Schwachstelle Mensch

Würden Sie in ein Flugzeug steigen und mitfliegen, von dem Sie wissen, dass im Cockpit kein Pilot anwesend ist. Ein Flugzeug, bei dem alles per Computer geregelt wird. Komplett. Natürlich mit einer zigfach abgesicherten Soft- und Hardware-Lösung. Hätten Sie den Mut?


Sollte Ihre Antwort „nein“ heißen, ist das schlecht. Denn wann immer man über die Ursachen von Flugzeugabstürzen liest, ist größtenteils von Pilotenfehlern oder Überforderung der Crew die Rede. Ganz selten nur sind technische Probleme allein der Grund für das Desaster. Die Schwachstelle ist zum Schluss fast immer der Mensch. Fallen mal wirklich die Technik, die Computer komplett aus, sind die Piloten auch nicht (mehr) in der Lage, das auszugleichen. Sie verhindern keine Unglücke. Oder eben nur sehr selten. 


Übertragen aufs ganz normale, tägliche Betriebsgeschehen tun sich eklatant wahrhaftige Parallelen auf. Wenn es in einem Unternehmen, in der Produktion, Disposition, Organisation, in der Qualität und komplexen Management eines Betriebes zu Fehlern, zu einem Crash, zu unliebsamen Situationen kommt – sind es, ja wer wohl? Doch fast immer die Menschen schuld. Eben: Schwachstelle Mensch. 


Jeden Tag finden rund 80.000 Flüge von Verkehrsmaschinen (mit Passagieren) statt; zu 99 Prozent sind sie so gut wie komplett computer-/software-gesteuert. Die Zuverlässigkeit von Steuerungssoftware ist also enorm. Vielleicht ein Grund, dass auch andere Branchen, dass auch das gesamte Betriebsmanagement in Zukunft immer mehr, immer stärker auf Ergebnisse der Kybernetik – die Lehre von selbststeuernden Prozessne – umgestellt wird. Dass wir den Risikofaktor Mensch reduzieren. 



Immer wieder entgegengehalten wird (ängstlich): Und was geschieht mit diesen Menschen? Nun, Flugzeuge fliegen so gut wie komplett selbständig, und Menschen nutzen dies. Warum nicht auch: Produktionen funktionieren selbststeuernd selbständig, und Menschen nutzen die produzierten Ergebnisse. So simpel kann es sein. Das einzige Hindernis ist, es fällt so schwer, unkompliziert zu denken und logisch-konsequent zu handeln.