

Trauern wir ob des ersten Kriegsopfers hierzulande: die Narrenfreiheit. 

Einst Symbol für „wir müssen uns nicht alles gefallen lassen“. Nun IS sie tot. 


Statt einer Unterschrift: drei Kreuze !